Im «Gleis 21» in Dietikon wurde gestern die grosse nationale Trickfilmausstellung eröffnet, die bis 17. Mai dauert. «Drei Wochen lang ist hier immer etwas los», sagte Rita Bachofen, Co-Präsidentin des Vereins Trickfilmausstellung Dietikon 2019. Die vielen Anwesenden schauten sich nach den Eröffnungsreden bereits die ersten Trickfilme an. So etwa jene von Kindern, die in Urdorf und Dietikon gelernt hatten, wie man mit einfachen Mitteln kreative Geschichten vertrickfilmt.

Auch der Dietiker Stadtpräsident Roger Bachmann hatte sich früher als Filmemacher versucht, wie er in seiner Rede offenbarte. So filmte er mit der Super-8-Kamera seines Vaters Legofiguren. Erinnerungen wie diese machten ihm bewusst, welch wertvolles Kulturgut der Trickfilm ist. «Es verbindet Jung und Alt und gibt auch uns Erwachsenen die Möglichkeit, vom grauen Alltag Abstand zu nehmen und in fantasievolle Geschichten einzutauchen.» Trickfilme böten mehr als Micky Maus und Konsorten. «Das sieht man wunderschön bei dieser Ausstellung», so Bachmann.

Der Stadtpräsident zeigte sich sehr erfreut, dass die Trickfilmausstellung in Dietikon stattfindet – und die Stadt so quasi in einem Atemzug mit dem Fantoche in Baden und den Solothurner Filmtagen genannt wird. «Wir sind sehr stolz», so Bachmann.

Die Idee für die Ausstellung hatte Rolf Brönnimann, der nach 8 Jahren und 8000 Zeichnungen seinen 10-minütigen Animationsfilm «Bolero Station» fertiggestellt hat. Zum 50-Jahr-Jubiläum der Schweizer Trickfilmgruppe startete dann im vergangenen Jahr die nationale Wanderausstellung, die nun in Dietikon mit Zürcher Trickfilmschaffenden bereichert wird. Nach Baden, Bellinzona, Solothurn und Lausanne ist die Ausstellung also da, wo die Idee dafür geboren wurde, wie Rita Bachofen festhielt.

«Etwas für alle»

Auch Jonas Räber, Präsident der Schweizer Trickfilmgruppe, war an der Vernissage. «Kommt wieder mit Euren Familien, Euren Junioren und Senioren. Die Trickfilmausstellung ist etwas für alle», riet er den Anwesenden.

Die Laudatio hielt der alt Regierungsrat und alt Stadtpräsident Markus Notter, dem die Ausstellung auch grosse Freude bereitet. Unter anderem lobte Notter die Macher dafür, dass sich die Ausstellung trotz des Jubiläums nicht mit der Geschichte der Schweizer Trickfilmgruppe befasst, sondern damit, wie Trickfilme überhaupt entstehen. «Man sieht jetzt mal hinter die ganzen Geheimnisse», sagte Notter. Und wies darauf hin, dass ein Zauberer jegliche Faszination verlöre, wenn er seine Tricks offenlegen würde. Bei Trickfilmen sei es eher umgekehrt. Wenn man weiss, welcher Aufwand dahinter steckt, sei es noch spannender, so einen Film zu sehen. «Und dieser Aufwand ist riesig. Es braucht eine unglaubliche Geduld, eine unglaubliche Sorgfalt, eine grosse Disziplin und viel Durchhaltevermögen. Das ist beeindruckend.» Und höre sich ein wenig an wie im Militär. «Aber das Ergebnis ist poetisch, fantasievoll, filigran; vollendete Kunst.»

Doch soll man nun Trickfilm oder Animationsfilm sagen? Notter bevorzugt letzteres. «Animieren heisst, etwas zum Leben zu erwecken und zu beseelen. Ihr bringt mit Eurer Kunst Leben in Objekte, das es sonst gar nicht gäbe. Ich gratuliere zu dieser Ausstellung», sagte Notter. Er riet den Ausstellungsbesuchern, sich bei den Trickfilmen stets auch besonders auf die Musik zu achten, denn die sei bei Filmen im Allgemeinen wichtig – und bei Trickfilmen noch mehr.

Die Ausstellung bietet ein grosses Programm. Heute Samstag um 19.30 Uhr wird zum Beispiel der Jubiläumsfilm «50:50» der Schweizer Trickfilmgruppe gezeigt.