Dass Schlieren mit seinen Start-ups viele Weichen für die Zukunft stellt, ist bekannt. Nun öffnet sich dort sogar ein galaktisches Fenster. In der Fotohalle Schlieren kann sich das Publikum ab morgen Freitag in die unendlichen Weiten des Alls katapultieren lassen. Dort trifft es auf Zero und erlebt dessen Suche nach dem Raum der Träume. Dem Protagonisten steht eine bunte Piratencrew zur Seite und gemeinsam begeben sie sich auf einen kosmischen Trip.
Dargeboten wird dies vom Zürcher Theaterensemble Teatro Orfeo. Musikalisch begleitet wird das Abenteuer von der Band «The Moonling». «Ich : Zero» nennt sich das Stück und ist Space-Odyssee wie musikalisches Theaterstück zugleich.

Es ist ein grosses Projekt für «The Moonling», deren Mitglieder Fabian Flückiger (Schlagzeug) und Martin Rüegg (Bass) aus Aesch stammen. Zu ihnen gesellen sich Sebastian Möhr (Gesang), Roman Rey (Gitarre) und Olivier Stuber (Keyboard). Es ist aber auch vertrautes Terrain. Schon mit ihren beiden Alben «iMask» (2013) und «Of Toys and their Master’s Voice» (2017), und insbesondere den dazugehörigen Videos und Konzerten, flirtete die Band mit Fantasy und Science Fiction. «Die Zukunft, die Tiefsee oder eben der Weltraum: dort gibt es noch das Unbekannte. Der Weltraum ist sowohl geeignet, um groteske Märchen zu erzählen, aber auch, um ganz irdische Themen auf mysteriöse und überspitzte Weise darzustellen», sagt Möhr.

Schräg und mit Humor

Das Zürcher Ensemble Teatro Orfeo, das 1987 von Esther Knappe und Martin Willi gegründet wurde, kooperiert zum zweiten Mal mit der Band. Vor fünf Jahren brachten sie gemeinsam die futuristische Satire «Mensch Made In» in Zürich auf die Bühne. Bindeglied zwischen Band und Ensemble ist Sänger Möhr, der ebenso für das «Teatro Orfeo» als Regisseur, Schauspieler und Autor tätig ist. «Die Band wie auch das Ensemble haben damals sowohl schöpferisch als auch privat sehr gut harmoniert. Also beschlossen wir einstimmig, diese Erfahrung zu wiederholen. Es war unausweichlich», sagt Möhr, der «Ich : Zero» auch geschrieben hat.

«Für mich war schnell klar, dass es ein Science-Fiction-Abenteuer werden sollte. Und in der Tradition beider Gruppen sollte es etwas Schräges mit Humor und Witz sein, aber gleichzeitig auch düstere und hintergründige Momente beinhalten», sagt er. Es folgte ein langer Prozess des Suchens und Schreibens, bis Möhr die Geschichte (siehe Zweittext links) niedergeschrieben hatte. «Genau wie Zero begab auch ich mich auf eine traumartige Odyssee und irgendwie befinde ich mich immer noch auf dieser.» Die Reise ist ein Mix aus surrealem Weltraum-Abenteuer, grotesker Komödie und psychedelischem Thriller. Gemeinsam mit Martin Willi vom Teatro Orfeo führt er die Regie.

Hinzu kommen vier brandneue Songs, Soundtracks und reichlich Geräuschmalereien, die von «The Moonling» neu komponiert wurden. Die Band hat für die Musik ihren Space-Rock erweitert, sagt Bassist Martin Rüegg. «Wir sind eigentlich immer am Rumexperimentieren, wenn es darum geht, uns an die Aussage des jeweiligen Liedes heranzutasten.» Konkret wurden für «Ich : Zero» etwa Elemente der Filmmusik und des Jazz in die Songs integriert, um entsprechende Stimmungen zu erzeugen. Der Soundtrack sei aber nicht zwingend als neues Album zu verstehen, vielleicht aber als richtungsweisend: «Ich denke, der Sound wird sich auf einem möglichen nächsten Album niederschlagen», sagt Rüegg.

Dass Zeros Reise in Schlieren aufgeführt wird, ist der Fotohalle zu verdanken. «Die Suche nach einer passenden und bezahlbaren Location hat einige Mühe bereitet. Schliesslich lag die Lösung näher als gedacht, da die Fotohalle gleich neben meiner Firma liegt», sagt Schlagzeuger Fabian Flückiger. Erwähnte Firma ist die Effekte.ch, die für «Ich : Zero» aus dem Vollen schöpfen kann. «Die Grösse der Halle lässt es zu, dass wir unserer Spinnereien so umsetzen können, wie wir sie uns ausgedacht haben.» Ein Weltraum-Setting umzusetzen, erfordere eben genügend Platz. «Man kann uns immer noch als ein wenig wahnsinnig bezeichnen», sagt Rüegg und lacht.

Die Thematik des Stücks bot sich zudem an, diverse Referenzen an Klassiker des Science-Fiction-Genres einfliessen zu lassen. So nennt sich etwa eine weibliche Figur Majorie Tom (eine Referenz an David Bowies «Space Oddity») und auch Hinweise auf Filme wie «2001: Space Odyssey» oder die «Star Wars»-Reihe sind zu entdecken. Manches sei offensichtlich, manches wiederum versteckter. «All diese Anspielungen sind aber mehr als augenzwinkernde Zugabe gedacht, das Stück funktioniert auch ohne diese vollumfänglich», so Möhr.

Am Montag konnten «The Moonling» und das «Teatro Orfeo» die Schlieremer Fotohalle in Beschlag nehmen und das Stück erstmals in der Kulisse proben. «Das Zusammenfügen der Musik mit der Schauspielerei ist etwas vom Interessantesten für uns», sagt Rüegg. Sämtliche Beteiligte stecken sich hohe Ziele und die Tage vor der Premiere sind anstrengend. «Die Entwicklung des Stücks hat doch einiges an Energie gebraucht», fügt er an. Trotz des Spektakels ist für Möhr aber eines klar: «Unter dem Strich bleibt wie immer eine ganz simple Zielsetzung: die Zuschauer gut und packend zu unterhalten. Und das ist eine Erwartung, die wir auf jeden Fall erfüllen möchten.»