Die Faszination? Freiheit. Naturnähe. Abenteuer. Romantik. Und bei manch einem auch der Wunsch nach Mobilität. Immer mehr Menschen entfliehen den Städten und schaffen sich individuelle Rückzugsorte auf Meeren, Flüssen und Seen. Vom kleinen improvisierten Hippie-Boot bis hin zum modernen Wohnhaus, vom sommerlichen Floss bis zur ganzjährig genutzten Luxusvilla – alles ist möglich. Wer von einem eigenen Garten träumt oder wer in ständiger Angst lebt, seine Kinder könnten ins Wasser fallen, für den ist ein Hausboot indes eher ein Albtraum als ein Traum.

Grosse Hausboote werden nicht gefahren, sondern nur noch geschleppt. Hausboote mit einer Länge über 25 Meter gelten als nicht mehr manövrierfähig, für sie muss ein fester Liegeplatz nachgewiesen werden. Gebaut werden die schwimmenden Heime auf ebenfalls schwimmenden Beton- oder Stahlpontons, die an festen Liegestellen angebracht sind. Je grösser und massiver ein Hausboot ist, desto weniger schwankt es (gut zu wissen für Menschen, die schnell seekrank werden). Allerdings werden Hausboot-Liegeplätze meist ohnehin in Kanälen angeboten, die über keinen starken Wellengang verfügen.

Hausboot bauen oder bauen lassen?

Natürlich kann man ein altes Boot zu seinem persönlichen Traumhaus umbauen. Das setzt allerdings viel handwerkliches Geschick und erhebliche Grundlagenkenntnisse voraus. Wer lieber nicht selbst Hand anlegen (und darüber hinaus vielleicht auch etwas Stattliches) möchte, kann sein Hausboot vom Architekten je nach individuellen Wünschen entwerfen und die Pläne von einer Werft bzw. von einem Stahlbauer oder einer Holzbaufirma umsetzen lassen. Da bei einem Hausboot nur die Aussenwände tragende Funktion haben, ist die Raumaufteilung frei wählbar.

Wer sich für ein Leben auf einem Hausboot entscheidet, muss sich bewusstmachen: Entweder, man liegt in Reih und Glied mit anderen Hausbooten und verzichtet damit auf ein Stück Privatsphäre – oder aber man muss Wasser- und Stromleitungen sowie ggf. Internet zum Hausboot verlegen lassen, was nicht unbeträchtliche Kosten nach sich zieht. Auch die jährlich anfallenden Kosten für den Liegeplatz und für die regelmässig anfallenden Wartungsarbeiten sollten in die Überlegungen miteinbezogen werden: Alle zwei bis drei Jahre muss ein Hausboot in der Werft überholt werden. Stahlrümpfe und die meisten Betonpontons brauchen ausserdem alle zehn Jahre ein Schwimmfähigkeits-Zertifikat. Taucher überprüfen dabei die Konstruktion des Hausboots. Im Zweifelsfall muss das Haus in die Werft geschleppt und dort repariert werden – andernfalls darf es nicht mehr bewohnt werden.

Zwischen einfach, luxuriös – und verboten

Reicht manch einem die Ruhe, das Plätschern des Wassers, der Sonnenaufgang auf dem See, so möchte ein anderer auch auf dem Wasser nicht auf Luxus verzichten. Und der ist heutzutage in allen Bereichen möglich: Kamin, Sauna, Fussbodenheizung, Dachterrasse, Wellnessbad – der Phantasie sind kaum Grenzen gesetzt. Der letzte Schrei: Ein Hausboot, das gleichzeitig Camper ist und je nachdem auf dem Wasser oder auf dem Land eingesetzt werden kann.

Während in Amsterdam, Paris oder London, aber auch in Skandinavien Hausboote aus dem Stadtbild nicht mehr wegzudenken sind – allein in Amsterdam liegen knapp 3000 Hausboote, hauptsächlich zu Lofts umgebaute ehemalige Binnenlastkähne oder mit Wohnaufbauten versehene Schiffsrümpfe –, bleibt das Leben auf einem Hausboot in der Schweiz zumindest vorerst ein Traum. Was in unseren Nachbarländern Deutschland und Frankreich problemlos möglich ist, ist hier (und übrigens auch in Österreich) ein Tabu.

Obwohl wer auf dem Wasser lebt, eine Jahrtausende lange Tradition fortführt, bekommt er hierzulande keine Bewilligung für ein Haus auf dem Wasser. Grund, wie so oft: die Bürokratie. Es müssten dermassen viele Auflagen erfüllt sein, dass das Leben etwa auf dem Rhein schlichtweg verunmöglicht wird. Schweizer Häfen nehmen Hausboote nicht auf, und eine Bau-Genehmigung für eine neue Anlegestelle zu bekommen, ist utopisch.

Sogar im Baselbiet mit seinen immerhin fast acht Kilometern Rheinufer, wo kein „Stadtbild zerstört“ wird, haben potenzielle Schiffsbewohner keine Chance. Die Gewässer können infolge der Schweizer Raumplanung nicht zu einer Wohnzone umfunktioniert werden. Der Rhein soll ausserdem Freiraum, Trinkwasserquelle und Verkehrsweg bleiben. Hausboot-Siedlungen wie in Holland oder inzwischen auch in Berlin versenkt der Artikel 96 der schweizerischen Binnenschifffahrts-Verordnung schon auf dem Papier: „Schiffe, die nach ihrer Bau- oder Betriebsart überwiegend für Wohnzwecke bestimmt sind (z. B. Haus- oder Wohnboote) (...) sind nicht zugelassen.“

Fazit

Dank moderner Architektur hat das Hausboot sein Hippie-Image abgelegt. Auch in Sachen Komfort steht ein Hausboot einem modernen Einfamilienhaus inzwischen kaum mehr nach. Die Gestaltungsmöglichkeiten sind beinahe grenzenlos – einstöckig oder mehrstöckig, mit Terrasse oder Pool, mit Fussbodenheizung oder Kamin. Voraussetzung: Der Bebauungsplan wird nicht verletzt und das nötige Kleingeld ist vorhanden. Denn auch in Sachen Budget ist die Bandbreite gross: Einige Hausboote kosten so viel wie eine Villa.

In Grossstädten wie London, Paris, Berlin, Oslo oder Amsterdam ist das Hausboot längst zur Alternative zum klassischen Wohnhaus avanciert – (nicht) nur die Schweiz hinkt der Entwicklung hinterher: Hier ist das Leben in einem Hausboot per Gesetz untersagt.

Wer sich nicht sicher ist, ob das Leben auf einem Hausboot das Richtige für ihn ist, sollte es für’s Erste mit Ferien auf einem solchen versuchen. Denn das Dasein auf dem Wasser ist nicht immer nur romantisch, sondern kann auch viel Arbeit bedeuten.