Bei den hochsommerlichen Temperaturen am Dienstagabend begaben sich 27 Bürgerinnen und Bürger in die Oetwiler Gemeindescheune. Sie erlebten eine Première, wie Gemeindepräsident Paul Studer (FDP) gleich eingangs bemerkte.

Er habe jetzt schon einige Gemeindeversammlungen leiten dürfen, sagte Studer, doch dies sei die erste, bei der er keine Krawatte trage. Man möge es ihm ob der Temperaturen bitte verzeihen.

Neben den Temperaturen war wohl auch die kurze Traktandenliste für den nicht allzu grossen Aufmarsch mitverantwortlich. Einzig die Jahresrechnung 2016 galt es zu verabschieden.

Die Rechnung hat bekanntlich mit einem Minus von knapp 25 000 Franken abgeschlossen und damit besser als erwartet – unter anderem weil diverse Investitionen nicht getätigt werden konnten. Total wurden Investitionen in der Höhe von 770 000 Franken nicht ausgeführt.
Insbesondere die Limmattalstrasse fiel da ins Gewicht. Im laufenden Jahr wird es die Limmattalstrasse aber in die Jahresrechnung der Gemeinde schaffen. «Das erleben Sie ja jeden Tag», sagte Studer in Bezug auf die laufenden Strassenarbeiten und die Grossumleitung zwischen Weiningen und Oetwil. Die Jahresrechnung wurde schliesslich einstimmig angenommen.

Vor dem Votum gab es aus dem Volk eine Hand voll Fragen zum neuen Harmonisierten Rechnungslegungsmodell (HRM2), das Oetwil als eine der Zürcher Projektgemeinden bereits anwendet. Die Gemeinde hat nun gute Erfahrungen gemacht, als sie erstmals die Jahresrechnung nach den neuen Regeln erstellt hat.

Oetwils Expertise ist gefragt

«Das alte Modell war für Leute aus der Privatwirtschaft viel schwerer verständlich als das neue», führte Studer aus. Er habe sich damals, als er 1994 in die Rechnungsprüfungskommission eintrat, auch umgewöhnen müssen, als er – selber aus der Privatwirtschaft – sich erstmals richtig vertieft mit der Gemeinderechnung zu befassen hatte. Heute sind hingegen die Unterschiede zwischen privatwirtschaftlichen Rechnungen und jener der Gemeinde Oetwil nicht mehr so gross.

Den grossen Schritt zu HRM2, den Oetwil bereits hinter sich hat, wird das Gros der Zürcher Gemeinden erst nächstes Jahr vollziehen. Die Erfahrung und das Know-how der Oetwiler Finanzverwaltung ist bereits gefragt. Auch künftig wird wohl noch der eine oder andere diesbezügliche Hilferuf kommen.

Weiter nannte Studer einzelne Kennzahlen, die Oetwil ein gutes Zeugnis ausstellen: So zeigen etwa die 3438 Franken Nettovermögen pro Einwohner, wie gesund Oetwil ist, liegt doch der diesbezügliche Kantonsdurchschnitt im Minusbereich.

Studer bedankte sich, dass die Anwesenden den schönen Abend für die Gemeinderechnung geopfert haben. Bei Bier und Wein liess man den Abend ausklingen. Eine Gemeindeversammlung ist eben nicht nur Politik, sondern auch Geselligkeit.