Die Enttäuschung bei Thierry Dewambrechies war gross, als er nur drei Tage nach seiner Ankunft in Chile von seinem Bergführer eine Nachricht erhielt, dass aus der geplanten Besteigung des Llullaillaco nichts werden wird. Ein Schneesturm von Bolivien her gestaltete den Zugang zum zweithöchsten Vulkan der Erde als unmöglich. Der Dietiker musste sich daher zwischen drei Optionen entscheiden: einen kleineren Berg besteigen, den Llullaillaco aus der Ferne besichtigen oder sich an den Ojos del Salado, mit 6893 Metern der höchste aktive Vulkan der Erde, wagen. «Da ich Herausforderungen mag, wählte ich die dritte Option. Es stellte zwar ein Risiko dar, da ich mich nicht auf diesen Vulkan vorbereitet hatte, aber schlussendlich funktionierte es. Vielleicht war es sogar Schicksal», sagt Dewambrechies.

Der 41-jährige gebürtige Franzose interessierte sich schon früh für das Reisen. «Mit etwa 20 Jahren begann ich fremde Länder zu bereisen. Bereits damals habe ich Berge mit einer Höhe von bis zu 4000 Metern erklommen und schnell gemerkt, dass ich noch höher hinauf will.» Doch sei das Bergsteigen eine nicht ganz billige Angelegenheit, denn zu den Reisekosten komme auch noch die teure Ausrüstung hinzu. So habe er sich erst mit 30 Jahren seinem heutigen Hobby voll gewidmet. «Als ersten Test wählte ich 2012 den Kilimandscharo aus. Die Besteigung klappte ausgezeichnet und deshalb habe ich mir eine neue Herausforderung gesucht», sagt Dewambrechies.

«Dem Ziel nahe gekommen»

Schon bald kristallisierte sich bei ihm der Wunsch heraus, die höchsten Berge der sieben Kontinente, in Bergsteigerkreisen auch Seven Summits genannt, zu besteigen. Auf den Kilimandscharo folgten 2014 der Mont Blanc, ein Jahr später der Elbrus im Kaukasusgebirge und 2016 der Aconcagua in Argentinien. «Die Vorbereitung für die Besteigung dieser Berge ist äusserst zeitintensiv. Sie kann bis zu zwei Monate in Anspruch nehmen. Dafür hatte ich nach meinem Umzug in die Schweiz keine Zeit mehr», sagt Dewambrechies. Der Franzose kam im Sommer 2016 wegen seines Berufs in die Schweiz. Er arbeitet in Schlieren als Verkaufsleiter von Alfa Romeo und Jeep bei Fiat Chrysler Switzerland und wohnt in Dietikon. «Ich bin oft geschäftlich unterwegs und arbeite bis spätabends, weshalb ich nur drei Schwimm- und Lauftrainings pro Woche absolvieren kann. So musste ich mein Ziel der Seven Summits vorerst aufschieben», sagt er. Der 41-Jährige schaute sich nach einer Alternative um und wurde bei den Volcanic Seven Summits, den höchsten Vulkanen der Kontinente, fündig. «Diese benötigen eine kürzere Vorbereitung.» Nachdem er den Kilimandscharo und den Elbrus bereits abhaken konnte, bestieg er auch den Pico de Orizaba in Mexiko und den Damawand im Iran. «Mit der nicht ganz geplanten Besteigung des Ojos del Salado in diesem Jahr bin ich meinem Ziel schon recht nahe gekommen.»

Ganze 16 Stunden am Berg

Temperaturen von bis zu minus 25 Grad und insgesamt 16 Stunden am Berg machten das letzte Abenteuer aber zu seinem bisher anspruchsvollsten. «Ich hatte im Vorfeld Zweifel, ob ich es wirklich packe, deshalb gehört die Besteigung dieses Vulkans sicherlich zu einem der schönsten Momente», sagt er. Eine andere schöne Erinnerung ist die Besteigung des Mount Kenia mit seiner Frau. «Mein Hobby gemeinsam mit meiner Frau zu geniessen, war ein sehr schönes Erlebnis», sagt der 41-Jährige. Deshalb wollen sie den Mount Giluwe, einer der zwei verbleibenden Vulkane, zusammen besteigen. Aber bevor es wieder in die Berge geht, reisen Dewambrechies und seine Frau nach Kanada. «Manchmal brauche auch ich ruhige Ferien.»