Die Maschine lärmt. Es riecht nach süssem Gebäck. Im Fünfsekundentakt rutschen Waffelröllchen aus ihr heraus und landen auf einem Laufband. An deren Ende steht Maria Giardino. Vorsichtig befördert sie die noch ungefüllten Hüppen in eine Box und eilt dann zum Stahlbehälter, der vor der riesigen, lauten Maschine angebracht ist. Sie füllt ihn mit Teig. Je näher man der Maschine kommt, desto heisser wird es. «Das ist nichts. Im Hochsommer war es hier drin kaum auszuhalten», sagt die 61-Jährige und lacht. Sie ist eine von neun Mitarbeitern der Hardegger Hüppen AG in der Fahrweid. Die Firma ist bekannt für ihre Zürcher Hüppen, die vor allem zur Weihnachtszeit gegessen werden. Daneben stehen Cornets, Dekorationswaffeln für Restaurants und Grossisten sowie Softeispulver im Sortiment. Insgesamt bietet die Firma rund 70 verschiedene Artikel an.

An diesem Morgen stellt Giardino die klassischen Zürcher Hüppen mit Gianduja-Füllung her. Die Masse besteht aus einer Mischung aus Haselnuss, Zucker und Couverture. Die gefüllten Röllchen werden zum Schluss mit dunkler Schokolade überzogen. Die Sorte, die Giardino produziert, ist rund 12 Zentimeter lang und 25 Gramm schwer. Immer wieder führt die gebürtige Italienerin Stichproben durch und legt die Hüppen auf die Waage. Giardino ist die dienstälteste Mitarbeiterin. Seit 35 Jahren ist sie für den Hüppen- und Waffelproduzenten tätig. «Zuvor arbeitete ich in einer Druckerei in Dietikon und hatte mit Backwaren nichts am Hut. Als ich dann in die unmittelbare Nähe der Firma an die Brunaustrasse zog, fragte ich, ob sie jemanden brauchen», erzählt Giardino. Ihre drei Kinder seien damals noch klein gewesen und sie habe nur vier Stunden pro Tag arbeiten können. Als die Kinder älter wurden, habe sie dann nach und nach ihr Pensum erhöht. «Jetzt arbeite ich 100 Prozent», sagt sie und eilt wieder zur Hüppenmaschine.

Dieses Mal nicht, um Teig nachzuschütten, sondern um den Teigfaden, der entlang einer heissen Walze gebacken wird, richtig einzufädeln. Sie zieht den zerfransten Teigstreifen aus der Walze und die Röllchen machen wieder einen ordentlichen Eindruck. Zugenommen habe sie schon etwas, als sie damals bei Hardegger begonnen habe, sagt Giardino und schmunzelt. Die klassischen Zürcher Hüppen haben es ihr besonders angetan. Dass sie so viele Jahre schon hier in der Fahrweid arbeitet, hat seinen Grund. «Ich bin glücklich hier. Wir sind wie eine kleine Familie.» Unterdessen lebt sie mit ihrem Mann im eigenen Haus in Spreitenbach. Bis zur Pension wird Giardino wohl für die Hardegger Hüppen AG arbeiten.

Keine Nachfolge gefunden

Für ihre Kollegen sieht das anders aus. Im Juli wurde bekannt, dass der Backwarenhersteller Hug die Firma per 1. Januar 2019 übernimmt. «Wir haben keine Nachfolge für die Führung des Unternehmens gefunden. Deshalb haben wir verkauft», sagt Betriebsleiter Peter Käser. Der 67-Jährige führt die Firma seit 2005. Er und seine Kollegen Markus Letsch und Peter Hunziker haben die Hardegger Hüppen AG von den Gebrüdern Scherrer übernommen. Gegründet wurde der Betrieb 1950 von der Familie Hardegger. «Ich bin über dem Pensionsalter und bin nun froh, dass ich die Aufgaben langsam übergeben kann, sodass ich in ein bis zwei Jahren aufhören und wieder etwas mehr auf Reisen gehen kann», sagt Käser, der in Hinwil im Zürcher Oberland lebt. So lange soll die Produktion noch im Limmattal stattfinden. Danach wird sie an die Hug-Standorte nach Malters oder Willisau verlegt. Käser ist wichtig, dass für seine Mitarbeiter eine gute Lösung gefunden wird. «Ich werde mich für sie einsetzen und schauen, dass alle irgendwo unterkommen.»

