1993 war ein erfolgreiches Jahr für die Toten Hosen. Längst war ihr Song «Hier kommt Alex» zum monumentalen Schlachtruf geworden, und die 1982 in Düsseldorf gegründete Band war aus der Punkbewegung sowie der «Bravo» nicht mehr wegzudenken. Mit ihrem achten Album «Kauf mich!» erreichten die Toten Hosen damals Platz 1 in der deutschen Hitparade – Platz fünf in der Schweiz – und spielten als Vorgruppe von U2 in Stadien vor mehr als 50'000 Menschen – oder vor einigen Dutzend Fans in ausgewählten Wohnzimmern.

Die Konzerte unter dem Motto «Magical Mystery Tour», bei denen Fans sich beziehungsweise ihre Wohnung bewerben konnten, finden bis heute statt. Vor 25 Jahren machten die Punkrocker im Rahmen dieser Tour auch Halt in Urdorf. Mit dabei war damals das Schweizer Fernsehen, das den denkwürdigen Auftritt für die Jugendsendung «Zebra» festhielt. Der Gitarrist Michael Breitkopf, genannt Breiti, erinnert sich an den Auftritt bei Fan «Jöri», dessen genauer Name bis dato nicht eruiert werden konnte.

Michael Breitkopf, Hand aufs Herz: Können Sie sich noch an das Wohnzimmerkonzert 1993 in Urdorf erinnern und wie es organisiert wurde?

Michael Breitkopf: Wir hatten das Konzert, wie meistens, als eine Art Wettbewerb gemacht. Leute, die sich für ein Konzert von uns bei sich zu Hause interessierten, hatten wir um Gründe gebeten, warum wir ausgerechnet bei ihnen auftauchen sollten. Aus den Bewerbungen hatten wir uns dann die vielversprechendsten ausgesucht, unter anderem auch die aus Urdorf.

Wie waren Ihre Eindrücke von Urdorf und den Limmattaler-Fans?

Wir kamen gerade aus Österreich, wo wir auf einer Berghütte in den Alpen vor vier Zuschauern gespielt hatten, dagegen war das in Urdorf eine Massenveranstaltung mit bestimmt fünfzig Teilnehmern! Dementsprechend hatten die Gastgeber vorgesorgt und den Boden des Wohnzimmers im Keller darunter noch zusätzlich mit Balken abgestützt. Nicht umsonst, denn der Boden hat dann wirklich ganz schön gewackelt.

Bis heute spielen die Toten Hosen Konzerte in Wohnzimmern. Was macht den Reiz solcher Orte aus?

Da die Konzerte bei den Leuten zu Hause stattfinden, sind ja nie mehr als vielleicht fünfzig Gäste da, mit denen wir viel Zeit verbringen. Manchmal übernachten wir auch dort. Da hat man wirklich ausreichend Gelegenheit, mit fast allen in Ruhe zu reden und sich ein bisschen kennen zu lernen, was bei Konzerten mit Tausenden Besuchern in dieser Form unmöglich ist. Ausserdem sehen wir Orte, an die wir sonst nie kommen würden. In Urdorf zum Beispiel waren wir davor und danach nie wieder.

Spielen Sie persönlich lieber Wohnzimmer- oder Stadionkonzerte?

Ich möchte beides nicht missen. Bei Wohnzimmerkonzerten oder auch in kleinen Clubs kann man total spontan sein, man lernt Leute kennen, alles ist entspannt. Grosse Konzerte zu spielen, ist dagegen die totale Herausforderung und für uns sozusagen die Champions-League. Das will man natürlich immer wieder erleben, weil man jedes Mal total gefordert wird. Ausserdem hat es auch einen grossen Reiz, mit bis zu hundert Technikern und Mitarbeitern unterwegs zu sein, von denen jeder sein Bestes geben muss, damit es ein guter Abend wird.

Zurück zum Jahr 1993: Wie empfanden Sie die Zeit damals und wie haben sich die Toten Hosen seither verändert?

Auf der einen Seite hat sich in dieser langen Zeit natürlich sehr viel verändert. Es gibt neue Verbreitungsmöglichkeiten für Musik und ganz andere technische Möglichkeiten bei Konzerten. Jeder von uns hat sicher eine Entwicklung durchgemacht, einige haben Familien gegründet, Freunde und Weggefährten von uns sind gestorben – aber das Grundsätzliche ist eigentlich gleich geblieben, nämlich die Leidenschaft für die Musik und dafür, in dieser Band zu spielen.

Gerade sind die Toten Hosen wieder auf Tour und spielen auch in der Schweiz. Gefällt es Ihnen bei uns?

Generell sind wir immer sehr gerne in der Schweiz. In den vielen Jahren, die wir jetzt schon zu euch kommen, hatten wir schon unzählige tolle Erlebnisse. Vor allem haben wir richtig gute Freunde hier gefunden.