Die Wahrnehmung eines Menschen von seiner verlorenen Hand und der künstliche Ersatz passen manchmal nicht recht zusammen. Oft fühlen die Betroffenen die verlorene Hand noch als Phantomhand, diese fühlt sich aber kleiner an als die Prothese. Ausserdem erhalten die Träger der Prothese keine sensorische Rückmeldung, wenn die künstliche Hand etwas berührt.

Ein internationales Forscherteam unter Leitung der ETH Lausanne (EPFL) zeigt nun, dass Prothesenträger durch einen Trick die künstliche Hand als ihre eigene wahrnehmen können. Davon berichten sie im Fachblatt "Journal of Neurology, Neurosurgery & Psychiatry".

Sehen allein reicht nicht

"Seeing is believing", also die Prothese als Teil des Körpers zu sehen und dadurch auch als solchen zu empfinden, reiche oft nicht, schrieb die EPFL in einer Mitteilung von Montagabend. Die Forschenden setzten daher auf zwei Sinne: Sehen und fühlen. Dazu kombinierten sie Virtual Reality mit einem taktilen Reiz.

Bei zwei Handamputierten stimulierten sie Nervenenden im Stumpf, so dass die Probanden das Gefühl hatten, an der Zeigefingerspitze ihrer Phantomhand berührt zu werden. Gleichzeitig trugen die beiden Probanden auch VR-Brillen, durch welche sie den Zeigefinger der Prothese bei jeder Berührung aufleuchten sahen.

Phantomhand wächst in die Prothese

Beide Prothesenträger gaben an, dass sie die Prothese als Teil ihres Körpers empfanden. Ausserdem stellte sich heraus, dass sich ihre Phantomhand ihrem Empfinden nach in die "grössere" Prothese gestreckt hatte.

"Das Setup ist tragbar und könnte eines Tages als Therapie eingesetzt werden, um Patienten dabei zu helfen, ihre Prothese dauerhaft zu verkörpern", sagte Studienautor Giulio Rognini von der EPFL gemäss der Mitteilung.