Kokosöl, Reisprotein, Tofu, Trockenhefe, Branntweinessig, Cashewkerne... Da denkt wohl keiner, dass es sich beim Endprodukt dieser Inhaltsstoffe um Käse handelt. Veganen Käse. Hersteller von pflanzlichen Produkten taufen diese dann etwa Cheezly, Creamy oder Schmelzscheiben. Doch die, die im Regal als veganer Käse angepriesen werden, dürfen seit gestern nicht mehr Käse heissen. Auch nicht Käse-Ersatz.

Der Europäische Gerichtshof (EuGH) in Luxemburg hat entschieden, dass rein pflanzliche Produkte nicht mehr unter «Käse» oder «Butter» verkauft werden dürfen.

Laut europäischem Recht sei diese Bezeichnung nur echten Milch-Produkten vorbehalten, die aus der «normalen Eutersekretion» von Tieren gewonnen werden. Klingt lecker, der Terminus «Eutersekret». Die Begründung der Richter: Verwechslungsgefahr. Der Konsument meint, er kaufe Käse, packt aber in Wirklichkeit Cashewmus-Pampe in seinen Wagen und könnte dann wegen seiner Nussallergie am falschen Käse verenden?

Fleisch, Blut und Kinder

Ein deutscher Moderator etwa fragt auf Twitter, was denn aus den Begriffen «Fleischtomate» und «Blutorange» werde. Und was ist mit Kinderschokolade? Besteht die aus Kind? Oder springt da ein Kind aus der Schoggi-Hülle wie die Stripperin aus der Torte?

Hintergrund dieses höchst dringlichen Entscheids auf EU-Ebene ist eine Klage gegen das deutsche Unternehmen «Tofutown», das seine pflanzlichen Produkte unter der Bezeichnung «Cheese» und «Cream» verkauft.

In der Schweiz stösst sich der Fleisch-Fachverband daran, dass die Worte Schnitzel, Hackfleisch und Würstchen auch verwendet werden, wenn nichts vom Tier drin steckt, sondern Soja oder Quorn. Die Bezeichnung «veganes Rindfleisch-Filet in Stücken» ist auch wirklich etwas verwirrend. Das Tier an sich, der domestizierte Paarhufer in diesem Falle, kann ja nicht pflanzlich sein. Einerseits könnte man sagen: Warum soll ein Produkt aus Pilzen oder Bohnen gleich heissen wie ein Lebensmittel, das es schon seit Jahrhunderten gibt?

Andererseits soll es ja möglichst nahe an den originalen Geschmack kommen, und das muss man doch mit dem Namen ausdrücken. Soll man dann neue Namen kreieren? Auf Twitter hat ein User schon einen Namensvorschlag für pflanzlichen Käse: «Väse». Das ist gar nicht mal so schlecht. Aber viel mehr sollten wir uns sorgen, dass der Europäische Gerichtshof anscheinend nichts Wichtigeres zu tun hat.