Betroffen sind die Hallenbäder City, Oerlikon, Käferberg und Bungertwies, die Saalsporthalle, die Kunsteisbahn Oerlikon sowie die Sportanlage Sihlhölzli. Dort gab es zum Teil schon seit Jahren Videoüberwachung ohne die nötige Rechtsgrundlage – mehrheitlich auch ohne die nötigen Hinweisschilder. Morgen, also per 1. Februar, hätte das inzwischen vom Stadtzürcher Sportamt erarbeitete Videoüberwachungsreglement in Kraft treten sollen. Doch daraus wird nichts. Es gab eine Einsprache gegen das Ende Dezember amtlich publizierte Reglement, wie das Sportamt gestern mitteilte. Die Videoüberwachung werde deshalb in den betroffenen Anlagen sofort abgeschaltet, bis ein rechtskräftiges Reglement vorliege.

Bleibt die Frage, warum das Stadtzürcher Sportamt so lange ohne die nötige Rechtsgrundlage filmte – und warum es überhaupt in den genannten sieben Sport- und Badeanlagen filmte. Die Videoüberwachung sei zumeist dann installiert worden, wenn wiederholt etwas passiert sei, erklärt Sportamtschef Urs Schmidig auf Anfrage. So sei zum Beispiel im Hallenbad Käferberg mehrfach der Getränkeautomat geknackt worden; beim Hallenbad Oerlikon habe es Vandalenakte am Parkplatz-Billetteautomaten gegeben.

Zu den Gründen für die Videoüberwachung zählten gemäss Schmidig unter anderem auch sexuelle Belästigungen. «Es gibt immer wieder Gäste, die sich belästigt fühlen. Da kann es helfen, zu sehen, wann jemand eine Garderobe verlässt», so der Sportamtschef. Gefilmt worden sei etwa auch im Garderobenvorbereich des Hallenbads City. Schmidig betont: «Es wurden nie Gäste beim Umziehen gefilmt.»

Letzigrund hatte Vorrang

Der Sportamtschef weiter: «Es ist nicht gut, dass es so lange gedauert hat, bis wir das Reglement erarbeitet haben. Dafür entschuldige ich mich.» Schmidig leitet seit Herbst 2009 das Sportamt. 2011 trat die vom Stadtzürcher Gemeinderat erlassene Datenschutzverordnung in Kraft. «Es gab teilweise schon vorher Videoüberwachung», so Schmidig. Doch erst infolge der neuen Datenschutzverordnung sei das Sportamt verpflichtet worden, mit dem Erarbeiten der Videoüberwachungsreglemente zu beginnen.

Zuerst sei jenes für das Letzigrund-Stadion gemacht worden, da es sich dabei um einen komplizierteren Fall handle. Dann folgte das Reglement für die übrigen Stadtzürcher Sport- und Badeanlagen, das jetzt durch eine Einsprache blockiert ist.

Im Reglement steht: «Videoaufzeichnungen dürfen ausschliesslich zur Geltendmachung zivil- oder strafrechtlicher Ansprüche verwendet werden.» Und: «Sämtliche Kameras verfügen über eine Zoom-Funktion sowie über eine Gesichtserkennungsfunktion.» Nach 100 Tagen werden die Filme gemäss Reglement automatisch gelöscht – sofern dieses in Kraft tritt und die Kameras dereinst wieder laufen.