Zweieinhalb Jahre lang wurde die Eingangshalle zum Amtshaus 1 restauriert. Mit einer Vernissage wurde gestern das Ergebnis gewürdigt. Die 1922 bis 1925 unter Leitung von Augusto Giacometti erfolgte Ausmalung kommt nun so schön zur Geltung wie vielleicht noch nie. Ablagerungen wurden entfernt, ebenso die alten Halogenlampen. Neu werden die Fresken von LED-Licht gleichmässig und sanft zum Leuchten gebracht. Auch Polizeikommandant Daniel Blumer nahm an der Vernissage teil. «Aus meiner Sicht handelt es sich um die schönste Eingangshalle eines Polizeigebäudes», hat er laut Medienmitteilung gesagt. Sandra Zacher, stellvertretende Direktorin des Amts für Hochbauten, würdigte die Halle als beispielhafte Synthese von Kunst und Bau.

Dabei ist die Stadt nicht immer pfleglich mit ihr umgegangen. Im Zweiten Weltkrieg diente sie als Lagerraum. Danach sah sie so beschädigt aus, dass Giacometti sie zunächst als verloren betrachtete, wie in der Baudokumentation nachzulesen ist. 1948 wurde sie restauriert. Eine weitere umfassende Erneuerung erfolgte 1985 bis 1990. Beide Male handelte es sich um ein schwieriges Vorhaben und es wurde dem Werk auch Schaden zufügt.

Gepatzert beim al fresco

Die Herausforderung, auch bei der nun jüngsten Restaurierung, geht auf die Entstehung zurück, erklärt Franziska Martin, Leiterin Kommunikation im Amt für Hochbauten. Es waren Krisenjahre damals. Giocometti gewann den Wettbewerb für die Ausgestaltung der Halle mit der Auflage, dass er einheimische arbeitslose Maler beizog. Im Gegensatz zu ihm beherrschten sie die Technik des Malens auf feuchten Putz (al fresco) nicht. Auch den Maurern fehlte die nötige Erfahrung. Wenn man zeitlich arg ins Hintertreffen geriet, wurde daher stellenweise auch trocken aufgemalt (al secco). Die so angebrachte Farbe haftet weniger gut. In der 1980er-Restauration kam dann noch eine Kunstharzschicht hinzu, die nun für zusätzliche Probleme sorgt.

Sie ist nicht mehr entfernbar. Dies hat zur Folge, dass die Malerei nur noch oberflächlich von Schmutz befreit werden kann, wie es in der Baudokumentation heisst. Eine Sicherung der Malschicht ist nur lokal durch Unterspritzung möglich. Die Decke ist daher jährlich zu kontrollieren.

Augusto Giacometti war damals wohnhaft in Zürich, nachdem er zuvor einige Jahre in Paris und Florenz gelebt hatte. Die Einflüsse sind in der Halle erkennbar – zwischen Jugendstil und Abstraktion. Für Giacometti stand der Auftrag am Anfang seiner Künstlerkarriere. Für die Stadt Zürich handelt es sich heute um eines der wertvollsten Kunst- und Bauwerke, sagt Mediensprecherin Franziska Martin. Ein weiteres berühmtes Werk Augusto Giacomettis in Zürich sind die Grossmünster-Fenster.

Das Polizeigebäude an der Limmat diente der Stadt Zürich bis 1911 als Waisenhaus. Dann wurde es von Stadtbaumeister Gustav Gull den neuen Amtshäusern in der Urania angegliedert. Zweck der Ausmalung war die Aufhellung des Raumes, der zuvor als Keller gedient hatte.

Zur Instandstellung gehörten auch bauliche Massnahmen für die Sicherheit der im Gebäude tätigen Personen. Rund 1,6 Millionen Franken wurden investiert.