Schon 20 Jahre leuchtet ihr Stern am Schlagerhimmel: Seit Francine Jordi 1998 mit dem Lied «Das Feuer der Sehnsucht» den Grand Prix der Volksmusik gewann und damit ihren Durchbruch erzielte, ist die Berner Sängerin aus der deutschsprachigen Musikszene nicht mehr wegzudenken. Zehn Jahre später erreichte sie mit demselben Titel sowie im Duett mit dem Jodlerklub Wiesenberg die Spitze der hiesigen Charts. Auch als Komponistin und Moderatorin machte sich Jordi einen Namen. Im Frühling gelang sie aus freien Stücken an die Presse und verriet, dass bei ihr im letzten Jahr Brustkrebs in einem frühen Stadium diagnostiziert wurde. Nach einer Operation unterzog sie sich einer Chemo- mit anschliessender Bestrahlungstherapie, welche erfolgreich abgeschlossen wurde. Jetzt steht wieder die Musik im Vordergrund: Mit einem neuen Album im Gepäck tritt Jordi am Freitag am Stadtfest Dietikon auf.

Francine Jordi, Sie geben am Stadtfest Dietikon ein Konzert. Was erwartet die Fans an Ihrem Auftritt?

Francine Jordi: Ich freue mich schon sehr darauf. Es wird ein Mix aus älteren, aktuellen, und, als kleines Geschenk für Dietikon, auch ein paar neuen Liedern von meinem Album «Noch lange nicht genug», welches Ende September erscheint. Und fehlen darf auf keinen Fall «Das Feuer der Sehnsucht».

Kennen Sie das Limmattal und hatten Sie auch schon Auftritte hier?

Natürlich kenne ich das Limmattal und war auch schon öfter da für Auftritte. Ich geniesse es immer sehr, wenn ich mit meinem Hund Theo irgendwo der Limmat entlang auf den tollen Wanderwegen spazieren gehen kann.

Sie haben einen vollen Terminkalender und geben auch in Deutschland und Österreich Konzerte. Wurden Live-Auftritte zunehmend wichtiger, weil Albenverkäufe nicht mehr so einträglich sind?

Es stimmt, die Zeiten haben sich geändert. Aber Konzerte waren mir immer schon sehr wichtig. Den direkten Kontakt zum Publikum, die Gefühle und Emotionen in den Gesichtern zu sehen, und zusammen einfach die Musik geniessen und das Leben feiern zu können – das lässt sich überhaupt nicht mit Albumverkäufen vergleichen.

Bieten Konzerte Ihnen auch die Möglichkeit, ihre Fans zu treffen oder bevorzugen Sie die sozialen Medien?

Nach jedem Konzert bin ich am Autogrammstand und habe da den direkten Kontakt. Ich kann mit meinen Fans Fotos machen, Gedanken und Erlebnisse austauschen. Diesen wirklich persönlichen Kontakt finde ich unbezahlbar. Jedoch ist es nicht allen Fans immer möglich, vor Ort an die Konzerte zu kommen. Da schätze ich den heute möglichen Kontakt über die sozialen Medien sehr. Du kannst dadurch mit den Fans aus aller Welt in Verbindung bleiben. Darum ist es mir auch ein grosses Anliegen, meine Instagram-, Twitter- und Facebook-Seiten selber zu machen.

Ihre neue Single «Da geht noch mehr» wurde bereits veröffentlicht und steht in den Schlagerhitparaden weit vorne. Was können Sie uns über die neuen Lieder Ihres kommenden Albums verraten?

Ich feiere mit diesem Album das Leben und habe – wie der Titel schon sagt – «Noch lange nicht genug»! Die Lieder sind zum Mitsingen, Tanzen und schwelgen. Die Meisten habe ich wieder zusammen mit Tommy Mustac komponiert. Und schon fast traditionell werden darauf auch drei neue Mundarttitel zu hören sein, die alle aus der Feder von Georg Schlunegger stammen. Dazu kommt als Premiere ein englischsprachiges Lied und auch noch ein Duett. Mit wem verrate ich noch nicht (lacht).

Entscheiden Sie alleine, welche Lieder Sie aufnehmen und auf ein Album gelangen?

Jeder in meinem Team gibt zu den zur Auswahl stehenden Titeln jeweils seine Meinung ab und dann wird zusammen diskutiert. Schliesslich entscheide ich dann, welche Lieder ich auf der CD haben möchte.

Seit Ihrem Durchbruch mit dem «Feuer der Sehnsucht» hat sich Ihr Stil, sei es musikalisch oder optisch, verändert. War für Sie schon damals klar, dass Sie eines Tages eher Richtung Pop und Schlager gehen möchten?

Natürlich habe ich mich in den letzten 20 Jahren entwickelt und verändert, das ist der Lauf der Zeit. Ich habe aber einfach immer die Musik gemacht, die mir Spass gemacht hat. Das ist auch bei meinem neuen Album wieder so. Und die neuen Songs machen mir sehr viel Spass.

Gerade in der Schlagerszene hat sich jüngst viel getan und die Presse schreibt von «ernstzunehmenden Konkurrentinnen» für Sie, wie etwa Beatrice Egli. Wie sehen Sie Ihre Mitstreiterinnen und stehen Sie im Kontakt?

Das wird von der Presse hochgeschaukelt und dramatisch dargestellt. Ich finde es toll, dass die Schlagerszene immer weiter wächst und dass in den letzten Jahren immer mehr junges Publikum an den Konzerten zu sehen ist. Mit Beatrice Egli habe ich immer wieder Kontakt, wenn wir uns bei Auftritten oder TV-Sendungen treffen. Meistens haben wir dann auch Zeit für einen kleinen Schwatz.

Was viele nicht wissen: Sie sind auch eine ausgebildete Opernsängerin. Es scheint, als wäre die Musik, die wir von Ihnen hören, nur die Spitze des Eisbergs. Warum fokussieren Sie sich nicht mehr auf die sogenannte «ernste Musik»?

Aus Zeitgründen. Ich liebe die klassische Musik, aber mein Herz hängt am Schlager. Und beides zusammen geht nicht. Jedoch singe ich für mich zum Aufwärmen der Stimme immer klassische Übungen und auch immer wieder einmal ein klassisches Lied.

Sie haben eine schwere Zeit hinter sich – inwiefern war die Brustkrebs-Erkrankung prägend für Sie?

Ja, es war eine schwere Zeit. Aber ich bin mir bewusst, dass viele Menschen bereits eine solche Zeit hinter sich haben oder auch jetzt gerade durchmachen müssen. Ich bin sehr dankbar für meine Gesundheit und geniesse mein Leben sicher jetzt noch bewusster.
In dieser Zeit dennoch in der Öffentlichkeit aufzutreten, war sicher ein enormer Kraftakt.

Woher nahmen Sie diese Energie?

Voll fokussiert auf das Gesundwerden meines Körpers und mit ganz vieler positiver Energie und Gedanken. Und natürlich mit hervorragenden Ärzten und einer Medizin, der ich sehr dankbar bin. Das ist auch mit ein Grund, warum ich bei der Sendung von Carmen Nebel zugunsten der Deutschen Krebshilfe am 29. September mitwirke. Ganz wichtig waren für mich in dieser Zeit auch die wunderbaren Begegnungen mit meinen Fans.