Seit dem 1. Januar dieses Jahres haben es Teenager schwerer, an Zigaretten oder Schnupftabak zu kommen. Denn die Firma Valora, welche in der Schweiz über 1000 Kioske, Zeitungsstände und Avec-Läden betreibt, verkauft keine Raucherwaren mehr an unter Achtzehnjährige. «Valora setzt ein Zeichen beim Jugendschutz» feierte das Unternehmen die neue Regelung Ende Dezember in einer Pressemitteilung. Tatsächlich würde in vielen Kantonen kein Gesetz Valora daran hindern, weiterhin Glimmstängel an Sechzehn- und Siebzehnjährige zu verkaufen. In Genf, Schwyz und Appenzell Innerrhoden gibt es sogar gar keine Altersuntergrenze für den Verkauf.

Alles nur Werbung?

Allerdings ist ein neues Tabakgesetz auf dem Weg. Schon im Vorentwurf hiess es dort: «Die Abgabe von Tabakprodukten und von elektronischen Zigaretten an Minderjährige ist verboten.» Früher oder später hätte Valora also sehr wahrscheinlich ihre Praxis ohnehin anpassen müssen. Und wenn der Jugendschutz ein so zentrales Anliegen des Unternehmens wäre, hätte man schon früher reagieren können.

Konsumentenschützerin Sara Stalder bezeichnet die Massnahme von Valora denn auch als PR-Aktion. «Es ist seit Jahrzehnten bekannt, wie schädlich Tabak ist. Da finde ich es störend, wenn sich eine Firma im Jahr 2019 damit profiliert, dass sie keine Zigaretten an Jugendliche verkauft.» Stalder begrüsst zwar solche Selbstbeschränkungen von Firmen grundsätzlich, befürchtet aber, dass damit griffige Gesetze verhindert werden. «Die Aktivität von Valora sieht mir sehr stark nach einem Signal ans Parlament aus. Ich würde mich nicht wundern, wenn die Selbstregulierung à la Valora als Argument während der politischen Beratung auftaucht, warum es keine strengeren Gesetze braucht», sagt Stalder. Doch einzig griffige Gesetze würden einen flächendeckenden Jugend- beziehungsweise Gesundheitsschutz garantieren.

Valora gibt via einen Sprecher zu bedenken, dass man bei der Einführung von elektronischen Zigaretten die Alterlimite von Anfang an auf 18 Jahre gesetzt habe.

So oder so: Der Druck auf Firmen, sich ethisch zu verhalten, steigt. Ob konkrete Schritte oder die Formulierung hehrer Ziele, ohne «Corporate Social Responsability», Neudeutsch für Unternehmensverantwortung, geht es offenbar nicht mehr. Allerdings sind die Massnahmen je nach Land sehr unterschiedlich. In den USA macht ein Sportgeschäft gerade Schlagzeilen, weil es Sturmgewehre aus dem Verkauf genommen hat. In der Schweiz geht es um kleinere Dinge. So hat die Migros Zürich etwa wegen anhaltender Trockenheit im vergangenen Sommer auf den Verkauf von Feuerwerk verzichtet.

Kein Alkohol an Bahnhöfen

Die SBB verbieten an den Bahnhöfen den Verkauf von Alkohol ab 22 Uhr. Als die Massnahme 2008 eingeführt wurde, begründeten die Bundesbahnen den Schritt auch mit dem Jugendschutz. Allerdings wollte man vor allem, dass Kunden nicht von Betrunkenen gestört werden.