Es braucht nur sechs Spatenstiche, und schon entsteht ein Blumenziegel, der das Leben einer Wildbiene verlängert. Die wabenförmige Blumeninsel lässt sich bequem im Garten in die Erde oder auf dem Balkon in einen Topf einsetzen. Ein Ziegel umfasst zehn Wildblumen – das liebste Futter der Wildbienen.

Schweizer Naturschützer und Gärtnereien wollen die Erhaltung der Bienen fördern. Sie bieten nun auch vermehrt Methoden für das eigene Heim. Die Wildbienen suchen – oft auch in städtischen Gebieten – über Kilometer nach geeigneten Nistplätzen und Futterpflanzen. Ohne Nahrung überleben die Bienen jedoch nicht lange, schon nach wenigen Kilometern ohne Futter hat es sich für die Bienen ausgesummt. Um dem entgegenzuwirken, hat die Gärtnerei von Daniel Labhart aus Schafisheim in Zusammenarbeit mit den Wildbienenschützern von wildBee.ch den Wildbienen-Ziegel entwickelt.

Den Bienen ein Zuhause bieten

Viele unserer nestbauenden Wildbienenarten sind «oligolektisch», das heisst, dass sie ihre Pollen nur an bestimmten Pflanzengattungen sammeln. Sogenannte Wildbienenhotels wurden in den letzten Jahren sehr populär. Doch selbst der idealste Nistplatz bildet kein Zuhause für die Wildbiene, wenn passende Pflanzen nicht in der Umgebung sind. Der Flugradius dieser Bienen beträgt von ihrem Nistplatz aus nur 100 bis 300 Meter. Daher benötigen die Insekten einen Lebensraum mit entsprechenden Futterpflanzen. «Die Bienen-Ziegel sollen wie eine Art Tankstelle fungieren», sagt Labhart, «auf der Suche nach geeigneten Nistplätzen tanken sie durch den Nektar Energie.» Vor allem in Städten sei dies nützlich, da dort die Böden eher überbaut sind.

Wildbienen sind friedlich

Eine weitere Methode zur Futterunterstützung bietet die Seite bienenweide.ch der Ostschweizer Firma Säntispracht. Ähnlich wie der Ziegel bieten sie in einer Box geeignete Futterpflanzen an. Im Vergleich zum Ziegel erhält man hier jedoch nicht ein fixfertiges Blumengestrüpp, sondern Erde und Samen zum selber Säen. Mit einer genauen Anleitung und Informatio- nen zu den Bienen ist die Box auch für Kinder geeignet.

Für Insekten-Phobiker stellt sich nun die Frage, ob auf solchen Futterstellen eine Invasion und Stechgefahr im eigenen Heim folgt. «Auf keinen Fall», meint Labhart, «Wildbienen sind total friedlich.» Man könne die kleinen Insekten sogar auf dem Finger halten. Einige Arten hätten nicht mal Stachel.

Wildbienen bessere Bestäuber

In der Schweiz gibt es über 600 verschiedene Wildbienen-Arten. Mehr als die Hälfte dieser Arten sind bedroht. Ursachen gibt es viele: Krankheiten, Pestizide und Unter- oder Fehlernährung gehören zu den Hauptproblemen der Wildbiene. Ein Befall durch die Varroamilbe und andere Parasiten ist das Hauptproblem bei Honigbienen.

Honigbienen sind nach dem Rind und Schwein das drittwichtigste Nutztier in der Schweiz. Wildbienen hingegen liefern zwar keinen Honig, sind beim Bestäuben jedoch um einiges effektiver als die Honigbienen. Sie transportieren die Pollen trocken an ihrem Bauch. Dadurch ist praktisch jeder Blütenbesuch auch eine Bestäubung. Um eine Hektare Apfelplantage zu bestäuben, braucht es mehrere zehntausend Honigbienen-Arbeiterinnen – aber nur einige hundert Weibchen der wilden Mauerbienen-Art.

Die Wild- und Honigbienen bestäuben fast 80 Prozent aller Nutz- und Wildpflanzen. Der Rest geht auf das Konto von anderen Insekten.