2010 hatte das Bergdietiker Volk den Golfpark Herrenberg mit 692 zu 651 Stimmen abgelehnt. Jetzt, fast acht Jahre später, wurde die Golfpark Herrenberg AG in Freizeit Herrenberg AG umbenannt. Letzte Woche wurde der Namenswechsel ins Handelsregister eingetragen. Da tut sich also etwas. Doch was? Nils Planzer und Paul Meier erzählen es beim Gespräch im Gasthof Herrenberg.

Herr Planzer, planen Sie ein Projekt?

Nils Planzer: Ja. Nach dem Volksentscheid liessen wir die Sache lange ruhen. Wir warteten, bis wir das Projekt ohne Stress überarbeiten konnten. Wir haben jetzt etwas neues, viel kleineres geplant. Nun ist die Zeit reif, um mit dem neuen Projekt an die Öffentlichkeit zu gehen. Morgen werden den Einwohnerinnen und Einwohnern von Bergdietikon Einladungsschreiben für einen Info-Abend am 25. September verteilt.

Ein neues, viel kleineres Projekt: Was muss man sich darunter vorstellen?

Nils Planzer: Das alte Projekt war eine komplette 18-Loch-Golfanlage mit 930 000 Quadratmetern Fläche (entspricht 130,25 Fussballfeldern, Anmerkung der Redaktion). Das neue Projekt ist noch 68 000 Quadratmeter gross (9,52 Fussballfelder). Es umfasst eine gedeckte Driving Range mit 11 Abschlägen und eine offene Driving Range mit 7 Abschlägen. Hinzu kommt ein Pitch-and-Putt-Bereich mit 6 Löchern.

Das Projekt ist also 13,7-mal kleiner. Können Sie für Laien noch erklären, was eine Driving Range und was ein Pitch-and-Putt-Bereich ist?

Paul Meier: Auf einer Driving Range übt man den Abschlag. Beim Pitch and Putt geht es darum, das Kurzspiel zu üben – die Löcher sind 60 bis 70 Meter auseinander.

Nils Planzer: Zum einen kann man auf solchen Anlagen den Golfsport trainieren, zum anderen sind solche Anlagen der perfekte Ort, um in den Golfsport einzusteigen. Es gibt noch zu wenige solche Anlagen.

Reichen die Minigolfanlage in Dietikon, der Golfplatz in Unterengstringen und die Driving Range in Urdorf nicht aus?

Nils Planzer: Diese drei Anlagen kann man nicht mit jener vergleichen, die wir planen. Wir wollen die beste, modernste und attraktivste Driving Range. Diese soll nicht einfach flach sein, sondern modelliert mit kleinen Hügeln oder auch Bäumen, an denen man vorbeischlagen muss. Für Driving Ranges ist das einzigartig. In der Schweiz bestehen sie grundsätzlich alle aus einem grossen, flachen Stück Rasen. Das ist bei uns nicht so.

Paul Meier: Eine Pitch-and-Putt-Anlage fehlt in der Umgebung noch. Jeder Golfer weiss, dass der Putt das wichtigste ist. Die langen Abschläge sind nur für die Galerie. Den Jackpot gibt es beim Kurzspiel – das weiss auch der US-Profi John Daly. Er ist ein Meister des langen Abschlags, aber er gewann nur wenige Turniere, weil ihm das Kurzspiel nicht lag. Es ist wichtig und man muss es üben können. Darum wird der Pitch-and-Putt-Platz mit 6 Löchern auf jeden Fall beliebt sein.

Nils Planzer: Gerade für Anfänger ist so ein Pitch-and-Putt-Platz perfekt. Das ist uns besonders wichtig. Im Sportangebot für Jugendliche fehlt Golf heute noch. Wir wollen das ändern, bei uns werden auch Schulklassen willkommen sein. Auf 6-Loch-Anlagen kann man zudem die Platzreife machen, mit der man dann auch auf grosse Plätze spielen gehen darf.

Meinen Sie Kinder reicher Eltern?

Paul Meier: Nein, das sind Klischees. Wir wollen eine öffentliche Anlage sein, ohne Mitgliedschaft und ohne Luxus. Das Ziel ist ein gutes und günstiges Angebot für alle, die Golf lernen wollen. Wir wollen einfach alle, auch Grossmütter mit Enkeln, ansprechen. Wenn der eine oder andere hier zum Golfen findet, ist das schön. Willkommen sind auch der Mountainbiker oder der Hundehalter, der hier kurz hinsitzen will.

Wieso ist Bergdietikon der richtige Standort für eine solche Anlage?

Nils Planzer: Es ist ein Mehrwert, man erweitert so das Freizeitangebot für Bergdietikon und die ganze Region. Im Limmattal haben wir die grössten Bebauungsdichten und trotzdem sind wir, wie hier auf dem Herrenberg, in der Natur.

Paul Meier: Zudem ist der Standort auch attraktiv vom Reusstal her, wo es keine solchen Anlagen gibt – und bis die geplante in Niederwil (Bezirk Bremgarten) steht, wird es noch ewig dauern. Der Standort in Bergdietikon macht Sinn.

Nils Planzer: Der Standort wird aufgewertet, auch der Gasthof wird profitieren. Zudem gibt es Arbeitsplätze und auch die Bauern werden etwas davon haben.

Was denn, ausser den Pachtzins?

Nils Planzer: Die Anlage soll auch einen Hofladen beinhalten, wo man sich Getränke und regionale Produkte kaufen kann. Wir wollen es gut haben mit den Nachbarn. Es wird auch kein geschlossenes Gebäude, sondern nur einen Holzunterstand geben, wo man sich dann während den Betriebszeiten anmeldet. Die Toilette ist in einer Scheune des Bauernhofs Höckler geplant. Wir sind stolz darauf, dass wir mit den Bauern und Landeigentümern seit dem ersten Tag ein gutes Einvernehmen haben. Auch beim neuen Projekt wollen wir zudem mit Naturschützern zusammenarbeiten, damit die Anlage ökologisch wertvoll ist, zum Beispiel mit Bäumen und Hecken.

Paul Meier: Es soll hier so schön werden, dass man fast vergisst abzuschlagen. Es ist wirklich kein 08/15-Platz.

Rechnen Sie mit viel Mehrverkehr?

Nils Planzer: Es wird nicht mehr Autos geben. Wir planen 24 Parkplätze – keine Betonwüste, sondern mit Rasengittersteinen. Es werden kaum jemals alle besetzt sein. Dazu kommen 16 Reserveplätze.

Wie viel wird die Anlage kosten?

Nils Planzer: Ich rechne mit gut einer Million Franken. Diese werde ich investieren. Geld verdienen werde ich nicht. Ziel ist, dass die Anlage kostendeckend ist.

Und wie geht es jetzt weiter?

Paul Meier: Der Info-Abend am 25. September ist der Startschuss. Danach werden wir das Projekt bei der Gemeinde einreichen. Eine Umzonung ist nötig, um das Projekt umsetzen zu können. Dafür wird es eine Gemeindeversammlung brauchen. Je nachdem, wie das Geschäft vorwärtskommt, ist diese vielleicht schon nächstes Jahr möglich.