Die diesjährige Grippewelle ist noch nicht überstanden: Nach Angaben des Bundesamts für Gesundheit (BAG) steigt die Zahl der Ansteckungen in der Nordwestschweiz vorerst weiter an.

Das alleine ist nicht der Grund, wieso morgen, am ersten Sonntag im März, der «Tag der Kranken» stattfindet. Vielmehr soll über Veranstaltungen das gegenseitige Verständnis von Gesunden und Kranken gefördert werden.

Der «Tag der Kranken» gibt auch Anlass, nach der Gesundheit der Schweizer Bevölkerung zu fragen. Angesichts der steigenden Lebenserwartung fällt die Antwort positiv aus.

Auch stuft eine grosse Mehrheit den eigenen Zustand als gut bis sehr gut ein. Und das, obwohl über 30 Prozent der Bevölkerung an einem dauerhaften Gesundheitsproblem leiden.

Nur gerade 20 Prozent geben an, es gehe ihnen mittelmässig bis sehr schlecht. Die Diskrepanz ist mit immer effizienteren Therapien zu erklären. So leben beispielsweise viele Asthmatiker heute beschwerdefrei. Allerdings unterscheiden sich die Befindlichkeiten je nach Generation: Bei den Jungen leidet jeder siebte an Beschwerden, bei den über 75-Jährigen ist es jeder zweite.

Zunehmendes Übergewicht

Spitzenreiter unter den chronischen Krankheiten ist der Bluthochdruck. Überhaupt gehören Herz-Kreislauf-Krankheiten, die oftmals auf einen ungesunden Lebenswandel zurückzuführen sind, zu den häufigsten.

Das Bundesamt für Sport konstatierte letztes Jahr, dass zwar mehr Menschen Sport treiben, dass sie sich aber grundsätzlich weniger bewegen. 30 Prozent der hiesigen Bevölkerung gelten als übergewichtig, jeder Zehnte ist adipös. Das hat direkte Folgen für die Gesundheit – genauso, wie wenn eine Person täglich viele Zigaretten raucht oder wenn sie täglich Alkohol trinkt.

Herz-Kreislauf-Krankheiten sind die Todesursache Nummer 1 in der Schweiz. Betroffen sind vor allem ältere Semester. Junge Menschen sind anderen Gefahren ausgesetzt. Häufiger sterben sie bei Unfällen oder begehen Selbstmord. Die tödlichste Krankheit der 45- bis 80-Jährigen ist hingegen Krebs, der in unterschiedlichen Formen auftritt.

Frauen kämpfen am häufigsten gegen Brustkrebs (gemäss Krebsliga erkranken jährlich 5500 Frauen neu), bei den Männern ist es Prostatakrebs (6100 Männer pro Jahr). Verbreitet sind auch Lungen- und Darmkrebs (3900 bzw. 4100 Personen pro Jahr).

Die Kehrseite des Alterns

Durch verbreitete Krebsfrüherkennung ist die Mortalität der Krankheit gesunken. Der medizinische Fortschritt hilft auch bei anderen Leiden: Weil sich Krankheiten heute besser und effizienter behandeln lassen, steigt die Lebenserwartung.

Die meisten Menschen in der Schweiz sterben, wenn sie 80 Jahre oder älter sind. Damit im Zusammenhang steht auch das häufigere Auftreten von Demenz: Gemäss einer Schätzung der Schweizerischen Alzheimervereinigung leiden fast 116 000 Menschen an einer Form von Demenz. Je älter die Menschen werden, desto häufiger tritt die Krankheit auf.

Einen gegenteiligen Trend gibt es bei den Infektionskrankheiten: Ansteckungen kommen immer seltener vor. Ausser bei der saisonalen Grippe, die jeweils während der Wintermonate wütet, und bei Magen-Darm-Infektionen haben die Ansteckungsfälle bei Infektionskrankheiten in den letzten Jahren abgenommen – etwa bei Aids (noch 90 Infektionen 2013).

Die Liste aller Beschwerden und Krankheiten zu vervollständigen, ist ein schwieriges Unterfangen. Der Verband Proraris schätzt die Zahl seltener Krankheiten auf über 7000. Für viele gibt es (noch) keine erfolgsversprechenden Therapien.

Die Volkskrankheit

Auch kann Arbeit krank machen. Jeder zweite Erwerbstätige ist an seinem Arbeitsplatz physischen Gesundheitsrisiken ausgesetzt. 21 Prozent der Bevölkerung haben wegen ihrer Arbeit starke körperliche Beschwerden, Frauen sind doppelt so oft betroffen wie Männer (28 gegenüber 14 Prozent).

Frauen leiden ebenfalls häufiger unter psychischen Problemen (7 gegenüber 6 Prozent). Augenfällig sind Unterschiede auch bezüglich Alter: Bei Jüngeren (10 Prozent) treten Depressionen viel häufiger auf als bei älteren Menschen (3 Prozent), wobei die Nachfrage nach psychologischer Hilfe grundsätzlich steigt.