A Whiter Shade of Pale

 We skipped the light fandango

turned cartwheels 'cross the floor

I was feeling kinda seasick

but the crowd called out for more

The room was humming harder

as the ceiling flew away

When we called out for another drink

the waiter brought a tray

And so it was that later

as the miller told his tale

that her face, at first just ghostly,

turned a whiter shade of pale

She said: "There is no reason

and the truth is plain to see."

But I wandered trough my playing cards

and would not let her be

one of sixteen virgins

who were leaving for the coast

and although my eyes were open

they might have have just as well been closed

And so it was ...

Wir liessen den lockeren Fandago aus

und schlugen (stattdessen) Rad auf dem (Tanz-)Boden

Ich fühlte mich ein bisschen wie seekrank

aber die Menge schrie nach mehr

Im Raum brauste es immer mehr

bis (schliesslich) die Decke weg flog

Als wir noch einen Drink bestellten,

brachte der Kellner gleich ein ganzes Tablett

Und so kam es dann, dass später

als der Müller (wieder mal) seine alte Geschiche erzählte,

dass ihr Gesicht - zuerst (eher) wie ein Geist -

einen immer blasseren Ton annahm.

Sie sagte: "Es gibt keinen Grund dafür

und die Wahrheit ist doch einfach so zu sehen."

Aber ich blätterte durch mein Blatt in der Hand

und wollte nicht, dass sie eine

von den 16 vestalischen Jungfrauen war,

die sich zur Küste aufmachten.

Und auch wenn meine Augen offen waren,

hätten sie ebenso gut geschlossen sein können.

Und so war es ...

So weit die Ur-Version auf Single 1967. Weil der Song mit mehr als 4 Minuten schon weit länger war als üblich, liess man zwei Strophen weg. Keith Reid sagte: "Kein Problem, funktioniert auch so." Mit den Strophen 3 und 4 wird die Sache aber doch durchsichtiger.

She said: "I'm home on shore leave"

Though in truth we were at sea

So I took her by the looking glass

and forced her to agree

saying: "You must be the mermaid

Who took Neptun for a ride."

But she smiled at me so sadly

that my anger straightway died

And so it was ...

If music be the feed of love

the laughter is its queen

and likewise is behind is in front

then dirt in truth is clean

My mouth by then like cardboard

seemed to slip straight through my head

So we crash-dived straightway quickly

and attacked the ocean bed.

Sie sagte: "Ich bin zu Hause auf Landurlaub."

Dabei waren wir in Wahrheit auf See.

So zog ich sie vor einen Spiegel

und zwang sie, mir zuzustimmen,

indem ich sagte: "Du musst die Meerjungfrau sein,

die Neptun angeschmiert hat."

Aber sie lächelte mich so traurig an,

dass mein Ärger auf der Stelle verschwand.

Wenn Musik Futter für die Liebe ist,

dann ist Lachen ihre Königin.

Und ebenso wenn hinten eigentlich vorne ist,

dann ist Dreck in Wahrheit sauber.

Mein Mund auf einmal wie Karton

schien geradeaus durch meinen Kopf zu schlüpfen.

So tauchten wir ab nichts-wie-weg

und attackierten das Meeres-Bett.

Das Reim-Schema 2-4 (so auch im Refrain) und 5-8 wird in allen Strophen durchgehalten.

"Miller's Tale" im Refrain sei eine Anspielung auf Geoffrey Chaucer und seine "Canterbury Tales", hielten die Kritiker Keith Reid vor. Nein, sagte er, Chaucer habe er nicht gelesen und auch nicht im Sinn gehabt. Und wenn, scheint es eher eine Sackgasse.

Die Phrase "... there is no reason ..." ist doppeldeutig. Sie kann sich beziehen auf den Grund, warum das Mädchen auf einmal so bleich wird. Oder dann im allgemeinen Sinn: Es hat keinen Sinn gross zu vernünfteln, die Wahrheit liegt doch einfach vor uns.

