Pinguine gibt es nicht nur in der Antarktis, nein, auch in Südafrika lebt eine Art. Ich bin in Simons Town, etwa fünfzig Kilometer südlich von Kapstadt, um diese zu fotografieren. Am Boulders Beach hat sich um 1983 eine kleine Kolonie von Brillenpinguinen gebildet. Pinguine sind sehr fruchtbar und so drängen sich heute über zweitausend Pinguine am kleinen Strand. Die Brillenpinguine werden auch Jackass-Pinguine genannt, weil sie sehr laut sein können und «i-ah Schreie» wie Esel von sich geben. Jeden Morgen schwimmen sie in die «False Bay», die reich an Fischen ist. Dort jagen die wendigen Schwimmer, die ihre Flügel wie eine Art Propeller brauchen, und füllen ihre Mägen. Am späten Nachmittag kehren sie dann an den Strand zurück, um die Beute wieder aus dem Magen hochzuwürgen und sie mit ihrem Partner und dem Nachwuchs zu teilen. Etwas unbeholfen watscheln sie über den Strand und es sieht aus, wie wenn die beiden rechts aussen einen kleinen Schwatz hielten.

Sie fallen dem Palmöl-Boom zum Opfer

Der Fortbestand der Orang-Utans ist stark gefährdet, denn jährlich wird auf Borneo Regenwald im Umfang der halben Schweiz zerstört und damit die Lebensgrundlage dieser faszinierenden Tiere vernichtet.

Der Fortbestand der Orang-Utans ist stark gefährdet, denn jährlich wird auf Borneo Regenwald im Umfang der halben Schweiz zerstört und damit die Lebensgrundlage dieser faszinierenden Tiere vernichtet.

Die hohe Luftfeuchtigkeit ist schier unerträglich, als unser Klotok den Sekonyer River im südlichen Borneo hochtuckert. «Klotok» wird das Boot genannt, weil der Motor ein monotones «klok tok tok tok» von sich gibt. Dieses fremde Geräusch lockt auch die Waldmenschen an.

Hoch oben, aus den Wipfeln des tropischen Regenwaldes, beobachtet uns eine Orang-Utan-Mutter mit ihrem Jungen. Vorsichtig äugt sie zwischen den Blättern eines Feigenbaumes hervor. Es ist schwierig, sie zu fotografieren, so dicht sind die Blätter. «Waldmenschen» heissen sie, weil «Orang» in der lokalen Sprache Wald und «Utan» Mensch bedeutet.

Sie sind ausgezeichnete Kletterer, nur selten auf dem Boden anzutreffen, und ernähren sich von Pflanzen und Früchten. Ihr Fortbestand ist stark gefährdet, denn jährlich wird auf Borneo Regenwald im Umfang der halben Schweiz zerstört und damit die Lebensgrundlage dieser faszinierenden Tiere vernichtet. Sie fallen der rasant steigenden Nachfrage nach Tropenholz und Palmöl zum Opfer.

Höchste Präzision im Fløan Fjord

Seeadler fliegen mit einer Geschwindigkeit von etwa sechzig Stundenkilometern über die Wasseroberfläche.

Seeadler fliegen mit einer Geschwindigkeit von etwa sechzig Stundenkilometern über die Wasseroberfläche.

Das Wasser ist relativ ruhig, als ich mit Ole in seinem kleinen Boot auf einen fischenden Seeadler warte. Die imposanten Tiere leben an den Küsten der weitverzweigten Fjorde in Norwegen. Sie können eine Flügelspannweite von über zwei Metern erreichen und fangen tote oder halb lebende Fische von der Meeresoberfläche.

Mit einer Geschwindigkeit von etwa sechzig Stundenkilometern fliegen sie über die Wasseroberfläche. Auf den Zentimeter genau stellen sie die Flügel auf, packen den Fisch und fliegen weiter. Um diesen Moment festzuhalten, wird auch vom Fotografen Geschick verlangt. Ole wirft einen toten Fisch ins Wasser und stellt das Boot so, dass Richtung und Distanz zum Köder optimal sind.

Ein Adler sieht die Beute von seinem Horst aus und fliegt los. Jetzt heisst es, bereit zu sein. Mit angespannten Nerven den Vogel anvisieren, verfolgen und – abdrücken. Die Kontrolle auf dem Bildschirm zeigt, dass die Einstellungen richtig waren, ich im richtigen Moment ausgelöst habe – und auch die notwendige Portion Glück hatte.

Im Reich von Shir Khan

Der Tiger trinkt aus einem Wasserloch in Nordindien.

Der Tiger trinkt aus einem Wasserloch in Nordindien.

