In unserer Welt wird angestarrt, wer nicht der Norm entspricht, wer anders aussieht, sich anders verhält. Dabei ist «anders» eine Frage des Standpunkts. Das zeigt die Initiative «Look at us a little differently» der polnischen Vereinigung der Familien und Freunde von Kindern mit Down-Syndrom, kurz Iskierka, –  in einer Bilderreihe

Der Pole Marcin Zaborowski ist Fotograf beim renommierten Magazin «National Geographic». Seine Fotos zeigen Kinder mit Down-Syndrom, die stolz in die Kamera schauen und zeigen, wie befreiend es sein kann, für einen kurzen Moment keinen Vorurteilen und kritischen Blicken ausgesetzt zu sein.

Wir haben mit dem Fotografen Marcin Zaborowski über das Shooting gesprochen. Die Organisation Iskierka (dt.: «Funke», «Glanz») wünschte sich Bilder, die «ein bisschen anders» sind. Dabei war es für den Fotografen keine leichte Aufgabe, denn er hatte noch nie zuvor mit Kindern oder Menschen mit Behinderungen gearbeitet. «Es war eine grosse Herausforderung für mich. Ich arbeite für meine Bildreportagen meist mit Flüchtlingen, nicht im Studio. Ich habe zuvor nie Kinder fotografiert; das ist schwierig, vor allem, wenn es ums Posieren geht», sagt Marcin Zaborowski. «Ausserdem hatte ich noch nie die Gelegenheit, mit Menschen mit Behinderungen zu arbeiten.» Er sei sehr glücklich, dass alles besser lief, als er es sich vorgestellt hatte. «Und das liegt ganz an diesen Kindern, ihrer Ausstrahlung und ihrer Persönlichkeit. Es war eine wunderschöne Erfahrung.»

Marcin Zaborowskis Fotos wurden inzwischen in vielen Ländern geteilt. Wie die Kinder selbst auf ihre Bilder reagiert haben, erzählt der Fotograf: «Die Kinder freuten sich, als sie ihre Gesichter in der Ausstellung sahen, die letzte Woche (in Stettin) eröffnet wurde.» Am glücklichsten seien aber wohl die Eltern der Kinder, die völlig überrascht gewesen seien, wie wundervoll die Fotos ihrer Kinder in der Welt aufgenommen worden sind.

Einzigartige Persönlichkeit

Susanne Schanda von der Schweizer Behinderten-Organisation insieme findet die Fotostrecke schon nur deswegen einen Gewinn, weil in unserer Gesellschaft Menschen mit Behinderung viel zu wenig sichtbar seien. «Die Kinder auf diesen Fotos begegnen uns in aller Selbstverständlichkeit wie andere Kinder», findet Schanda. «Schön sieht man in der Abfolge der Fotos, wie jedes Kind eine ganz eigene Persönlichkeit ist, die uns anschaut und herausfordert – Down-Syndrom hin oder her.»

Letztlich waren die Fotografierten vor der Kamera vor allem eins – ganz typische Kinder: «Es machte ihnen Spass, aber leicht war es nicht. Kinder eben: Jedes hatte seinen eigenen Kopf und manche von ihnen interessierten sich mehr für alles andere als für die Kamera ...», sagt Marcin Zaborowski.

Ganz nach dem Motto der Kampagne «Sieh uns mit anderen Augen» tun diese Bilder genau das, was sie sollen: Sie zeigen die Kinder in einem anderen, nicht von Vorurteilen verfärbten Licht: cool und stylish, so wie sich jeder gerne abgelichtet sieht. Und eben genau so, wie sie sind – fröhlich, ernst, neugierig, stolz. (kus)