Wenn wir über E-Mobilität sprechen, so denken wir meist an elektrisch angetriebene Autos – mit den dazugehörigen Problemen: Die Reichweite ist oft noch zu gering, die Ladeinfrastruktur zu schwach. Vergessen geht dabei, dass sich ein grosser Teil unserer Mobilität auf kurzen Strecken in der Stadt oder der nahen Umgebung abspielt — wo oft ein Motorroller oder ein Mofa als sinnvoller Begleiter in Betracht gezogen werden.

Klein, wendig und vernünftig, wenn es um die Unterhaltskosten geht. Er bietet zwar nicht sonderlich viel Komfort und muss auch nur für kurze Strecken herhalten. Dazwischen steht er meist ungenutzt herum. Warum also nicht auf den E-Antrieb umsteigen?

Die Antwort liegt auf der Hand: Weil das Angebot diesbezüglich noch sehr überschaubar ist. Die renommierten Motorradhersteller arbeiten an diesem Thema und werden demnächst erste Modelle lancieren.

Während hierzulande also grösstenteils noch mit Benzin gerollert wird, sieht es in China anders aus. Das Reich der Mitte ist einer der stärksten Innovationstreiber, wenn es um E-Mobilität geht. Denn in den grossen Städten herrschte dringender Handlungsbedarf; die Luftverschmutzung forderte ein Umdenken. In einigen Grossstädten fahren die Busse bereits vollelektrisch, und auch der Individualverkehr wird systematisch elektrisiert.

Das gilt auch für die Zweiräder. So gibt es in China bereits ein breites Angebot an elektrisch betriebenen Mofas und Rollern – ein Teil davon kommt nun dank der E-Mofa AG auch in die Schweiz.

Die angebotenen Roller werden in China gefertigt, sind aber nicht identisch mit den dort verkauften Zweirädern. Einerseits müssen sie den hiesigen Zulassungsrichtlinien angepasst werden, andererseits möchte der Importeur sicherstellen, dass die elektrischen Roller und Mofas höhere Qualitätsanforderungen erfüllen. Vertrieben werden die E-Mofas in der Schweiz über zahlreiche Fahrradhändler, die Bestellungen entgegennehmen und Reparaturen ausführen können.

Von gemütlich bis flott

Das Angebot ist erstaunlich vielfältig; 17 Modelle stehen derzeit im Angebot. Die Palette reicht vom kleinen Mofa-Ersatz mit 25 km/h Höchstgeschwindigkeit und Pedalunterstützung bis hin zum vollwertigen Motorroller mit einer Höchstgeschwindigkeit von 120 km/h.

Die Einstiegsmodelle können teilweise gar ohne Führerschein und Helm gefahren werden, für die schnelleren Modelle ist eine Prüfung der Kategorie A1 vonnöten, wie sie beispielsweise für eine Vespa mit 125 Kubikzentimeter verlangt wird.

Noch öfter gefragt wird aber nach der Reichweite der elektrischen Zweiräder. Die kleinsten Modelle bieten rund 40 Kilometer rein elektrische Fahrt; das klingt zunächst nach wenig, ist aber für den Nahverkehr in der Stadt absolut ausreichend; zumal die Batterie an der Steckdose beinahe überall geladen werden kann.

Je nach Modell kann die Batterie zudem wie ein Köfferchen mitgetragen werden. Ideal für Laternenparker, die den Akku in der Wohnung laden müssen – oder wenn man den Akku auf Kosten der Firma tagsüber im Büro laden kann und darf. Dadurch ist man flexibel genug, um jederzeit Strom für ein paar Kilometer in der Stadt in der Batterie zu haben.

Das Fahren gestaltet sich denkbar einfach, wie bei elektrisch betriebenen Autos. Per Schlüssel einschalten, den Griff drehen und losrollen. Kein Kuppeln, kein Schalten. Auf einer kurzen Testrunde überzeugen die Einstiegsmodelle mit einfacher Handhabe, sie sind leicht und wendig.

Die 20 bis 25 km/h wirken gemächlich, bergauf kann mit den Pedalen nachgeholfen werden. Für Jugendliche oder für Personen, die temporär auf den Fahrausweis verzichten müssen, ist das aber eine durchaus passable Alternative, um in der Stadt mobil zu sein. Die Preise beginnen bei 2490 Franken.

Auch als Arbeitstier

Wer öfter und etwas längere Strecken zurücklegen muss, ist mit einem der grösseren Modelle wohl besser bedient. Hier starten die Preise bei rund 3200 Franken, die Höchstgeschwindigkeit liegt bei bis zu 50 km/h. Mit einer Batterie sind um die 70 Kilometer möglich. Je nach Modell ist zudem Platz für eine zweite Batterie (gegen Aufpreis), womit die Reichweite vor allem für den städtischen Einsatz mehr als ausreichend ist.

Der Einsatz von elektrischen Motorrädern kann aber nicht nur für private Kunden eine echte Alternative sein, sondern auch für gewerbliche Zwecke. Unternehmen, die oft im städtischen Raum unterwegs sind und nur kleine Lasten transportieren, sind die Zielgruppe für den E-Delivery, der 70 Kilometer mit einer Batterieladung schafft und bis zu 85 km/h schnell wird.

Anstelle eines Sozius ist auf dem Heck eine Transportbox montiert; ideal für Kuriere, Labors oder Handwerker mit wenig Gepäck. Für den Dauereinsatz können auch gleich mehrere Batterien gekauft werden, sodass an der Zentrale immer genügend geladene Akkus bereit sind.

Mit 7950 Franken ist diese Variante in der Anschaffung natürlich eher teuer. Auch die normalen Mofas sind in der Anschaffung tendenziell teurer als die benzinbetriebenen Pendants.
Aber das ist nur die halbe Wahrheit. Denn im Unterhalt sind die Stromer deutlich günstiger. Wartungsarbeiten sind fast keine vonnöten, und der Stromverbrauch ist gering; die Energie für 100 Kilometer kostet 50 bis 80 Rappen; also maximal so viel wie ein halber Liter Benzin.