Sie vertritt seit 20 Jahren die CVP im Nationalrat und würde das gerne weiterhin tun, aber ihre Partei versperrt ihr den Weg: die 66-jährige Stadtzürcherin Kathy Riklin. Was sich bereits im Januar abgezeichnet hat, konkretisiert sich nun. Riklin erhält von der Christlichsozialen Vereinigung CSV des Kantons Zürich (ehemals CSP) eine neue Chance. «Frau Riklin ist für den ersten Platz auf der CSV-Nationalratsliste gesetzt», sagte Andreas Dreisiebner gestern auf Anfrage. Er ist Co-Präsident der CSV und im Präsidium der CVP-Kantonalpartei.

Die CSV sei daran, auch die übrigen 34 Listenplätze zu besetzen. Ist die Liste fertig, müssen die Delegierten noch ihren Segen dazu geben. Einen Termin dafür gibt es laut Dreisiebner noch nicht. Nationalrätin Riklin bestätigte auf Anfrage ihr Interesse, wollte sich aber nicht weiter dazu äussern. Sie hatte bei den jüngsten Kantonsratswahlen im Zürcher Stadtkreis 1+2 für die CVP kandidiert, allerdings ohne Erfolg.

Die CVP will ihre beiden bisherigen Nationalratssitze mit Nationalrat Philipp Kutter und Kantonsrat Josef Wiederkehr verteidigen. Kutter rückte im letzten Sommer für Barbara Schmid Federer nach. Sie hörte auf, weil sie mit dem konservativen Kurs der Partei nicht mehr einverstanden war. Bauunternehmer Wiederkehr kommt damit die schwierige Aufgabe zu, das Mandat von Riklin zu halten. Durch die geplante Listenverbindung CVP/CSV versprechen sich beide Partner Vorteile von einer erneuten Kandidatur Riklins. «Mit diesen beiden Listen sind wir in der Lage, ein breites Spektrum von Wählerinnen und Wählern anzusprechen», sagte Dreisiebner. Im Unterschied zur CVP sei die CSV ökologischer, sozialer und auch frauenfreundlicher unterwegs. Die Vereinigung ging letztes Jahr aus der CSP hervor.

Die Zürcher CVP-Doppelvertretung im Nationalrat war in den letzten sieben Jahren mit Riklin und SchmidFederer weiblich. Nun soll es also nach dem Willen der Partei mit zwei Männern weitergehen – zwei Männer, die politisch deutlich weiter rechts stehen als ihre beiden Vorgängerinnen. Um den männerlastigen Eindruck zu zerstreuen, will die kantonale CVP auf jeden Fall eine weibliche Ständeratskandidatur lancieren. Dies bestätigen Dreisiebner und andere Parteiexponenten auf Anfrage.(tsc)