Im kommunalen Inventar der kunst- und kulturhistorischen Objekte Urdorfs wird das Gebäude als «kompaktes Bauernhaus aus dem späten 19. Jahrhundert, das schrittweise die heutige Form des Vielzweckbaus erhalten hat», beschrieben.

Und weiter: «Exponierte Stellung an der Verzweigung von Friedhofstrasse und Birmensdorferstrasse; genauso wie das benachbarte Schulhaus ist das Gebäude wichtiger Bestandteil der platzartigen Bebauung am nördlichen Eingang von Oberurdorf.»

Bewilligungspflichtige Arbeiten

Nach dem Erwerb durch den neuen Eigentümer im September 2012 wurden Umbau- und Abbrucharbeiten im Wohnteil vorgenommen, um zwei Wohneinheiten realisieren zu können. Beim Augenschein durch die Baupolizei wurde im September letzten Jahres festgestellt, dass die sich im Gang befindenden Arbeiten bewilligungspflichtig sind, wie der Gemeinderat schreibt.

Zudem müsse zuerst die Schutzwürdigkeit geklärt werden. Die Gemeinde erliess daraufhin einen Baustopp. Die Bauherrschaft wurde von der Gemeinde aufgefordert, ein Provokationsgesuch und nach Abschluss der Schutzwürdigkeitsabklärung ein ordentliches Baugesuch zu stellen.

Gutachten zur Schutzwürdigkeit

Die Gemeinde beauftragte Anfang Oktober 2012 die Firma ibid Altbau AG in Winterthur zur Erstellung eines Gutachtens zur Abklärung der Schutzwürdigkeit. Das erfolgte Gutachten habe Anfang November Empfehlungen zur Unterschutzstellung gemacht, wie es im Bericht des Gemeinderats weiter heisst.

Unter anderen kamen die Fachleute zum Schluss, der Wohnteil stelle eine architektonische Besonderheit dar, mit der typenhaften Anlehnung der sogenannten Baumeisterhäuser, die in den Vorstädten von Zürich weite Verbreitung gefunden haben.

Es sei ferner ein seltenes Beispiel für die Übertragung von städtischen geprägten Gestaltungsprinzipien in den bäuerlichen Wohnhausbau und stelle deshalb einen architektonischen Zeugen mit lokaler Bedeutung dar. Ausserdem sei, neben anderen Eigenschaften, der Situationswert wichtig, weil das Haus eine sehr wichtige Stellung im historischen Dorfkern von Oberurdorf einnehme.

Die Spezialfirma empfiehlt der Gemeinde denn auch, das Objekt mittels Vertrag oder Verfügung unter Schutz zu stellen. Dennoch könne das Haus einer zeitgemässen Nutzung im Rahmen eines Umbaus in vollem Umfang zugeführt werden, ohne dass die schutzwürdigen Elemente des Objekts nachteilig berührt würden.

Prüfung durch Gemeinde

Die Urdorfer Baubehörden nahmen im März 2013 einen Augenschein vor. Dabei liessen sie sich die Umbauabsichten durch die Eigentümerschaft erläutern und beurteilten gleichzeitig die schützenswerten Elemente. Dabei wurde eine lange Liste mit Massnahmen für den Innen- und Aussenteil sowie den Wohn- und Ökonomieteil erstellt, auf welche die Eigentümerschaft Rücksicht zu nehmen hat.

Die Empfehlungen der ibid Altbau AG wurden grösstenteils berücksichtigt. Abweichungen vom Schutzumfang sind nur dann möglich, wenn aussergewöhnliche oder nicht lösbare, bautechnische Gründe vorliegen und der Schutzumfang zu einer Verunmöglichung eines Vorhabens führe. Abweichungen müssten aber stets zu Verbesserungen führen.

Der Gemeinderat hat aufgrund der Begutachtung und Empfehlung der Behörden das Haus unter Schutz gestellt.