Am frühen Morgen bin ich auf einer Pirschfahrt im Ranthambore Nationalpark im nördlichen Indien. Tiger zu fotografieren, ist kein einfaches Unterfangen. Sie sind fast ausgerottet, es gibt in ganz Asien nur noch etwa viertausend Exemplare der wunderschönen Raubkatzen. Es ist ruhig, nur die Schreie von wilden Pfauen durchbrechen von Zeit zu Zeit die Stille. Mein Guide hält plötzlich den Jeep an, weil er das Kreischen von Affen hört. «Die Tiere warnen sich gegenseitig durch Rufe, wenn ein Tiger unterwegs ist», flüstert er und fährt mit hoher Geschwindigkeit zu einer Lichtung. Da ist er – ein prächtiger Tiger trinkt an einem Wasserloch.

Die Szene erinnert mich an den Film «Dschungelbuch». «Was bedeutet eigentlich der Name Shir Khan?», frage ich. «Shir Khan kommt aus dem Persischen und bedeutet Tiger (Shir) und Herrscher (Khan), also Tiger-Herrscher», ist seine Antwort. «Ja, er ist wahrlich ein König», denke ich.

Die letzten Drachen dieser Welt

Versteckt lauern Komodo-Warane ihren Opfern auf und schlagen dann blitzschnell zu.

Versteckt lauern Komodo-Warane ihren Opfern auf und schlagen dann blitzschnell zu.

Von der Insel Flores, im östlichen Indonesien gelegen, fahren wir mit einem Schnellboot zur vorgelagerten Insel Komodo. Mit meinem Guide Doni will ich die urtümlichen Warane suchen, die dort leben. Sie sind mit bis zu drei Meter Länge und einem Gewicht von gegen siebzig Kilogramm die grössten lebenden Echsen. Mit ihrer gespaltenen Zunge können sie ihre Beute riechen: Ziegen, Wildschweine, Hirsche, ja selbst Wasserbüffel. Versteckt lauern sie ihren Opfern auf und schlagen dann blitzschnell zu.

Die messerscharfen Zähne verletzen die Tiere, und durch eine Mischung aus Gift und tödlichen Bakterien in ihrem Speichel verenden sie qualvoll – oft erst nach einige Tagen. Wir brauchen nicht lange zu suchen und finden einen grossen Waran am Strand. Vorsichtig nähere ich mich, denn die Komodo-Drachen, wie sie auch genannt werden, scheuen auch einen Angriff auf Menschen nicht. Doch dieses Tier scheint vollgefressen zu sein und lässt mich bis auf wenige Meter an sich heran.

Eine Kaltfront macht den Tag zur Nacht

Normalerweise kommen Erdferkel nur in der Nacht aus ihren Erdhöhlen, weil es ihnen am Tag zu warm ist.

Normalerweise kommen Erdferkel nur in der Nacht aus ihren Erdhöhlen, weil es ihnen am Tag zu warm ist.

Mein Ziel ist das Tswalu-Game-Reserve, das in der Kalahari-Wüste in Südafrika liegt. Bei der Ankunft am Nachmittag ist es kalt, keine zehn Grad. Nun ist es ja nicht aussergewöhnlich, dass es in der Wüste kalt sein kann, aber in der Nacht und nicht am Tag! Eine Kaltfront aus der Antarktis ist dafür verantwortlich. Dick eingemummt gehe ich gleich auf eine Pirschfahrt.

Im hohen Gras sind die Tiere schwierig auszumachen, doch plötzlich ruft der Fahrer enthusiastisch: «Aardvark». Ein Erdferkel um diese Tageszeit? Normalerweise kommen diese eigenartigen Tiere nur in der Nacht aus ihren Erdhöhlen, weil es ihnen am Tag zu warm ist. Sie suchen dann auf ihren Streifzügen hauptsächlich nach Ameisen und Termiten. Rasch springe ich vom Land Rover und mache mich mit dem Guide auf, das Tier zu suchen. Kein einfaches Unterfangen, denn die Erdferkel sind schnell und sehr scheu. Eine gute Taktik, viel Fitness und auch etwas Glück verhelfen mir zu diesem einzigartigen Bild.

Herzrasen in der frostigen Tundra

Mit einer Schulterhöhe von bis zu einem Meter sechzig sind Eisbären die grössten Landraubtiere der Welt.

Mit einer Schulterhöhe von bis zu einem Meter sechzig sind Eisbären die grössten Landraubtiere der Welt.

Im Herbst versammeln sich viele Eisbären entlang der Küste der Hudson-Bay in Kanada. Sie warten darauf, dass das Meer gefriert, denn nur auf dem Eis können sie Robben jagen. Mit einer Schulterhöhe von bis zu einem Meter sechzig sind sie die grössten Landraubtiere der Welt. An der Hudson-Bay können sie von Auge zu Auge beobachtet werden.