"... (I) would not let her be one of 16 vestal virgins ..." Hier bringt Keith Reid zwei Dinge durcheinander. Die Vesta-Priesterinnen im alten Rom (ursprünglich sechs, später sieben) mussten das heilige Feuer im Vesta-Tempel unterhalten. Sie verpflichteten sich zu Keuschheit während ihrer Dienstzeit (in der Regel 30 Jahre).

 Wer als Vestalin die Gebote verletzte, konnte lebendig begraben werden. 16 Jungfrauen kommen in der Mythologie eigentlich nicht vor. Alle neun Jahre mussten die Athener der Sage nach sieben Jungfrauen und sieben Knaben nach Kreta schicken ("leaving for the coast"), damit sie dem Minotaurus geopfert werden konnten.

Die Strophen 3 und 4 sagen schon etwas deutlicher, worum es hier eigentlich geht ...

Ist das Solo matchentscheidend?

Dass jeder «A Whiter Shade of Pale» mit dem Orgel-Intro und dem Solo verbindet, kann nicht bestritten werden. Die Forderung von Matthew Fisher, ebenfalls bei den Credits berücksichtigt zu werden, ist verständlich. Zu klären wären vor allem: 1. Ist es mehr als ein Solo? 2. Ist es wirklich von ihm komponiert? und 3. Wie viel ist von ihm?

Erstens: Von der musikalischen Substanz her bringt das Solo nicht viel Neues, auch wenn es rhetorisch hochwirksam ist. Die Basslinie ist seit dem Barock in allen Verästelungen bekannt. Noch wirksamer als der diatonisch absteigende Bass wäre der «Lamentobass», der chromatisch (in Halbtonschritten) absteigt (eindrucksvoll im «Crucifixus» in Bachs h-Moll-Messe, BWV 232/12).

Bach h-moll-Messe Crucifixus

«Der lange Ton» in der Terz ist direkt kopiert von Bach. Dass die Figur rhetorisch funktioniert, belegt eine Szene aus dem Mozart-Film von Miloš Forman. Salieri, Mozarts Konkurrent, ist entsetzt über dieses infantile Genie. Dann hört er das Adagio aus der «Gran Partita» (KV 361) in B-Dur.

Zefiro Ensemble Mozart Gran Partita - 3: Adagio

In der Begleitung brummelt «eine rostige Quetschkommode», dann aber dieses hohe B der Solo-Oboe. «Das war keine Komposition eines Zirkusaffen!» lassen Shaffer/Forman Salieri sagen. «Mir schien, als hörte ich die Stimme Gottes.» Fisher sagte zu AWSoP: «Da hatte ich mehr geleistet als nur meine Pflicht.» Trotzdem: Es ist nur ein Solo, nicht ein Stück.

Zweitens: Brooker sagt, er habe die Idee von der TV-Werbung für Hamlet-Cigars. Dort war es allerdings die Version von Jacques Loussier (Play Bach). «Komponiert, bevor Fisher in der Band war», sagt Brooker. Françoise (Franky), Brookers Schweizer Frau, sagt, Gary habe ihr den Song auf dem Klavier vorgespielt – mit dem berühmten Intro.

Hamlet Cigars (1966 - 1997)

Die Pressungen der ersten Aufnahmen sind verschwunden. Fisher behauptet, er habe es komponiert, inspiriert von der Kantate «Wachet auf» (BWV 140) von Bach. Dort findet sich der Bass, aber sonst hört sich die Behandlung des Chorals nicht sehr AWSoP-ähnlich an.

Bach - Cantata 140: Wachet auf, ruft uns die Stimme, BWV 140 (1731)

Drittens: Fisher konnte auf seiner Hammond B3 wunderschöne Kontrapunkte spielen. So unter anderem auf «Homburg», dem Nachfolgestück von AWSoP, leider nicht ganz mit gleichem Erfolg. Das Format mit Piano und Hammond funktionierte bei Procol Harum, weil Fisher die Hammond spielte.Christoph Bopp