Muris Begovic ist Geschäftsführer des Projekts «Muslimische Spital- und Notfallseelsorge». Der 37-Jährige wuchs zunächst in Bosnien auf. Sein Vater arbeitete als Saisonnier in der Schweiz. 1991 kam Muris Begovic im Rahmen eines Familiennachzugs nach Wattwil SG. Mit 17 Jahren zog es ihn in die alte Heimat: Er absolvierte von 1997 bis 2002 in Sarajevo eine Imam-Ausbildung. Danach kehrte er in die Schweiz zurück, gründete eine Familie und liess sich im Limmattal nieder, wo er auch eingebürgert wurde. Von 2007 bis 2014 war Begovic stellvertretender Imam der bosnischen Moschee in Schlieren. Zudem absolvierte er an der Uni Bern ein Studium in Islamwissenschaften und interreligiösen Studien.

Ab 2014 leitete Begovic das Projekt muslimische Notfallseelsorge im Kanton Zürich, das im Herbst 2015 gestoppt wurde, weil der Vorwurf aufkam, dass unter den Auszubildenden ein Mitglied des als fundamentalistisch geltenden Islamischen Zentralrats der Schweiz war. «Ich hatte das nicht bemerkt», sagt Begovic. Anders als das jetzige Projekt sei die muslimische Notfallseelsorge zu wenig breit abgestützt gewesen: «Der Kanton gab der Vioz die Möglichkeit, sich selbst im Bereich Seelsorge zu organisieren.» Begovic hat ein Teilzeitpensum als Sekretariatsleiter der Vereinigung der Islamischen Organisationen in Zürich (Vioz).

Herr Begovic, wie sehen Ihre Erfahrungen in der Spitalseelsorge aus?

Muris Begovic: Schon als Imam der bosnischen Moschee wurde ich immer wieder zur Seelsorge aufgeboten von Spitälern und Blaulicht-Organisationen. Ich habe mich auch entsprechend weitergebildet und während meines Studiums an der Universität Bern Seelsorge-Seminare besucht. Zudem leitete ich das Projekt muslimische Notfallseelsorge und habe jetzt die Ehre, das Thema weiterzuführen.

In welchen Spitälern kamen Sie als Seelsorger zum Einsatz?

Fast im ganzen Kanton Zürich: im Universitätsspital, im Waid- und Triemlispital, im Spital Bülach, in Winterthur...

Auch im Spital Limmattal?

Dort wurde ich bislang nicht aufgeboten. Mit dem neuen Projekt soll auch der Kontakt zum Spital Limmattal hergestellt werden.

Wann kommen Sie zum Einsatz?

Die Palette ist breit: Sie reicht vom Kindstod über eine plötzliche Krankheit bis hin zum Wunsch einer Familie, lebenserhaltende Geräte auszuschalten.

Und was unterscheidet die muslimische Spitalseelsorge von einer christlichen?

Grundsätzlich geht es in beiden Fällen um psychosoziale Gesprächsführung. Unterschiedlich sind die theologischen Zugänge und Rituale. Als Muslim kann ich einem katholischen Patienten keine Sakramente spenden. Handkehrum kann ein christlicher Pfarrer keinen Koran rezitieren und andere muslimische Rituale durchführen. Die Nachfrage ist gross.

Die Islamische Dachorganisation Vioz ist auch beim neuen Projekt stark involviert. Soll das Projekt nach der zweijährigen Pilotphase weitergezogen werden?

Auf jeden Fall, Vioz möchte das. Die Ressourcen sind allerdings beschränkt. Zu meinen Aufgaben gehört es auch, Ausschau zu halten nach realistischen Finanzierungsmöglichkeiten. Der Bedarf ist vorhanden.