Er wolle die Menschen vernetzen und die Welt so zu einem besseren Ort machen. Diese Idee treibe ihn zu seinem Schaffen an, hat Mark Zuckerberg einmal auf Facebook geschrieben. Auch wenn sich aus dieser Idee ein prima Businessmodell generieren lässt, ist der anthroposophische Gedanken des ehemaligen Montessori-Schülers wohl nicht nur Vorwand. Zuckerberg glaubt an die positiven Effekte der Vernetzung. Und wie liesse sich diesem Glauben besser Ausdruck verschaffen als mit Liebe? Sein Netzwerk soll bald dank einer neuen Funktion Liebespaare zusammenführen.

Ob die Welt dadurch besser wird? Für Tinder, die meistgenutzte Flirt-App, wird sie erst mal zu einem schlechteren Ort. Die Aktie der Betreiberfirma Match Group sank zeitweise um 23 Prozent. Und dabei war es doch gerade Tinder, das traditionellen Dating-Portalen vor ein paar Jahren das Wasser abgrub – weil die App gratis ist und weil sie auf raffinierte Art die Facebook-Daten der Singles nutzt.

Nun wird Facebook selber zur knallharten Konkurrenz von Tinder und Co. Hier endet Zuckerbergs Idealismus, und es beginnen die Allmachtfantasien. Facebook soll, so der Plan des Gründers, am besten einmal das Internet ersetzen. Schon jetzt kann man auf dem Portal nicht nur mit Freunden kommunizieren, sondern auch News lesen, Videos ansehen, auf dem Marktplatz Dinge kaufen. Und nun eben auch die Liebe finden. Dabei soll es gleich die ganz grosse sein.

Es sollen ernsthafte Beziehungen aufgebaut werden und nicht nur kurze Flirts, beschrieb Zuckerberg den Nutzen der neuen Facebook-Funktion. Am liebsten hätte er wohl hinzugefügt: Und schon gar keine Seitensprünge. Denn die würden nicht in eine glücklich-vernetzte Welt passen, in der die Daumen stets nach oben zeigen. Dass sein Netzwerk auch für unlautere Zwecke genutzt werden kann, das will Zuckerberg, wie die jüngste Datenaffäre bei der Trump-Wahl abermals gezeigt hat, partout nicht wahrhaben.

raffael.schuppisser@azmedien.ch