Zerbrochene Spiegel, verschüttetes Salz, im Haus aufgespannte Regenschirme: Die Liste altbekannter Unglücksboten ist lang. Aberglauben begleitet den Menschen schon seit Hunderten von Jahren. Doch so verschieden die Kulturen auf unserer Welt sind, so unterschiedlich (und oft ganz schön seltsam) sind auch die Aberglauben.

Heute ist Freitag der 13., im Volksglauben der Unglückstag schlechthin. Eine gute Gelegenheit also, einmal über die Grenze unseres Kulturraums zu blicken. Welche seltsamen bis verrückten Aberglauben plagen Menschen in anderen Ländern? Wir haben 13 für Sie zusammengetragen. Viel Spass beim Nachlesen!

1. Versteck die Daumen!

Erblickt man in Japan einen Leichenwagen im Strassenverkehr, sollte man schnell die Daumen in den Hosentaschen verschwinden lassen. Der japanische Ausdruck oyayubi bedeutet nämlich wörtlich übersetzt «Elternfinger». Durch das Verstecken der Daumen verhindern Japaner, dass ihre Eltern frühzeitig sterben. Warum? Ist doch klar: Böse Geister treiben sich gerne in der Nähe von Leichenwagen rum. Versäumt man es, die Daumen zu verstecken, könnten die fiesen Biester unter die Daumennägel schlüpfen und den Eltern Böses antun. 

2. Vorsicht mit Scheren und Messern

In der Türkei sollte man sich hüten, jemandem direkt eine Schere oder ein Messer auszuhändigen. Dies bedeutet, dass man später mit dieser Person streiten wird. Im schlimmsten Fall könnte sie sogar zum erbitterten Feind werden. Um das zu verhindern, werden in der Türkei Scheren und Messer immer hingelegt und niemals von Hand zu Hand überreicht. 

3. Tod aus dem Ventilator

Obwohl es in Südkorea in den Sommermonaten ganz schön heiss werden kann, käme dort kaum jemand auf die Idee, nachts bei laufendem Ventilator zu schlafen. In Südkorea ist der nächtliche «Ventilatortod» nämlich ein weitverbreiteter Aberglaube, der mit vielen seltsamen Begründungen aufwartet. Um dem Tod aus der Windmaschine zu entkommen, statten heute viele koreanische Hersteller von Ventilatoren ihre Geräte mit Zeitschaltuhren aus.

4. Leerer Eimer? Der Tag ist im Eimer.

Sieht man in Russland jemanden einen leeren Behälter tragen, gilt das als böses Vorzeichen. Ganz schlimm wird es, wenn man auf dem Lande einer Bäuerin mit einem leeren Eimer begegnet. Dann ist der Tag nicht mehr zu retten. Doch die Russen sind schlau und stecken im Falle eines leeren Eimers immer etwas hinein – sei es ein Lappen, ein Werkzeug oder sonst etwas. Hauptsache, der Eimer bleibt nicht leer und das Glück bleibt hold.

5. Handtaschen bekommen ihren eigenen Platz 

Handtaschen sind wohl eines der beliebtesten Accessoires bei Frauen auf der ganzen Welt. Doch in Polen geht man damit besonders achtsam um. Dort käme es keiner Frau in den Sinn, die Tasche einfach auf den Boden zu stellen. Grund ist der Aberglaube, dass man Geld verliert, wenn man sie einfach auf den Boden stellt. In einigen Restaurants oder Bars eilen sogar Kellner herbei, sollte eine Besucherin ihren Fauxpas nicht bemerkt haben. Dann wird schnell ein Hocker für das gute Stück herbeigebracht oder die Tasche wird über die Lehne des Stuhls gehängt.

6. Nicht die Elfen stören!

In Island ist Aberglaube ein Thema für sich. Schliesslich glauben laut offiziellen Umfragen noch heute viele Isländer daran, dass Elfen, Feen, Trolle und Gnome die raue Insel im Norden bewohnen. Um die zauberhaften Wesen nicht zu erzürnen, plant das Strassenbauamt seine Verkehrsprojekte sogar um «Elfenfelsen» oder «Elfenkirchen» herum.

7. Pfeifen verboten

In Litauen sollten Sie nicht auf die Idee kommen, im Innern eines Gebäudes fröhlich ein Liedchen vor sich hin zu pfeifen. Im baltischen Staat glauben nämlich viele Leute daran, dass dadurch der Teufel hinaufbeschworen wird und Unheil über das Haus bringt.

8. Bloss nichts Grünes tragen!

Sie sind auf eine Hochzeit in Schottland eingetragen? Schön. Trotzdem sollten Sie Ihre neue grüne Kravatte oder Bluse im Schrank lassen. Diese Farbe – egal ob vom Brautpaar oder den Gästen getragen – bringt nämlich Unglück für die frisch geschlossene Ehe. 

9. Von Honigpfoten und Waldäpfeln 

In Finnland leben noch einige hundert Bären in freier Wildbahn. Nicht selten kommt es vor, dass man auf einem Waldspaziergang einem dieser pelzigen Riesen begegnet. Die Finnen haben rund ein Dutzend Namen für den Bär festgelegt, darunter etwa "Honigpfote" oder "Waldapfel". Grund dafür ist ein Aberglaube, nach dem der Bär herbeigerufen wird, sollte man ihn bei seinem richtigen Namen nennen. Damit man in Finnland dennoch sorglos von dem Tier sprechen kann, ohne dass es plötzlich auftaucht, hat man ihm also Kosenamen gegeben.

10. Das Geschäft versalzen

Auch im südamerikanischen Staat Peru herrscht nach wie vor tiefer Aberglauben: Abends wird in vielen Gegenden des Landes kein Salz mehr verkauft. Viele peruanischen Ladenbesitzer glauben nämlich, dass dadurch die Gefahr besteht, dass das eigene Geschäft finanziellen Schaden nimmt.

11. Böse Türschwelle

Niemand weiss genau wieso, doch in Russland darf man sich keine Gegenstände über die Türschwelle hinwegreichen und sich auch nicht begrüssen. Wer es doch tut, fordert das Unheil heraus. Dieser Brauch hat sogar bereits zu einer bizarren Situation geführt, die in die Geschichte eingegangen ist: Auf der Raumstation Mir weigerten sich nämlich die russischen Astronauten, ihren amerikanischen Kollegen über die Türschwelle hinweg die Hand zu reichen – eben genau wegen dieses Aberglaubens. 

12. Verfluchter August

In Europa gilt er als einer der schönsten Sommermonate im Jahr. In Argentinien dagegen gilt der August als absoluter Unglücksmonat. Vor allem in ländlichen Gebieten des Landes hält sich der Aberglaube hartnäckig, so dass Geschäftsabschlüsse, Reisen, Operationen, Umzüge und Hochzeiten nie im August stattfinden, sondern auf September verlegt werden.

13. Nicht 13, sondern 4

Während bei uns klar die 13 als grösste Unglückszahl gilt, fürchtet man sich in China vor der Zahl 4. Dass diese Zahl im Land der Morgenröte so negativ belastet ist, liegt daran, dass die Vier gleich wie das Wort für Tod (Si) ausgesprochen wird. Die Zahl wird als so unheilvoll angesehen, dass man in China bei der Anzahl Gäste einer Feier nie eine Vier hat. Auch Firmengründungen werden kaum je an einem Tag vollzogen, der eine Vier enthält. (luk)