Nach der offiziellen Eröffnung des Steinmürli-Pavillons in der letzten Woche ging es an der gestrigen Dietiker Parlamentssitzung bereits an die Aufgleisung des nächsten Schulraum-Bauprojekts: der Ersatzneubau des Doppelkindergartens Steinmürli. Bis zum Schuljahr 2019/2020 sollen die Kindergärtler dort ein neues Zuhause bekommen. Zu diesem Zweck beantragte der Stadtrat gestern dem Gemeinderat einen Ausführungskredit über knapp 2,7 Millionen Franken.

Zu viel – befanden die Fraktionen der SVP und der FDP und stellten den Antrag, auf das Minergie-Label zu verzichten und damit den Kredit um 300 000 Franken zu kürzen. In ihrer Begründung meinte SVP-Gemeinderätin Charlotte Keller: «Es stört uns, dass Mehrkosten auflaufen für ein Minergie-Label, das laufend Anlass zu Kritik gibt.» Sie verwies auf einen Beitrag in Radio-SRF. Demnach würden Objekte mit Minergie-P- oder P-Eco-Zertifikaten im Winter doppelt bis dreimal so viel Heizenergie wie geplant verbrauchen, vor allem, weil die geplanten Idealbedingungen etwa geschlossene Fenster und Türen, nicht eingehalten werden könnten. Keller: «Ein Kindergarten ist das falsche Objekt für einen Minergie-P-Standard, weil dieses Energie-Konzept einen diffizilen Umgang verlangt.»

Der Grüne Lucas Neff zeigte sich nicht begeistert, weder vom gemeinsamen Antrag von SVP und FDP, noch von dem Projekt an sich. Er bemängelte hauptsächlich die viel zu hohen Kosten. Das früher ausgegebene Kostenziel für das Projekt in Höhe von 1,6 Millionen Franken - seiner Meinung nach ein realistischer Betrag - sei eindeutig verfehlt worden. Grundsätzlich sei Minergie P aber ein Qualitätslabel. Daher würden die Grünen den Änderungsantrag abweisen. 

«Bestechendes Projekt»
Michael Segrada (FDP) unterstützte den Kürzungsantrag: «Brauchen wir einen neuen Schulraum? Ja, und zwar dringend. Brauchen wir einen Minergie-Standard dafür? Nein.» Die FDP wolle zweckmässigen Schulraum zu vertretbaren Kosten. Esther Sonderegger (SP) redete dem Anspruch der Stadt gemäss ihrem «Energiestadt Gold»-Label, auf den sie zurecht stolz sei, das Wort. Ausserdem müsse die Stadt privaten Bauherren mit gutem Beispiel vorangehen. Auch Martin Christen (CVP) verwies auf das «Energiestadt Gold»-Label. Eine Kürzung würde ausserdem zu grossen zeitlichen Verzögerungen führen; dazu sei das Projekt zu dringlich.

Christiane Ilg-Lutz sprach für die EVP-Fraktion: «Wir wollen den Kürzungsantrag unterstützen, aber nicht, weil wir den Energiestandard infrage stellen.» Kosten könne man trotzdem gut anderswo einsparen. Ilg-Lutz’ Meinung schloss sich auch Sven Johannsen (GLP) an. Diesen Ideen nahm SVP-Fraktionschef Stephan Wittwer allerdings umgehend den Wind aus den Segeln: «Unser Antrag ist kein Wunschkonzert. Die Kürzung betrifft den Minergie-Standard und nichts anderes.»

Schulpräsident Jean-Pierre Balbiani (SVP) appellierte zum Diskussionsabschluss an die Räte. Sie sollten ablassen von der Energie-Ideologie. Das Projekt sei bestechend in Variabilität, Ausnutzung, Qualität, und obendrein sehe es auch noch gut aus. «Wir brauchen den Kindergarten. Die Schulraumplanung ist eine rollende Planung.» Eine Ablehnung wäre fatal. Auch Hochbauvorsteherin Esther Tonini (SP) kämpfte für das Projekt. Diskussionen bezüglich dem Energiestandard seien nicht so verhandelbar, wie die Gemeinderäte das dargestellt hätten. Die Stadt habe in diesem Bereich einen Auftrag.

Am Ende stimmten 17 Parlamentarier für den Änderungsantrag mit den Reduktionen im energetischen Standard und um 300 000 Franken, 14 stimmten dagegen. Dem geänderten Antrag wurde dann mit der überwältigenden Mehrheit von 28 zu 3 zugestimmt. Da der Beschluss dem obligatorischen Referendum unterliegt, hat nun das Volk das letzte Wort.