Für die rund 38 000 Angestellten des Kantons Zürich ist es vielfach schon zur Gewohnheit geworden: In der Zeit von Weihnachten bis Neujahr bekommen sie zwei zusätzliche bezahlte Ferientage geschenkt, weil die Behörden dann ohnehin zumeist geschlossen haben. Diese Gepflogenheit stiess André Bender (SVP, Oberengstringen) sauer auf: Zusammen mit Kantonsräten der CVP und der EDU forderte er, die wegen solcher Brückentage ausfallende Arbeitszeit sei analog zur Privatwirtschaft von den Angestellten vorzuholen. Ansonsten sei die Privatwirtschaft doppelt benachteiligt: zum einen, weil sie sich Brückentags-Geschenke für ihre Angestellten nicht leisten könne, zum anderen, weil sie via Steuern das Geschenk des Kantons an seine Angestellten mitfinanzieren müsse.

Gestern stand Benders 2017 eingereichtes Postulat im Kantonsrat zur Debatte. Der Regierungsrat war in der Zwischenzeit allerdings nicht untätig geblieben: Er hatte eine Vorlage erarbeitet, die dem Staatspersonal eine fünfte Ferienwoche brächte. Heute haben die 21- bis 49-jährigen Zürcher Kantonsangestellten nur vier Wochen bezahlte Ferien, während in der Privatwirtschaft fünf Wochen weit verbreitet sind. Die fünfte Ferienwoche sollte gemäss Regierungsrat allerdings ohne zusätzliche Kosten eingeführt werden, nämlich unter Einbezug besagter Brückentage und durch eine halbe Stunde Mehrarbeit pro Woche.

Stocker plant neue Ferienregelung

Dieser Vorschlag stiess nicht nur bei den Personalverbänden und den linken Parteien auf Kritik: Auch die Mehrheit der Zürcher Gemeinden, auf die das kantonale Personalrecht ebenfalls angewendet wird, und kantonale Institutionen wie die Universität und das Universitätsspital sprachen sich gegen eine so gestaltete fünfte Ferienwoche aus.

Nun will der Regierungsrat «in nächster Zeit einen neuen Vorschlag bringen», wie Finanzdirektor Ernst Stocker (SVP) gestern anlässlich der Debatte über Benders Postulat sagte. «Wahrscheinlich werden auch dann nicht alle zufrieden sein.»

Doch zunächst einmal kam es zum Streit über Benders Vorstoss. Laut dem Oberengstringer SVP-Kantonsrat und Gemeindepräsidenten kosten die zwei Brückentage den Kanton pro Jahr 32 Millionen Franken. Zugute komme dies den ohnehin schon privilegierten Kantonsangestellten, von denen 90 Prozent Jahreslöhne von über 100 000 Franken bekämen. «Bei kleinen und mittleren Privatfirmen endet die Lohnskala grossmehrheitlich bei 100 000 Franken», gab er zu bedenken.

Das Staatspersonal sei nicht nur lohnmässig privilegiert, sondern auch, weil der Kanton 60 Prozent der Pensionskassenbeiträge statt der üblichen 50 Prozent bezahle, fügte Hans Egli (EDU, Steinmaur) an. Dies alles müsse in die Diskussion um die fünfte Ferienwoche einfliessen.

«Der Regierungsrat hat die Freiheit, die zwei Brückentage zu streichen oder in die fünfte Ferienwoche einzubauen», sagte Bender.

Sein Postulat fand indes keine Mehrheit: Die FDP stimmte mit der SP, den Grünen, der EVP und der AL dagegen; die GLP enthielt sich wegen der noch hängigen Diskussion um die fünfte Ferienwoche der Stimme. SVP, CVP und EDU unterlagen mit 65 zu 90 Stimmen.

«Mehr als ein paar warme Worte»

Die von den Postulanten «analog der Privatwirtschaft» geforderte Lösung gebe es gar nicht, da auch in der Privatwirtschaft ganz unterschiedliche Regelungen für die Brückentage zwischen Weihnachten und Neujahr üblich seien, sagte Roland Munz (SP, Zürich). Jörg Kündig (FDP, Gossau) verwies auf die Stellungnahme des Regierungsrats, wonach dieser Brückentage flexibel handhaben könne. «Ich bin überzeugt, dass er das auch in künftigen Jahren tun wird», sagte Kündig.

«Was SVP, CVP und EDU fordern, ist absurd», meinte Markus Schaaf (EVP, Zell). «Motivierte Mitarbeitende brauchen mehr als ein paar anteilnehmende Worte und einen warmen Händedruck.»