Die Modellfluggruppe Dietikon verliert ihren Heimatflughafen. Die Stadt Dietikon hat dem Verein den Pachtvertrag auf Ende Jahr gekündigt. Denn genau auf dem Landstück im Gebiet «Müsli» beim Rangierbahnhof Limmattal, wo die Vereinsmitglieder ihre Modellflugzeuge und Helikopter landen und starten, wird das Depot der Limmattalbahn erstellt.

Im schlimmsten Fall bedeutet dies das Ende des 1941 gegründeten Vereins, wie Präsident Walter Schärer sagt. Er hat mit Vereinskollegen in den vergangenen Monaten zahlreiche mögliche neue Standorte in der weiteren Region auf beiden Seiten der Limmat abgeklappert. Bisher erfolglos: Denn entweder habe sich vor Ort gezeigt, dass sich die ins Auge gefasste Wiese nicht für den Flugbetrieb eignen würde, weil beispielsweise Hochspannungsleitungen, Bäume oder Strassen zu nahe seien, sagt Schärer. Oder dann habe der Eigentümer oder Pächter des Grundstücks keine Einwilligung geben wollen, dass der Verein darauf einen Flugplatz betreiben kann.

Die Stadt Dietikon hatte bei der Suche ebenfalls geholfen: Sie hatte dem Verein einige ihrer Grundstücke gezeigt, doch eigneten sich diese nicht für die Modellflieger, wie Stadtpräsident Roger Bachmann (SVP) sagt. Bachmann hatte auch seine Amtskollegen in den umliegenden Gemeinden über die Probleme des Vereins orientiert. «Im dicht bebauten Limmattal ist es aber nicht so einfach, einen passenden Standort zu finden.»

Dass die Suche nach einem neuen Flugplatz bislang erfolglos geblieben ist, führt Schärer insbesondere auch darauf zurück, dass die Modellflieger mit Lärm verbunden werden. «Wir sind aber weder in der Luft noch am Boden laut.»

Der Boom der Elektroflieger

So würde heute der Grossteil der Mitglieder, Schärer spricht von bis zu 90 Prozent, Elektroflugzeuge einsetzen, die kaum zu hören seien. Und die wenigen Flugzeuge mit Verbrennungsmotoren seien auch nicht mehr so lärmig wie vor einigen Jahrzehnten. «Als Verein wären wir auch bereit, uns am neuen Standort einzuschränken und ausschliesslich Elektroflugzeuge einzusetzen», sagt Schärer. Bereits am heutigen Flugplatz im «Müsli» hat sich der Verein – obwohl der Platz etwas abgelegen zwischen Rangierbahnhof, Strassen und Spreitenbacher Gewerbegebiet liegt – entsprechende Restriktionen auferlegt; Benziner dürften nur zu bestimmten Zeiten in die Luft.

Eine überaus rege Betriebsamkeit, die viel Autoverkehr und volle Parkplätze mit sich bringe, vor der sich Anwohner fürchten müssten, herrscht gemäss Schärer bei der Modellfluggruppe nicht. «Drei-, viermal im Jahr führen wir einen grösseren Vereinsanlass durch, an dem bis zu 15 Mitglieder mit ihren Modellen kommen.» Über den Rest des Jahres werde der Platz einfach sporadisch, meist von Einzelpersonen genutzt, sagt Schärer, der selber gern hin und wieder am Vormittag «drei, vier Akkus runterfliegt».

Im «Müsli» steht dem Verein eine Graspiste zur Verfügung, die rund 100 Meter lang und 25 Meter breit ist. Der Flugraum, den die Mitglieder nutzen dürfen, erstreckt sich weit über das Landwirtschaftsland. Ein Gebiet von rund 300 auf 500 Metern können die Modellflugzeuge und Helikopter bis zu einer Maximalhöhe von 150 Metern durchfliegen. «Das ist Luxus», sagt Schärer. «Ein so grosser Luftraum ist herrlich, aber so gross muss er dann am neuen Ort nicht zwingend sein.» Denn viele Piloten, die mit ihrer Fernsteuerung am Pistenrand stehen, würden den im «Müsli» zur Verfügung stehenden Raum nicht ausnutzen. «Wir müssen ja noch gut erkennen können, wie unsere Modelle in der Luft liegen.»

Dass die Modellflugzeuge der Stadtbahn weichen müssen, ist für Schärer nicht nachvollziehbar. «Meines Erachtens ist hier ein Depot nicht sinnvoll, da von der Strecke der Limmattalbahn bis ins ‹Müsli› extra mitten im Kulturland viele Gleise und Oberleitungen verlegt und installiert werden müssen». Schärer plädiert nach wie vor für einen anderen Depot-Standort, den aber die Kantone Zürich und Aargau nach einem aufwendigen, langen politischen Prozess wegen einer dort notwendigen teuren Altlastensanierung am Ende verworfen hatten. «Diesen Standort hätte man doch mit dem Depot-Bau gleich sanieren können, das hätte der Natur geholfen», sagt Schärer. Allerdings ist dieser Zug juristisch abgefahren – die Richt- und weiteren Pläne sind längst festgesetzt worden.

Eine Alternative, die zu klein ist

Deshalb sucht die Modellfluggruppe nun nach wie vor intensiv nach einer neuen Heimat. Im Notfall könnte sie noch auf eine Alternative zurückgreifen: Die Stadt Dietikon hat den Vereinsmitgliedern angeboten, dass sie für ihr Hobby die neben dem Depot verbleibende Fläche nutzen könnten. Allerdings würde angesichts der Grösse des Depots der Luftraum sehr klein ausfallen, sagt Schärer. «Dort könnten wir nur noch die ganz kleinen Modelle fliegen, die viel windanfälliger sind.»

Noch ist Schärer aber zuversichtlich, dass die Mitglieder des Vereins trotz der bisher erfolglosen Bemühungen noch einen neuen Heimatflughafen finden und damit auch im nächsten Jahr weiterhin alle ihre Flugzeugtypen einsetzen können. Denn: «Wir brauchen ja nicht viel, eine ebene Wiese von rund 100 auf 25 Meter für die Piste sowie ein wenig freies Areal zum Fliegen reicht ja aus.» Ein solches Grundstück, das der Verein pachten könnte, müsste sich im Limmattal doch noch finden lassen, sagt und hofft Schärer.