107 Jahre alt zu werden und dann noch ein millionenteures Facelifting zu erhalten – das schaffen nur sehr wenige Sportstätten. Die Offene Rennbahn Oerlikon ist so ein Fall. Am 7. Mai startet sie frisch renoviert in die neue Saison. Bis September finden dann wieder jeweils am Dienstagabend bei trockenem Wetter Radrennen in dem altehrwürdigen Betonoval statt.
Dass diese Tradition aufrechterhalten bleibt, ist im Wesentlichen dem Engagement der von Alois Iten präsidierten Interessengemeinschaft Offene Rennbahn (Igor) zu verdanken. Sie betreibt die Radrennbahn seit 2003 – für aktuell 30 000 Franken Miete, die sie der Stadt als Eigentümerin der Bahn jährlich bezahlt.

Freiwilligenarbeit als Basis

Inzwischen ist Igor-Präsident Iten 74 Jahre alt. «Wenn es nach meiner Frau ginge, wäre nach dieser Saison Schluss», sagt er beim Rundgang über die Rennbahn. Der über 20 Jahre jüngere Vizepräsident der Interessengemeinschaft stünde zwar als Nachfolger bereit. «Aber vermutlich fänden noch andere ältere Mitglieder der IG, es sei der ideale Zeitpunkt zum Aufhören, wenn ich ginge», sagt Iten. Einige seien schon über 80-jährig. Ohne die Freiwilligenarbeit der Igor-Mitglieder und -Helfer liesse sich der Betrieb laut Iten kaum aufrechterhalten.

Iten fuhr einst selber Radrennen. Ab 1959 nahm er achtmal als Amateur an der Züri-Metzgete teil. Nun setzt er sich dafür ein, dass der Radsport auf der Oerliker Rennbahn weiterhin eine Zukunft hat. Immerhin wurde letztes Jahr dank des schönen Wetters ein Zuschauerrekord verzeichnet: Insgesamt 25 000 Besucher kamen an die über 20 Anlässe; allein 5500 an die Oldtimer-Show «Indianapolis in Oerlikon».

Wie ein Fels in der Brandung

Doch schon öfter war die Zukunft der Offenen Rennbahn fraglich. In den 1970er-Jahren gab es Pläne für eine Wohnüberbauung. 1990 wurde die 1912 erbaute Rennbahn aus dem städtischen Inventar der Denkmalpflege entlassen. Wenige Jahre später gab der Bauboom Zürich Nord ein neues Gesicht. Die Offene Rennbahn blieb, wie ein Fels in der Brandung der Immobilienspekulation.

Noch im Jubiläumsjahr 2012 hiess es beim städtischen Hochbaudepartement, der Jubilar spiele in der Sportstättenplanung der Stadt keine Rolle mehr. Die Stadt wolle daher auch nicht mehr gross in den Bau investieren. Im gleichen Jahr wurde die Offene Rennbahn allerdings als schützenswerter Bau ins Inventar der kantonalen Denkmalpflege aufgenommen. Und sechs Jahre später beschloss der Zürcher Stadtrat, sie nun doch für 5,6 Millionen Franken zu sanieren.

Das «Rennbahnstübli» hat einen neuen Anstrich

Die erste Hälfte der Renovation wurde im vergangenen Winter durchgeführt. Stahlträger unter der Tribüne sind erneuert, das Restaurant Rennbahnstübli erhielt einen neuen Anstrich und eine neue Küche. Die Bodenpissoirs wurden durch moderne Pissoirs ersetzt, die Holzbänke in der Nordkurve erneuert. Nun entspricht die Infrastruktur laut Iten wieder den aktuellen Brandschutz- und Hygienenormen.

Die zweite Hälfte der Renovation soll in der nächsten Winterpause erfolgen. Die Arbeiten sind gemäss Stadtratsbeschluss darauf ausgerichtet, den Betrieb der Rennbahn für weitere zehn Jahre zu ermöglichen. Bei der Rad-Weltmeisterschaft 2024 sollen die Starts zum Zeitfahren in der Offenen Rennbahn Oerlikon stattfinden.

Was dann in zehn Jahren aus dem Betonoval wird, ist völlig offen, wie ein Sprecher des städtischen Hochbaudepartements auf Anfrage sagt.