Liken, teilen und noch schnell einen Partner fürs Leben finden: Social-Media-Riese Facebook will unter die Dating-Plattformen gehen. Ein Klick auf einen speziellen Herzchen-Button in seinem eigenen Profil und schon werden Orte angezeigt, wo potenzielle Partnerinnen und Partner warten. Erst wenn man sich für die angezeigten Events anmeldet, kann die Flirterei losgehen. Und Facebook will offenbar gar peinliche Begegnungen im Freundeskreis vermeiden: Eigene Freunde werden in der neuen Funktion nicht angezeigt.

Die Möglichkeit im Internet nach einem neuen Partner, einer neuen Partnerin zu suchen, ist schier unbegrenzt. Abertausende von Plattformen, Foren Communitys und Apps buhlen um flirtwillige Nutzer. Nun tritt mit Facebook ein neuer Player auf: Und dieser hat das Potenzial, kleinere Plattformen zu ärgern. Denn Facebook hat einen grossen Vorteil. Weltweit nutzen fast 1,9 Milliarden Menschen Facebook. Ein weltumspannendes Netz an möglichen Partnern also. Eine mühsame und zeitaufwendige Aufbauarbeit des Netzwerks wie bei Apps wie Tinder, Parship oder Badoo entfällt bei Facebook.

Das Geschäft mit der Suche nach Partnerschaft im Internet boomt. Auch in der Schweiz: Laut einem Report zum Schweizer Online-Dating-Markt des Vergleichsportals Singleboersen-vergleich.ch suchten im Jahr 2016 rund 1,2 Millionen Nutzer in der Schweiz regelmässig im Internet nach einem Liebespartner oder zumindest nach Sex. Zum Vergleich: Laut dem gleichen Report waren 2016 1,5 Millionen Einwohner in der Schweiz Single, wenn auch teilweise nur für eine kurze Zeit.

Ein Tabu ist das Suchen von möglichen Partnern im Internet schon lange nicht mehr. Bereits 2011 hat eine Studie der Universität Oxford gezeigt, dass fast ein Drittel aller Beziehungen aus Online-Dating entstehen. Mit dem Siegeszug von Tinder und Co. in den letzten Jahren und dem geplanten Einstieg von Facebooks ins Online-Dating wird diese Zahl wohl noch höher ausfallen. In der Schweiz zählt Facebook immerhin rund 3,8 Millionen aktive Nutzer. Und statt sich aktiv nach einer geeigneten App umzusehen, sich anzumelden und eventuell noch verifizieren zu lassen, ist die Einstiegsschwelle bei Facebook viel niedriger.

Keine Filme und Fotos

Facebooks Ankündigung hat denn auch bereits einen künftigen Konkurrenten geärgert: Die Aktie des Konzerns hinter Tinder machte einen Taucher. Dass die neue Funktion jedoch andere Partnerbörsen im Internet existenziell gefährdet, glaubt Daniel Baltzer, Experte bei Singleboersen-vergleich.ch, nicht. «Manche Leute werden sich nie bei Facebook anmelden, selbst wenn es eine Dating-Funktion geben sollte», sagt Baltzer. Zudem existierte bereits in Form von diversen Single-Gruppen ein ähnliches Angebot auf Facebook. «Andere Singlebörsen und Dating-Apps müssen nicht befürchten, dass ihnen die User in Scharen davon laufen», sagt Baltzer. Denn: Auf jeder Singlebörse herrsche eine bestimmte Kultur. «Solche Entwicklungen innerhalb einer Singlebörse oder Community kann Facebook nicht einfach auf Knopfdruck nachbilden»,sagt Baltzer.

Wann die neue Funktion eingeführt werden soll, ist nicht klar. In den kommenden Monaten soll sie zuerst getestet werden. Facebook-Chef Mark Zuckerberg sagte, dass die neue Funktion dafür da sei, den idealen Partner zu finden. Und weniger, um schnell zu Sex zu kommen. Wie das funktionieren soll, liess Facebook offen. Steuern kann es Facebook kaum. Die Firma verspricht, dass besonderes Augenmerk darauf gelegt werde, um Nutzerdaten vor allzu neugierigen Blicken zu schützen. Aus Sicherheitsgründen würde zudem auf die Möglichkeit verzichtet, Filme und Fotos in den getrennt von der normalen Chat-Möglichkeit geführten Dating-Chats auszutauschen.