Das Prädikat «gute Liebhaber» hatten die Schweizerinnen und Schweizer noch nie. Nun zeigt eine neue repräsentative Studie des Marktforschungsinstituts Trend Research Hamburg im Auftrag des Flirtportals C-Date, dass die Eidgenossen ein weit weniger aktives Sex-Leben haben als etwa die Belgier, die Polen oder auch die Italiener.

Fauler oder ehrlicher?

Während 2011 noch knapp 70 Prozent der Schweizer mindestens einmal pro Woche Sex hatten, sind es 2013 nur noch 54 Prozent. Ein tröstender Fakt: Wir sind sexuell aktiver als unsere deutschen Nachbarn, von denen nur die Hälfte mindestens einmal in der Woche Sex haben.

Setzen die Schweizer Schlafzimmer tatsächlich immer mehr Staub an? Oder haben sie ganz einfach ehrlicher auf die Fragen geantwortet? «Das dürfte wohl auch der Fall sein», meint die Sexualtherapeutin Dania Schiftan.

Doch nicht überall schneiden die Schweizer schlecht ab: Laut der Studie, an der 5670 europäische und brasilianische Teilnehmer im Alter zwischen 18 und 50 Jahren mitmachten, zeigten sich die Eidgenossen überraschend zufrieden mit ihrem Sex-Leben.

Qualität also statt Quantität. Eine gute und wichtige Entwicklung, die die Sexualtherapeutin begrüsst. «Das zeigt, dass Paare ihre Wünsche vermehrt formulieren und sexuell das suchen, was sie möchten.» Es sei wichtig, dass sie auch bereit seien, sich rechtzeitig Hilfe zu holen, wenn sie ihr Sexleben verbessern möchten.

Offen zeigen sich die Schweizer auch, was erotische Begegnungen im Internet angeht. Hier belegen sie den dritten Platz im Ranking, an dem insgesamt 12 Länder teilnahmen. Die Hälfte hält das Internet für geeignet, um nach Sex zu suchen.

Vor allem bei den männlichen Mitmenschen ist das Online-Dating beliebt. Bei jüngeren Schweizern (20–29 Jahre) hat es auch einen wirtschaftlichen Grund. Es sei billiger und effizienter, Dates auf dem Internet zu arrangieren.

Vorsicht mit Casual Datings

Casual Dating – das Verabreden ohne Verpflichtungen – ist ein Trend, der mit der Nutzung des Internets Hand in Hand geht. So nimmt in Europa die Zahl der Menschen, die Sex mit Fremden haben, stetig zu.

Auf die Frage, ob sie gerne mehr Casual Sex hätten, antwortete fast die Hälfte (46 Prozent) mit «Ja» – 66 Prozent der Schweizer Männer und 26 Prozent der Schweizer Frauen. Eine Zahl, die mit Vorsicht zu geniessen sei, warnt Dania Schiftan.

Hier klaffe der Unterschied zwischen wünschen und effektiv machen oft auseinander. Aus ihrer Praxiserfahrung weiss sie, dass eine feste Beziehung es oft schlecht vertrage, wenn eine zweite Nebenbeziehung laufe. «Auch wenn die Partner bereit dazu sind, kann es dabei zu Verletzungen kommen.»