Mehr als fünf Billionen Plastikteile mit einem Gesamtgewicht von fast 269 000 Tonnen treiben Schätzungen zufolge in den Weltmeeren. Der Grossteil dieses Mülls besteht aus Krümeln und befindet sich in grossen subtropischen Meereswirbeln. Das berichtet eine internationale Forschergruppe um den amerikanischen Umweltschützer Marcus Eriksen vom Five Gyres Institute in Los Angeles in der Fachzeitschrift «PLOS ONE».

Its a plastic world: So viel Müll liegt in unseren Weltmeeren.

It's a plastic world: So viel Müll liegt in unseren Weltmeeren

Reisswolf im Ozean

Eriksens Berechnungen umfassen nicht nur alle fünf subtropischen Meereswirbel – kreisförmige Strömungen, an denen sich besonders viel Müll sammelt –, sondern auch belebte Küstengebiete vor Australien, den Golf von Bengalen und das Mittelmeer.

Grosse Plastikstücke werden in den Ozeanwirbeln zerkleinert, erklären die Forscher. Die kleinsten Krümel finden sich in abgelegenen Gebieten nahe dem Nordpol. Das deute darauf hin, dass die Wirbel den Plastikmüll wie ein Reisswolf zerkleinern und dann wieder im Ozean verteilen.

Ein Vergleich der Mengen an grossem Plastikmüll und den daraus entstehenden Kleinteilchen ergab, dass ein grosser Teil dieses sogenannten Mikroplastiks von der Meeresoberfläche verschwindet, berichten die Forscher.

«Unsere Ergebnisse zeigen, dass die Müllteppiche in den fünf subtropischen Meereswirbeln nicht die letzte Ruhestätte des umhertreibenden Plastikmülls sind», sagt Eriksen in einer Mitteilung von «PLOS ONE». Die Krümel könnten zum Beispiel durch Absinken oder Zersetzung in tiefere Meeresregionen gelangen.

In einer im April veröffentlichten Studie, die den Müll auf dem Meeresgrund vor Europa untersuchte, fanden Forscher beispielsweise an allen untersuchten Stellen des Meeresbodens Abfälle – von den Küsten bis in die Tiefseegräben. «Der Endeffekt des Mikroplastiks ist sein Einwirken auf den gesamten Lebensraum Meer», betont Eriksen.

Ein Reporter segelte 2008 mit einem Forschungsteam zum Müll im Nordpazifikwirbel.

Ein Reporter segelte 2008 mit einem Forschungsteam zum Müll im Nordpazifikwirbel.

Müll fördert invasive Arten

Laut einem Bericht des UN-Umweltprogramms Unep gelangen jedes Jahr rund 6,4 Millionen Tonnen Müll ins Meer. Dieser gefährdet die Umwelt in vielerlei Weise: Tiere wie Schildkröten und Vögel können sterben, wenn sie den Müll fressen oder sich darin verfangen. Auch können giftige Substanzen angereichert oder die Ausbreitung invasiver Arten gefördert werden. Durch die Haltbarkeit von Plastik bleibt das Problem lange bestehen.

Aber nicht nur im Meer, auch in den Binnengewässern werden Plastikmüll und insbesondere die Mikroplastikteilchen zusehends zum Problem. Im Genfersee haben Forscher der ETH Lausanne (EPFL) letztes Jahr überraschend hohe Konzentrationen von winzigen Plastikteilchen gefunden.

Die Kunststoffe fanden sich an Stränden, im Wasser und im Vogelkot. Am häufigsten waren Styropor-Kügelchen. Es fanden sich aber auch viele harte Kunststoffe , Plastikmembrane und Teile von Angelschnüren. Auch in der Donau und im Gardasee wurden bei Untersuchungen im letzten Jahr massenweise Plastikkrümel entdeckt. (SDA)