1. Mit Pensionskasse zum Eigenheim: mehr Kapital durch Vorbezug

Wer eine Immobilie kaufen oder bauen will, hat die Möglichkeit, sein Vorsorgeguthaben teilweise oder vollständig vorzubeziehen. Ziel: mehr Eigenkapital und eine kleinere Hypothek (und damit auch weniger Zins).

Ein Vorbezug ist ebenfalls möglich

  • für die Rückzahlung eines Hypothekardarlehens;
  • für den Erwerb von Beteiligungen an Wohneigentum;
  • für die Finanzierung von Renovationen oder wertvermehrenden Investitionen.

Vorbezug: Voraussetzungen und Einschränkungen

Die Finanzierung von Wohneigentum mittels Vorbezug des Pensionskassen-Guthabens ist an folgende Bedingungen geknüpft:

  • Das Haus oder die Wohnung muss selbst bewohnt werden.
  • Es muss sich um den Hauptwohnsitz handeln. Die Finanzierung einer Zweitwohnung ist ausgeschlossen. Möglich ist sowohl Wohneigentum in der Schweiz als auch im Ausland (beispielsweise bei einem Grenzgänger).
  • Das Vorsorgeguthaben kann nur für eine einzige Immobilie aufs Mal eingesetzt werden.
  • Eheleute oder eingetragene Lebenspartner benötigen die schriftliche Zustimmung des (Ehe-)Partners.
  • Ein Vorbezug kann nur alle 5 Jahre geltend gemacht werden.
  • Der Mindestbetrag für den Vorbezug beträgt 20'000 Franken.
  • Versicherte über 50 dürfen höchstens die Freizügigkeitsleistung, auf die sie im 50. Altersjahr Anspruch gehabt hätten, oder die Hälfte der Freizügigkeitsleistung zum Zeitpunkt des Bezugs in Anspruch nehmen.
  • Der Vorbezug muss spätestens 3 Jahre vor der Pensionierung (bzw. dem Anspruch auf Altersleistungen) geltend gemacht werden.

Rückzahlung des vorbezogenen Pensionskassen-Guthabens

Wird die aus dem vorbezogenen Pensionskassen-Guthaben (mit)finanzierte Immobilie verkauft, muss das Geld zurückbezahlt werden. Ausnahme: Das Wohneigentum wird an einen vorsorgerechtlich Begünstigten – beispielsweise an ein minderjähriges Kind oder an den Ehegatten – übertragen. Verkauft die begünstigte Person die Immobilie jedoch an eine nichtbegünstigte Person weiter, wird sie wiederum rückzahlungspflichtig.

Wer allerdings sein Wohneigentum verkauft und den Erlös im Umfang des Vorbezugs innerhalb von zwei Jahren wiederum für Wohneigentum einsetzt, kann den Betrag auf eine Freizügigkeitseinrichtung überweisen und ist somit nicht zur Rückzahlung verpflichtet.

Die Pflicht zur Rückzahlung (obligatorische Rückzahlung) und das Recht auf Rückzahlung (freiwillige Rückzahlung) bestehen bis 3 Jahre vor Entstehung des Anspruchs auf Altersleistungen, bis zum Eintritt eines anderen Vorsorgefalls oder bis zur Barauszahlung der Freizügigkeitsleistung. Der Mindestbetrag für eine Rückzahlung beträgt 10'000 Franken.

Wichtig: Wer bezogene PK-Gelder zurückzahlt, hat Anspruch auf eine zinslose Rückerstattung jener Steuern, welche im Zusammenhang mit dem WEF-Bezug angefallen sind. Die Rückerstattung muss beim Gemeindesteueramt angefordert werden.

2. Verpfändung des Pensionskassen-Guthabens: Mit Kredit zum Eigenheim

Neben dem Vorbezug der beruflichen Vorsorgegelder gibt es die Möglichkeit, sein Pensionskassen-Guthaben ganz oder teilweise zu verpfänden.

Bei der Verpfändung betrachtet die Bank das Pensionskassen-Guthaben als Sicherheit. Im Gegenzug erhöht sie ihren Hypothekarkredit (um max. 90 Prozent der verpfändeten Summe).