Kurz vor Sonnenuntergang sehe ich einen Eisbären in der Tundra liegen. «Kann ich mich auf den Boden legen, um ihn von unten zu fotografieren?», frage ich meinen Guide Dennis. Er zögert und sagt: «O. k., aber wenn ich rufe, lässt du alles liegen und kommst sofort.» Ich fotografiere, als der Eisbär plötzlich aufsteht und langsam auf mich zukommt. Mein Herz rast wie wild – aber kein Rufen von Dennis – also drücke ich weiter ab. Zwanzig Meter vor mir dreht er ab und geht zur Seite. Ich drehe mich um, da steht Dennis mit der Schreckschusspistole in der Hand. «Schönes Bild, ich bin etwas neidisch!», ist alles was er sagt.

Drama am Ufer des Sand River

Die Jungen kommen abwechselnd zur Löwenmutter, um diese zu trösten.

Die Jungen kommen abwechselnd zur Löwenmutter, um diese zu trösten.

«Gehen wir die Löwenmutter mit ihren zwei Jungen suchen, die wir gestern gesehen haben», sagt mein Guide Jonathan. Normalerweise leben Löwen im Rudel, helfen sich gegenseitig bei der Jagd und der Betreuung des Nachwuchses. Diese Löwin aber ist die letzte Überlebende ihres Rudels und ganz auf sich alleine gestellt. Das Vorankommen entlang dem Sand River im nördlichen Südafrika ist mühsam und der Jeep bleibt immer wieder stecken.

Endlich finden wir die drei. Die Mutter liegt am Boden, nicht weit von ihr entfernt ein erlegter Kudu mit riesigen, gewundenen Hörnern. Jedoch stimmt etwas nicht mit der Löwin. Beim Kampf mit der mächtigen Antilope wurde sie durch ein Horn schwer an der Brust verletzt. Zum Glück hat die Wunde aufgehört zu bluten. Die grosse Beute gibt Futter für mehrere Tage und der nahe Fluss bietet frisches Wasser. So hat sie die Möglichkeit, sich zu erholen, bevor sie erneut jagen muss. Was ihr sicher auch helfen wird: Die beiden Jungen kommen abwechselnd zu ihr, um sie zu trösten.

Aufstieg zu den Clowns des Nordens

Die possierlichen Papageientaucher leben während der Brutzeit an Steilhängen der Küsten der nordatlantischen Inseln und im westlichen Nordpolarmeer.

Die possierlichen Papageientaucher leben während der Brutzeit an Steilhängen der Küsten der nordatlantischen Inseln und im westlichen Nordpolarmeer.

Ich nutze die regenfreie Tageszeit im hohen Norden von Shetland, um im Naturreservat Hermaness die Klippen in Angriff zu nehmen. Neunzig Minuten dauert der steile Aufstieg mit der schweren Fotoausrüstung. Und ich muss mehrmals hin. Mein Ziel: die Papageitaucher. Aber nicht irgendein Vogel soll es sein, sondern ein Exemplar mit dem Schnabel
voller Fische.

Die Papageitaucher fangen sie nicht auf einmal, sondern haben einen besonderen Schnabel mit kleinen Widerhaken. Die raue Zunge drückt die Fische gegen diese, während
sich der Schnabel erneut öffnet, um noch mehr Fische zu fangen.

Die possierlichen Vögel leben während der Brutzeit an Steilhängen der Küsten der nordatlantischen Inseln und im westlichen Nordpolarmeer. Sie brüten in Höhlen oder Felsritzen und nutzen manchmal auch alte Kaninchenhöhlen.

Wasser riechende Kolosse

Elefantenherde im Amboseli-Nationalpark in Kenia.

Es ist heiss und trocken im Amboseli-Nationalpark in Kenia, als ich mit Freund Greg eine Idee bespreche. Wir wissen, dass die Elefanten Wasser riechen können und dafür Dutzende von Kilometern wandern. Ein erwachsener Elefant braucht bis zu 150 Liter pro Tag. Aber Wasser ist rar in der Trockenzeit und das Schmelzwasser vom fast sechstausend Meter hohen Kilimandscharo die einzige Wasserquelle weit und breit.

Sie machen sich nachher wieder auf den weiten Weg zurück zu ihren Futterquellen und müssen dafür einen riesigen, ausgetrockneten See überqueren. Und das ist unser Plan: Wir wollen die Elefantenherde bei ihrer Rückkehr gegen die untergehende Sonne fotografieren.

Zeitig machen wir uns auf den Weg und suchen uns einen guten Platz, um im heissen Wüstenstaub auf sie zu warten. Viel Geduld ist notwendig, und auch etwas Glück, dass sich die Herde dann so schön aufgereiht präsentiert.