Es riecht nun nicht mehr nach süssem Gebäck, sondern nach Chilbi. Auf dem grossen Tisch auf der anderen Seite der Backstube liegt ein brauner Teig. Vaid Dalipi drückt auf einen Knopf am Tischrand und der Teig flitzt zwischen der stählernen Teigrolle hin und her. Es ist ein Lebkuchenteig, die Basis für das Magenbrot, das die Firma seit drei Jahren ebenso herstellt. Die Grundrezeptur hat Käser veredelt, deshalb heisst die Hausmarke auch «Peters feinstes Magenbrot». Unter dem Namen «Schweizer Markt-Magenbrot» verkauft Aldi Schweiz das Produkt.

Dalipi streut immer wieder Mehl auf die Masse. Etwa zwölf Mal wiederholt er den Vorgang, bei dem der Teig hin und her rollt. Der 35-Jährige arbeitet auch schon 15 Jahre für Hardegger. Peter Käser habe ihm alles beigebracht, was er wissen müsse. Für Käser ist Dalipi eine wichtige Stütze. «Wenn ich für ein paar Tage in die Ferien gehe oder geschäftlich unterwegs bin, hält er die Stellung», sagt der Betriebsleiter. Dalipi ist nicht nur für die Produktion zuständig, sondern flickt auch die Maschinen, wenn sie nicht mehr das tun, was sie sollen. Monoton sei sein Beruf überhaupt nicht, findet der Schlieremer. «Ich fertige jeden Tag andere Produkte. So wird es mir nie langweilig», sagt Dalipi. Und auch die Atmosphäre im Team sei super. «Wir machen uns aber etwas Sorgen, was nach der Übernahme von Hug passiert», so der zweifache Familienvater.

Käser versucht, den Mitarbeitern die Ängste so gut wie möglich zu nehmen. Er weiss, wie sehr sie sich ins Zeug legen und belohnt sie deshalb auch mit speziellen Teamevents wie etwa Helikopterflügen oder Ausflügen ins Bündnerland mit der Älplibahn. Die Boxen mit den leeren Hüppen stehen unterdessen im Füllraum. Die Röllchen wandern auf ein Laufband. Das bleibt stehen, als das Gebäck in der richtigen Position vor einer Reihe von stählernen Röhrchen zu liegen kommt. In den Röhrchen befindet sich die Gianduja-Füllung, die nun in die Hüppen gespritzt wird.

«Schokolade ist heikel»

«6000 Hüppen können damit in einer Stunde gefüllt werden», sagt Käser. Ihm sei die Lust darauf auch nach 13 Jahren nicht vergangen. «Ich muss die Füllungen und die Hüppen ja sowieso testen», sagt er und lacht. In der Maschine nebenan wird Couverture bei etwas über 40 Grad geschmolzen. 800 Liter haben Platz. Die Hüppen, die an diesem Tag entstehen, werden nämlich noch mit Schokoladenglasur überzogen. «Aufpassen muss man bei der Temperatur. Schokolade ist extrem heikel. Wenn sie zu heiss wird, bekommt sie einen Fettreif. Der ist grau und graue Schokolade sieht nicht appetitlich aus», sagt Käser. Die Couverture fliesst über zwei Rohre in die Glasurmaschine daneben. «Hier wird sie auf 29 Grad runtergekühlt. Mitarbeiterin Lulzime Marovci legt die gefüllten Hüppen aufs Laufband. Die Röllchen passieren den Schokoladenbrunnen und wandern durch einen sechs Meter langen Kühltunnel. Wenn sie rauskommen, sind sie auf 18 Grad runtergekühlt und verzehrbereit. Marovci versorgt die fertigen Hüppen in einer Kunststoffkiste. «Einpacken tun wir sie dann in den nächsten Tagen», sagt Käser und fügt lachend an: «Sonst haben wir ja nichts mehr zu tun.»