Obwohl der Versicherte höhere Hypozinsen zahlen und allenfalls auch mehr amortisieren muss als beim Vorbezug, ist die Verpfändung meist die bessere Lösung. Denn die versicherten Leistungen der Pensionskasse werden nicht gekürzt. Ein Vorbezug hingegen schmälert die Rente im Alter in der Regel erheblich, bei vielen Pensionskassen auch die Leistungen bei Tod oder Invalidität.

Wer sein PK-Guthaben verpfändet statt bezieht, kann weiterhin freiwillig in die Pensionskasse einzahlen. Solche sogenannten „Einkäufe“ sind steuerlich sehr vorteilhaft, weil man den eingezahlten Betrag vom steuerbaren Einkommen abziehen kann. Nach einem Vorbezug hingegen sind freiwillige Einkäufe erst wieder möglich, wenn das vorbezogene Geld in die Pensionskasse zurückbezahlt wurde.

Vorbezug oder Verpfändung? Finanzielle Folgen für die Altersvorsorge

Die finanziellen Folgen für die Altersvorsorge sind bei beiden Varianten nicht zu unterschätzen. Bezieht etwa ein 45-Jähriger 200'000 Franken aus seiner Pensionskasse, fehlen ihm bei der Pensionierung nicht nur diese 200'000 Franken, sondern auch die entsprechenden Zinserträge. Bei durchschnittlich 3 Prozent Zins pro Jahr beläuft sich der Fehlbetrag bei der Pensionierung auf stolze 361'000 Franken.

Bei der Variante Verpfändung bleiben die Leistungen im Alter zwar unverändert erhalten. Spätestens bei der Pensionierung aber muss der Versicherte die Hypothek in Höhe des verpfändeten Betrags abzahlen. Danach nämlich wandelt die Pensionskasse das Geld in eine Rente um oder zahlt es als Kapital aus. Der Eigenheimbesitzer muss also auch bei einer Verpfändung die 200'000 Franken bis zur Pensionierung wieder sparen.

Steueroptimierung durch Wohneigentumsförderung

Während bei jüngeren Leuten die Wohneigentumsförderung hauptsächlich als Starthilfe zur Finanzierung von Wohneigentum dient, kann sie bei angehenden Rentnern als Steueroptimierungsinstrument eingesetzt werden.

Wer seine Hypothek im Alter reduzieren will, kann sein PK-Guthaben nämlich auch für deren Rückzahlung verwenden. Da durch den vorzeitigen Bezug der Pensionskassengelder nicht sämtliche Bezüge (etwa jene der 2. Säule und jene aus der Säule 3a) zusammenfallen, wird die Steuerprogression gebrochen. Dadurch lassen sich massiv Steuern sparen.

Bestehen in der zweiten Säule Vorsorgelücken, ergibt sich unter gewissen Bedingungen sogar die Möglichkeit, steuertechnisch doppelt zu profitieren:

  • Durch gestaffelte Einzahlungen in die PK können die Einkommenssteuern gesenkt werden.
  • Nach Ablauf der gesetzlichen Fristen kann das einbezahlte Geld wieder bezogen und zur Amortisation der Hypothek verwendet werden.

Allgemeine Tipps zur Wohneigentumsförderung mittels BVG

  • Möchten Sie im Rahmen der Wohneigentumsförderung Geld aus der zweiten Säule beziehen, beantragen Sie bei Ihrer Pensionskasse das entsprechende Formular und erkundigen Sie sich nach der maximalen Bezugshöhe. Die Pensionskasse teilt Ihnen mit, welche Unterlagen sie benötigt und welche Fristen eingehalten werden müssen.
  • Wer sein Wohneigentum verkauft und den Erlös im Umfang des Vorbezugs innerhalb von zwei Jahren erneut für Wohneigentum einsetzt, kann den Betrag auf eine Freizügigkeitseinrichtung überweisen und auf diese Weise die Pflicht zur Rückzahlung umgehen.
  • Wer bezogene Pensionskassen-Gelder zurückzahlt, hat Anspruch auf eine zinslose Rückerstattung jener Steuern, welche im Zusammenhang mit dem Vorbezug angefallen sind. Die Rückerstattung muss beim Gemeindesteueramt angefordert werden.
  • Achtung: Mit dem Vorbezug werden die zukünftigen Vorsorgeleistungen und je nach Pensionskasse auch die Versicherungsleistungen gekürzt. In vielen Fällen ist es sinnvoll, diese Versicherungslücke mit einer privaten Risikoversicherung zu schliessen.