Seit der Pandemie in den 80er-Jahren hat sich in Sachen HIV viel verändert. «Noch vor 22 Jahren sind uns die Patienten weggestorben», sagt Christina Grube, Pflegefachfrau Infektiologie am Universitätsspital Zürich, in der Sendung «TalkTäglich» auf Tele Züri. Mit den heutigen Medikamenten sei die Therapie einfacher und wirkungsvoller geworden. Ganz zu schweigen von Präventionskampagnen und der Aufklärung der breiten Bevölkerung.

Man könnte also meinen, auch der Umgang mit Betroffenen hätte sich verändert. Doch in der TV-Diskussion kristallisierte sich mehr und mehr heraus, dass HIV und Aids heute noch Tabus sind. Selbst jene, die es eigentlich am besten wissen müssten, würden Betroffene diskriminieren, bestätigt Angelo Barrile, Präsident der Zürcher Aids-Hilfe.  

«Verletzend und unnötig»

«Es macht mich hässig, wie viel Unwissen bei medizinischem Personal vorhanden ist», so Barrile. Ihm würden immer wieder Anekdoten zugetragen, etwa aus Zahnarztpraxen, die entweder gar keine Termine für HIV-Positive vergeben würden oder diese am Ende des Tages einplanen, «damit man danach das Wartezimmer desinfizieren kann». «Das ist sehr verletzend und auch gar nicht nötig.»

Ob es noch mehr Zeit braucht. Da ist Christina Grube skeptisch. «So viele Jahre leben wir jetzt schon mit dieser Geschichte – die Leute sind einfach ignorant.» So lange es sie nicht betreffe, interessiere es sie auch nicht. Wenn sie dann in ihrer Sprechstunde sitzen würden, gebe es «ein grosses Geschrei» und man merke, es sei «null Ahnung» da. Selbst Personen aus Risikogruppen seien schlecht informiert.

Alex Schneider ist in Zürich den Halb-Marathon mit einem Shirt gelaufen, auf dem stand, dass er HIV-positiv ist – und dass man Fragen stellen könne. Nur einer hat das dann auch getan. «Die Leute trauen sich meistens nicht, dazu eine Frage zu stellen, sie reden nicht gern darüber», stellt er fest. Aktivist wollte er nie werden – aber er ist es automatisch geworden.

Mehr Informationen zu HIV und Aids gibt es auf der Webseite der Aids-Hilfe Schweiz

Sehen Sie hier die Diskussion in der Sendung «TalkTäglich» in voller Länge:

HIV-positiv  – Noch immer ein Tabuthema

HIV-positiv – noch immer ein Tabuthema

«Ich bin HIV-positiv» – diese Botschaft auszusprechen, wagen die wenigsten Betroffenen. Die Angst, wegen diskriminiert zu werden, ist nach wie vor gross.

(smo)