«Stop Aids» oder «Ohne Dings kein Bums»: Es sind die bekanntesten Slogans der Kampagnen von Aids-Hilfe Schweiz, die es seit 30 Jahren gibt. An Plakatwänden und als Werbung im Fernsehen verbreitete das Schweizer Hilfswerk mit Sitz in Zürich ihre Aufklärung über die Bedeutung von Sex mit Präservativen. Es war jene Zeit als die sogenannte «Schwulenpest», später dann Aids genannt, über die Schweiz rollte.

1987 wurden insgesamt 3000 HIV-Diagnosen gestellt. Zum Vergleich: Für 2016 vermeldete das Bundesamt für Gesundheit (BAG) 542 neu diagnostizierte Fälle. Dieser Rückgang ist nicht zuletzt den provokativen Kampagnen der Aids-Hilfe zu verdanken. Ihr Erfolgsrezept lautet bis heute: Mit Tabus brechen. So wie dies TV-Journalist André Ratti 1985 tat: Er outete sich vor laufender Kamera als Homosexueller und HIV-Infizierter. 1987 zog sich Moderator Charles Clerc ebenfalls vor laufender Kamera während der «Tagesschau» ein Kondom über den Mittelfinger und erregte damit internationale Aufmerksamkeit.

Prävention auf allen Kanälen

Die Präventionsarbeit der Aids-Hilfe ging aber auch leiser vor sich. So nutzt das BAG das schwullesbische Filmfestival Pink Apple seit seinen Anfängen als Informations- und Aufklärungsplattform. Zum Jubiläum der Kampagnen findet im Rahmen des 21. Pink-Apple-Festivals eine Vernissage im Kulturhaus Helferei in Zürich statt.

André Ratti über seine Aids-Erkrankung

Inspiriert vom Buch «Positiv – Aids in der Schweiz» werden an der Ausstellung «Banane oder Wurst» eine Auswahl der provokantesten Plakate der Aids-Kampagnen gezeigt. Im Buch, das der Journalist Constantin Seibt Anfang des Jahres herausgegeben hat, kommen neben den wirkungsvollsten Stop-Aids-Kampagnen auch erste Akteure der Aids-Hilfe sowie Betroffene zu Wort.

In einer Rezension kritisiert SRF Kultur, dass weder im Buch noch bei den Kampagnen der Aids-Hilfe die frauenspezifische Perspektive genügend abgedeckt werde. Ein Streifzug durch die Kampagnen der letzten 30 Jahre zeigt: Hauptsächlich werden heterosexuelle Paare oder Männerpaare auf den Plakaten abgebildet.

Erst 2014 sorgte die Kampagne «Love Life – Bereue nichts» mit dem Bild eines sich küssenden Frauenpaares für Aufregung. Wie dem Buch von Seibt zu entnehmen ist, hingen die Plakate damals nur zwei Wochen, die Presse aber berichtete über Monate hinweg. Verantwortlich dafür zeichnete die Agentur Rod und die Boulevardzeitung «Blick» titelte damals: «Bund dreht Porno».

Charles Clerc stülpt sich vor laufender Kamera ein Kondom über den Finger

Daniel Seiler, Geschäftsleiter der Aids-Hilfe Schweiz, erklärt warum Frauenpaare nicht im Fokus der Kampagnen stehen: «Die Übertragung von HIV zwischen zwei Frauen kommt äusserst selten vor. Rund 50 Prozent der HIV Neuinfektionen finden zwischen Männer, die Sex mit Männern haben, statt.» Entsprechend konzentriere man sich bei den Kampagnen auf diese Bevölkerungsgruppe.

Aufklärung muss repetiert werden

Wo es am Anfang nur um die Ansteckung mit dem HI-Virus ging, hat sich die Präventionsarbeit der Aids-Hilfe nun auch auf weitere sexuell übertragbare Krankheiten ausgeweitet. Die Kampagnen «Juckt’s?» oder «Brennt’s?» thematisierten 2011 auch Infektionen wie Tripper und Syphilis. Denn auch wenn Aids weitgehend aus den Schlagzeilen verschwunden ist und eine HIV-Diagnose dank Medikamenten kein Todesurteil mehr bedeutet, belaufen sich die Behandlungskosten von HIV-Patienten laut BAG auf 200 bis 300 Millionen Franken jährlich.

Nur was öffentlich gemacht werde, bleibe in den Köpfen, begründet das BAG seine Präventionsanstrengungen. Diese unterstützt das 21. Pink Apple Filmfestival neben der Ausstellung «Banane oder Wurst» mit den Filmen «After Louie», «Skipping Stones», «Tom of Finland» oder «Kids», die sich dem Leben und dem Umgang mit HIV und Aids widmen.