Rund ein Jahr nach Bekanntwerden der Postauto-Affäre fliessen die Millionen, die sich die Postauto AG über Jahre ertrickst hatte, zurück in die öffentlichen Kassen. Schweizweit hatte das gelbe Transportunternehmen zu hohe Abgeltungen bezogen. Bis das Bundesamt für Verkehr (BAV) einen Strich durch die illegalen Rechnungen machte. Und sich mit der Postauto AG und der Konferenz der kantonalen Direktoren des öffentlichen Verkehrs über die Rückerstattungen verständigte.

Der Kanton Zürich respektive der Zürcher Verkehrsverbund (ZVV) erhält 14,7 Millionen Franken zurück. Davon fliessen 7,4 Millionen Franken weiter an die Gemeinden. Schliesslich beteiligen sich diese zur Hälfte an den ungedeckten Kosten des öffentlichen Verkehrs.

Auch das Limmattal wurde im Rahmen der Postauto-Affäre um Geld geprellt. Insgesamt erhalten hier die Städte und Gemeinden fast 290 000 Franken zurück, Verzinsung inklusive. Die Höhe der Beträge ergab sich unter anderem aus Faktoren wie der Anzahl verfügbarer Buslinien und S-Bahn-Anschlüssen sowie der Steuerkraft.

Auch Gemeinden, in denen keine Postautos verkehren, erhalten Geld zurück. So zum Beispiel Dietikon: Hier verkehren Busse der Dietiker Limmat Bus AG im Auftrag der Verkehrsbetriebe der Stadt Zürich (VBZ). Gelbe Busse sind im Alltag nicht zu sehen. Gleichwohl erhält die Stadt 83 309 Franken ausbezahlt.

Postauto-Skandal Grafik

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Das Defizit tragen alle mit

Zu erklären ist dies mit dem Finanzierungssystem des ZVV. Der Kanton wird von verschiedenen Verkehrsunternehmen wie den VBZ, der Postauto AG oder den Verkehrsbetrieben Glattal (VBG) bedient. Die ungedeckten Kosten aus dem Betrieb übernehmen der Kanton und die Gemeinden je zur Hälfte. «Es kommt dabei nicht darauf an, welches Verkehrsunternehmen das Angebot in einer Gemeinde fährt, denn die Gemeinde beteiligt sich am Defizit aller Verkehrsunternehmen im ZVV», erklärt Stefan Kaufmann, Mediensprecher des ZVV. «Das heisst, dass auch eine Gemeinde, die direkt keine Postauto-Leistungen bezieht, an das Defizit von Postauto und allen anderen Verkehrsunternehmen zahlt», sagt der ZVV-Sprecher weiter.

In der Gemeinde Aesch verkehren zwar Postautos. So fährt die Linie 245 nach Birmensdorf und nach Muri und die Linie 215 nach Zürich Wiedikon und nach Affoltern am Albis. Im Vergleich mit anderen Limmattaler Gemeinden sind das wenig Busse. Zudem ist Aesch als kleine Gemeinde nicht mit einem eigenen Bahnhof an das S-Bahn-Netz angeschlossen. Deswegen zahlt Aesch weniger als andere an das ZVV-Defizit – und erhält nun auch den kleinsten Postauto-Geldbetrag im Limmattal: 2066 Franken fliessen hier in die Gemeindekasse.

Etwas mehr wird der Gemeinde Bergdietikon überwiesen. Sie darf sich über 4072 Franken freuen. Im Kanton Aargau gilt ein anderes Finanzierungssystem als im Kanton Zürich. Der Kanton Aargau übernimmt nämlich 60 Prozent der Kosten des öffentlichen Verkehrs und die Aargauer Gemeinden übernehmen 40 Prozent, derweil im Kanton Zürich Kanton und Gemeinden je 50 Prozent zahlen. Insgesamt fliessen rund 14,9 Millionen Franken zurück in den Aargau, davon gehen 9,4 Millionen Franken an den Kanton und 5,5 Millionen Franken an die Gemeinden.

Die grösste Aargauer Rückzahlung fliesst zur Stadt Baden: Sie erhält 497 000 Franken. Auch andere Gemeinden im Aargauer Limmattal freuen sich über sechsstellige Beträge: Nach Wettingen fliessen 310 000 Franken und nach Spreitenbach 103 000 Franken. Neuenhof erhält 97 000 Franken und Killwangen 23 000 Franken.

Vier Millionen Franken für die Stadt Zürich

Im Vergleich mit dem Geld, das die Stadt Zürich erhält, sind das alles aber kleine Beträge: In der Stadtzürcher Kasse landen vier Millionen Franken. Der Rechnung der Stadt Winterthur werden 523 000 Franken gutgeschrieben.