Vor dem Gerichtssaal sass ein junger Mann in dunkler Büezerhose und schwarzer Fleecejacke, im Gesicht ein kleines Bärtchen, die Haare im Nacken und über den Ohren modisch rasiert. Neben ihm, in Anzug und Krawatte, hatte sein Anwalt Platz genommen. Die beiden plauderten locker. Der Anwalt berichtete von einem grossen Wasserschaden, sein Klient, von Beruf Hauswart, kann davon mehrere Liedchen singen. Dem Burschen brannte die Frage unter den Nägeln, wann er das «Billett» wohl wieder bekommen werde. «Wenn Schnee kommt, muss ich um 3 Uhr morgens losfahren zum Schaufeln. Dann hab ich ohne Auto ein Problem.»

Der Anwalt sagte, das mit dem Billett hänge vom Gutachten ab. Der Klient stellte dezidiert fest, er sei sonst doch immer anständig gefahren und gehe, wie angeordnet, regelmässig zur Verkehrs-Therapeutin. Diese habe ihm kürzlich aufgetragen, ein Wochenende lang ohne Rauchen und Fussball auszukommen. «Das mit dem Fussball hab ich geschafft, das mit dem Rauchen nicht.»

Die Verhandlung schaffte der heute 20-Jährige problemlos, denn es handelte sich um ein abgekürztes Verfahren. Dies bedeutet, dass der geständige Beschuldigte die von der Staatsanwältin wegen mehrfacher grober Verletzung der Verkehrsregeln beantragte Sanktion akzeptierte. Es sind dies acht Monate Freiheitsstrafe bedingt bei einer Probezeit von zwei Jahren. Diesen Urteilsvorschlag musste das Gericht nun prüfen.

Über Sicherheitslinie gefahren

In einer Sonntagnacht im November letzten Jahres war der damals erst 19-Jährige mit Kollegen in seinem BMW auf der Bernstrasse in Dietikon unterwegs. Auf einer 60-km/h-Strecke hatte er mit mindestens 110 Sachen einen vor ihm fahrenden Wagen überholt. Dabei überfuhr er eine Sicherheitslinie und war auf die Gegenfahrbahn geraten. Dort verlor der 19-Jährige die Herrschaft über das Auto und kollidierte rechts mit einer Lärmschutzwand, wodurch dahinter stehende Fahrzeuge sowie eine Überdachung beschädigt wurden. Anschliessend schleuderte der BMW über alle vier Fahrstreifen, kam auf der anderen Strassenseite zum Stillstand, fing Feuer und brannte komplett aus. Die Feuerwehr Dietikon hatte den Brand schnell gelöscht und so verhindert, dass das Auto ein Gebäude in Brand setzte. Das Auto war aber nicht mehr zu retten. Die Fahrzeuginsassen im Alter zwischen 17 und 19 konnten den brennenden BMW noch rechtzeitig verlassen. Sie wurden mit leichten Verletzungen ins Spital gebracht.

Die Verhandlung letzte Woche war sehr kurz. «Wenn man die Bilder vom Unfallort anschaut, Sie müssen froh sein, dass sie und die anderen Insassen noch am Leben sind», hielt Richter Bruno Amacker zunächst fest. Nachdem er sich danach mit wenigen Fragen vergewissert hatte, dass sich im persönlichen Umfeld des Schweizers mit Migrationshintergrund nichts verändert hat und dass er den Antrag der Staatsanwältin akzeptiert, erhob der Richter die acht Monate bedingte Freiheitsstrafe zum Urteil. Die Verfahrenskosten in Höhe von 8210 Franken plus 1500 Franken Gerichtsgebühr muss der Verurteilte berappen.