Eingereicht hatte die Nationale Genossenschaft für die Lagerung radioaktiver Abfälle (Nagra) acht Bohrgesuche in fünf Gemeinden des Zürcher Weinlandes. Die Frist für Einsprachen gegen diese Gesuche lief am Mittwoch ab.

Wie das BFE auf Anfrage mitteilte, sind bis Freitagmittag insgesamt 96 Einsprachen beim Bundesamt gezählt worden. Da der Poststempel vom 26. April gilt, ist laut BFE-Sprecherin Marianne Zünd nicht ausgeschlossen, dass "sehr langsame B-Post" noch am Montag eintreffen könnte.

72 Einsprachen stammen von Privatpersonen. Zu den Einsprechern gehören auch die fünf Standortgemeinden Dachsen, Marthalen, Rheinau, Trüllikon und Laufen-Uhwiesen.

Vorbehalte angemeldet haben überdies Kleinandelfingen, Neuhausen SH und Schlatt TG. Diese Gemeinden sind insofern tangiert, als die Nagra von den Bohrplätzen aus auch Schrägbohrungen unter ihr Gemeindegebiet plant.

Viele Einsprachen aus Trüllikon

Drei Bohrgesuche eingereicht hat die Nagra für Trüllikon. Aus dieser Gemeinde gingen beim BFE insgesamt 36 Einsprachen ein. 24 Einwendungen betreffen die Sondierbohrung in Marthalen, 21 die beiden Bohrungen in Laufen-Uhwiesen, 8 die Bohrung in Dachsen und 7 jene in Rheinau.

Gegen alle acht Gesuche Einspruch erhoben hat der Verein "KLAR!", der sich für den Ausstieg aus der Atomenergie einsetzt und gegen ein Tiefenlager für radioaktive Abfälle im Zürcher Weinland ist. Ebenfalls eine Einsprache beim BFE deponiert hat die Sekundarschule Kreis Marthalen.

Die Sondierbohrungen, die in eine Tiefe von bis zu 1300 Metern reichen werden, sind gemäss Nagra notwendig, weil nur so ein direkter Einblick in den geologischen Untergrund möglich sei. Geophysikalische Messungen und Gesteinsproben sollen eine "nachvollziehbare Beurteilung der Langzeitsicherheit" für ein Atommüll-Tiefenlager ermöglichen.

Nagra möchte ab 2019 bohren

Die Bewilligungen für die Sondierbohrungen sollen Mitte 2018 vorliegen. Ab 2019 sollen dann die Bohrtürme auffahren. Wie viele Bohrungen tatsächlich durchgeführt werden, ist offen. Derzeit geht die Nagra von drei bis fünf Bohrungen pro Standortregion aus.

Zunächst hat sie nun Gelegenheit, zu den Einsprachen Stellung zu nehmen. Konkrete Anliegen würden geprüft und allenfalls bei der weiteren Planung berücksichtigt, versicherte unlängst Markus Fritschi, Geschäftsleitungsmitglied der Nagra, an einer Medienkonferenz.

Eine generelle Ablehnung der Sondierbohrungen entspreche jedoch nicht dem Sachplanverfahren. Die sicherheitstechnischen Abklärungen für ein Tiefenlager müssten vorgenommen werden. Darüber herrsche weitgehend Konsens.