Anfangs lachen sie noch miteinander. Moderator Markus Gilli fragt Veganerin Andrea Monica Hug, ob sie mitkommen würde, wenn er sie zu einem Steak einladen würde. «Ich würde mitkommen, aber ich würde etwas anderes bestellen», sagt die Veganerin diplomatisch. Und Ruedi Hadorn, Direktor des Schweizer Fleisch-Fachverbands, wirft humorvoll ein: «Ich würde ihr Steak essen.»

Doch im Laufe der Diskussion in der Sendung TalkTäglich auf Tele Züri wird immer klarer, dass Gilli wohl eher nicht mit Hadorn essen gehen würde. Zu höhnisch reagiert er ab und zu auf dessen Argumente.

Zum Beispiel, als es darum geht, dass der Fleischkonsum in der Schweiz so gering ist wie seit 50 Jahren nicht mehr – Gilli: «Da habt ihr bestimmt eine super Begründung» – und Hadorn eine Studie der Fachhochschule Nordwestschweiz zitiert, die rund 10 Kilo Fleischkonsum pro Kopf dem Einkaufstourismus ennet der Grenze zurechnet. Gilli: «Das können Sie doch nicht beweisen – Sie sagen jetzt einfach, das, was fehlt, ist ennet der Grenze – ja nein!»

«Ja nei!»: Moderator Markus Gilli (rechts) verwirft die Hände ob der Argumente von Ruedi Hadorn (links).

«Ja nei!»: Moderator Markus Gilli (rechts) verwirft die Hände ob der Argumente von Ruedi Hadorn (links).

Die Frage nach den Gründen für den rückgängigen Fleischkonsum war die Basis für die TV-Debatte am Mittwochabend. Geladen waren eine Veganerin und der Fleischexperte – zwei Menschen aus zwei völlig verschiedenen Welten. 

Andrea Monica Hug, selbstständige Lifestyle-Fotografin, ist vor allem auch «Influencerin», also eine Person, die in den sozialen Medien Einfluss auf eine relativ grosse Gruppe hat. Hug hat über 22'000 Follower auf Instagram.

Seit drei Jahren ernährt sich die 28-Jährige vegan. Aus gesundheitlichen Gründen, wie sie sagt. «Ich hatte schwere Akne und im Winter mehrmals Fieber.» Heute gehe es ihr viel besser. «Noch im gleichen Jahr, in dem ich vegan worden bin, habe ich angefangen zu joggen und am New York Marathon teilgenommen.»

Fleischgenuss habe «einen wichtigen sozialen Aspekt», kontert Ruedi Hadorn. Es gebe gar Studien, die belegen, dass Menschen, die Fleisch essen, mehr Lebensfreude und weniger Depressionen hätten. «Ich habe genau die gegenteilige Studie gelesen», sagt Andrea Monica Hug.

Veganismus als Businessmodell?

Eine Zwickmühle? Oder einfach ein Businessmodell? «Würden Sie auf Instagram ein Kalbskotelett essen, hätten sie wohl kaum 22'000 Follower», mutmasst Moderator Markus Gilli. «Ich bin nicht mit der Absicht, ein Business daraus zu machen, vegan geworden», sagt Hug. Sie verdiene kein Geld mit ihrem Veganismus. Jedenfalls nicht direkt. «Wie auch andere Blogger oder Medienleute bekomme ich neue Produkte zugeschickt – natürlich zu einem grossen Teil vegane.»

Auch Ruedi Hadorn geht joggen. Fleisch habe ernährungsphysiologische Vorteile, argumentiert er. Die darin enthaltenen Vitamine und Mineralstoffe seien jenen im menschlichen Körper sehr ähnlich und könnten deshalb von diesem viel besser aufgenommen werden. Den Vitamin- und Mineralstoffgehalt von Gemüse mit Fleisch zu vergleichen, sei deshalb nicht richtig.

Von Dreck und Vitaminen

Und dann kommt es zu einer kleineren Schlammschlacht in Sachen Vitaminen. Hug wirft dem Fleisch aus Massentierhaltung vor, gar kein natürliches B12 mehr zu enthalten. «Das ist ja im Dreck drin und die Tiere kommen heute gar nicht mehr mit Dreck in Kontakt.» – «Dieses Vitamin wird von Bakterien im Darm produziert», fällt ihr Hadorn ins Wort, «das hat nichts mit Dreck zu tun.»

Es ist eine Diskussion wie ein Fass ohne Boden – und sie wühlt die Menschen auf, das bestätigen die Anrufer, die in der Sendung zugeschaltet werden:

«Schöne Abig!»: die teils recht emotionalen Anrufe ins Studio.

«Schöne Abig!»: die teils recht emotionalen Anrufe ins Studio.

Was denken Sie?

Andrea Monica Hug findet es grundsätzlich bedenklich, wenn man sich keine Gedanken darüber macht, was man auf dem Teller hat. Dass der Mensch Tiere isst, sei für sie «unlogisch». «Ich könnte nie selbst ein Tier umbringen – und ich finde, dann sollte man auch kein Fleisch essen.»

Hadorn bestätigt den «gesellschaftlichen Wandel». Mühe habe er nur, «wenns missionarisch wird». Etwa von Seiten von Nichtregierungsorganisationen. Und was ihn stört: Immer werde über Menschen berichtet, die aufhören würden, Fleisch zu essen – «doch von all jenen, die wieder zurück zum Fleischkonsum kommen, hört man nie etwas.» (smo)

Sehen Sie hier die Sendung TalkTäglich vom Mittwochabend in voller Länge:

Fleisch oder kein Fleisch: Diese Frage spaltet die Gesellschaft

Fleisch oder kein Fleisch: Diese Frage spaltet die Gesellschaft

Wir verzehren immer weniger Fleisch. Grund dafür ist das neue Gesundheitsbewusstsein und der Vegi-Trend. Wieso der «Anti-Fleisch-Hype»?