Eigentlich sollte Yann Moix im Interview mit der französischen Zeitschrift «Marie Claire» Fragen zu seinem neuen Buch beantworten, in welchem er seine letzte Trennung verarbeitet. Doch als er zu seiner eigenen Sexualität befragt wird, macht der Franzose befremdliche Aussagen, die bis in die USA Widerhall finden. Moix erklärt, dass er unfähig sei, eine 50-jährige Frau zu lieben, und dass solche Frauen für ihn «unsichtbar» seien. Der Körper einer 25-Jährigen sei aussergewöhnlich, jener einer 50-Jährigen überhaupt nicht: «Ich ziehe den Körper von jungen Frauen vor, das ist alles. Ich werde Sie nicht belügen.»

Er führt weiter aus, dass er nur mit jungen, asiatischen Frauen ausgehe und dass er auch diese nur für eine kurze Zeit attraktiv finde – nach ein paar Monaten habe er für sie nichts mehr übrig. Er rühme sich nicht damit, aber er schäme sich auch nicht dafür. Doch er gehöre er nicht zu den krankhaften Typen, die sich nur in 25-Jährige verlieben könnten, er könne durchaus auch eine 40-Jährige lieben. Auch finde er die 69-jährige Schauspielerin Fanny Ardant extrem schön. Auf die Nachfrage, ob er also eine 50-Jährige lieben könne, sagt er jedoch: «Das ist nicht möglich.» Eine 50-Jährige könne er erst lieben, wenn er selber dann 60 sei.

In den sozialen Medien brach daraufhin ein Shitstorm los. Moix wurde für seine Aussagen hart kritisiert. In der amerikanischen Talkshow «The View», in der täglich fünf Frauen das Weltgeschehen kommentieren, wurde gemutmasst, ob Moix an einer erektilen Dysfunktion leide. Die französische Journalistin Cécile Daumas kommentierte in der Zeitung «Libération»: «Das sind die letzten Züge einer verzweifelten männlichen Macht, die sozial immer weniger akzeptiert ist.»

Damit war die Affäre nicht abgeschlossen. Auf Twitter begannen User, Bilder von attraktiven älteren Frauen an Moix zu schicken, um ihm zu zeigen, was er verpasse. Die Posse gipfelte in der Reaktion von Moix, die 50-Jährigen sollen doch bitte damit aufhören, ihm Bilder von Brüsten und Hintern zu schicken.

«Krasser Jugendwahn»

Die Zeitschrift «Marie Claire» schreibt im Vorspann des Interviews, Moix’ Worte illustrierten einen krassen Jugendwahn, der schockiere. Man habe das Interview trotzdem publiziert, weil Moix nicht der einzige Mann mit solchem Gedankengut sei. Umso besser sei es, wenn man einer solchen gesellschaftlichen Wahrheit direkt in die Augen sehen könne und eine Diskussion entstehe.

Das Bild des alten weissen Mannes, der sich eine junge Frau als Partnerin sucht, existiert immer noch. Eine Studie der Universität Michigan hat ergeben, dass auf amerikanischen Datingportalen Frauen mit 18 am gesuchtesten sind und Männer erst mit 50 Jahren. Dieses Stereotyp hat sich offenbar nicht geändert. Aussergewöhnlich an Moix’ Aussagen ist eher seine Beziehungsunfähigkeit, welche er in «Marie Claire» offenlegte. Moix sieht in der Beziehung zu einer Frau nur den sexuellen Aspekt. An einem intellektuellen Austausch ist er nicht interessiert.

Auch seine weiteren Aussagen sind überraschend ehrlich und entlarvend: Wie Yann Moix sagt, fürchtet er sich vor Rivalen: «Ich habe kein Vertrauen in mich und ein Selbstwertgefühl nahe bei null. Während der Verführungsphase fühle ich mich unbesiegbar.» Aber sobald er einem Konkurrenten dann gegenüberstehe, gebe er sofort auf.