Ich werde in Kürze ein künstliches Hüftgelenk erhalten. Mein Arzt hat mir gesagt, dass ich für diese Operation eine Vollnarkose bekomme. Wäre es nicht besser, den Eingriff mit einer lokalen Anästhesie durchzuführen?

Grundsätzlich kann für Operationen an der Hüfte eine Allgemeinanästhesie (Vollnarkose) oder eine Regionalanästhesie (Teilnarkose) gewählt werden. Im Universitätsspital Basel ist sehr häufig der Wunsch der Patientin oder des Patienten das entscheidende Kriterium für die Wahl der Anästhesiemethode.

Beide Methoden sind sicher. Schwere Anästhesiezwischenfälle treten sehr selten auf (ca. ein Patient pro 250 000 Anästhesien). Beide Techniken haben aber ihre typischen Vor- und Nachteile respektive Komplikationen. Bei der Allgemeinanästhesie sind dies zum Beispiel Übelkeit und Erbrechen, bei einer Regionalanästhesie - meist eine Spinalanästhesie - können in seltenen Fällen Rücken- oder Kopfschmerzen auftreten.

Prof. Dr. med. Luzius Steiner

Chefarzt Anästhesiologie am Universitätsspital Basel

Bei bestimmten Erkrankungen wie zum Beispiel einer schweren Lungenkrankheit wird in der Regel eine Regionalanästhesie empfohlen. Bei Störungen der Blutgerinnung oder gewissen Erkrankungen des Nervensystems eine Allgemeinanästhesie. Es ist ausserdem möglich, dass eine Regionalanästhesie, auch wenn sie von sehr routinierten Anästhesisten durchgeführt wird, «nicht funktioniert», mit anderen Worten, dass die Schmerzfreiheit im Operationsgebiet ungenügend ist. Tritt eine solche Situation ein, wird auf eine Allgemeinanästhesie gewechselt. Bei einer Spinalanästhesie passiert dies in rund zwei Prozent der Fälle, bei anderen Regionalanästhesietechniken etwas öfter. Ansonsten haben Regionalanästhesien ein sehr kleines Risiko für bleibende Nervenschäden (‹ 0,1%). Bei einer Allgemeinanästhesie befürchten viele Patienten, dass Gedächtnisprobleme auftreten könnten. Zwar tritt bei bis zu 15 Prozent der über 65-jährigen Patienten nach Operationen eine diskrete Gedächtnisschwäche auf, doch dieses Problem lässt sich auch durch die Wahl einer Regionalanästhesie leider nicht verhindern. Allerdings verschwindet die Gedächtnisschwäche bei den allermeisten Patienten im Verlauf des ersten Jahres nach der Operation wieder.

Welches sind die wichtigsten Fortschritte in der Anästhesietechnik in den vergangenen Jahren?

Durch den Einsatz von besonders kurz wirksamen und damit gut steuerbaren Medikamenten, die kontinuierlich verabreicht werden, und durch eine noch bessere Überwachung – unter anderem mit einer «Hirnstromkurve» (EEG) – können Allgemeinanästhesien heutzutage noch besser gesteuert werden. Dies führt zu kürzeren Aufwachzeiten und einer rascheren Erholung. In der Regionalanästhesie erlaubt der Einsatz von Ultraschall eine klare Identifikation der zu betäubenden peripheren Nerven. Damit kann die notwendige Medikamentendosis reduziert werden. Ob die sehr geringe Anzahl von Nervenschädigungen, die als Komplikation einer Regionalanästhesie auftreten können, mit der Ultraschallmethode noch weiter gesenkt werden kann, wird derzeit noch untersucht.

 

Stellen Sie Fragen an sprechstunde@bzbasel.ch