Wer einen traumatisierenden Verlust zu verarbeiten hat, findet Unterstützung beim Verein Trauernetz. Explizit richtet sich die von Vereinspräsident Jörg Weisshaupt geplante geschlossene Selbsthilfegruppe an Erwachsene. Nach den ersten beiden offenen Treffen im November findet im Selbsthilfecenter, einer Informations- und Beratungsstelle rund ums Thema Selbsthilfe und Selbsthilfegruppen, im Zürcher Kreis 7 nun kommenden Donnerstag ein weiteres statt. «Bislang haben einige Besucher Interesse an der Selbsthilfegruppe bekundet, jedoch noch nicht fest zugesagt», erklärt Weisshaupt den Zusatztermin. Ab Januar soll die geschlossene Gruppe dann starten: «Optimal wären acht bis zwölf Teilnehmende», so Weisshaupt.

«Jährlich sterben in der Schweiz rund 1000 Menschen durch Suizid. Jeder Suizid hinterlässt rund zehn nahe Angehörige, Berufskollegen oder Freunde. Durch die gesellschaftliche Tabuisierung werden die Hinterbliebenen stigmatisiert», erklärt Weisshaupt den Grund für die Nachsorgehilfe.

Seit drei Jahrzehnten Jugendberater

Seit über 30 Jahren ist er als Jugendberater bei der reformierten Kirche der Stadt Zürich tätig. Als Leiter der Fachstelle Kirche + Jugend der reformierten Kirche Stadt Zürich hat Weisshaupt bereits in den Neunzigerjahren, als Textnachrichten sich als Kommunikationsform etablierten, die SMS-Seelsorge unter der Nummer 767 eingerichtet. «Anfänglich haben sich viele Jugendliche gemeldet. Mittlerweile kommen die Anfragen aus allen Altersgruppen», sagt Weisshaupt zur Entwicklung des Angebotes.

Vor zehn Jahren hat er dann eine Selbsthilfegruppe für Jugendliche gegründet. In der offenen Gruppe Nebelmeer können sie einmal im Monat über das Erlebte reden und sich gegenseitig in der Trauerphase begleiten. Das ähnliche – jedoch geschlossene einjährige Angebot – gibt es auch für Erwachsene beim Verein Trauernetz.

Trauerjahr bewusst gestalten

Dass die geführte Selbsthilfegruppe während eines Jahres alle zwei Wochen zusammenkommt, hat einen Grund: «Es geht darum, den Trauerprozess während eines gesamten Jahres, das alle Feier-, Fest- und Geburtstage beinhaltet, bewusst zu gestalten», so Weisshaupt.

Gerade Feiertage würden für die Hinterbliebenen oft eine grosse Herausforderung bedeuten. «Oft hat man mit Angehörigen, die jetzt nicht mehr da sind, diese Tage verbracht. Begeht man diese Festtage unvorbereitet, kann das Krisen auslösen», erklärt der Gruppenleiter. Solche Hilfsangebote seien unablässig, handle es sich doch im Falle eines Suizides um eine «komplizierte Trauer – eine Trauer ohne Abschied», wie es Weisshaupt formuliert.

Zudem sei es wichtig, betroffene Angehörige auf solche Angebote aufmerksam zu machen, schliesslich hätten diese nach einem Verlust oft nicht die Kraft, sich selber um Unterstützung und Hilfe zu kümmern. «Deshalb ist es wichtig, dass Dritte sie auf solche Angebote hinweisen. Überlässt man die Suche nach Unterstützung den Hinterbliebenen, dauert es gemäss einer Studie vier Jahre, bis sie professionelle oder Selbsthilfe in Anspruch nehmen. Werden sie aber daraufhin angesprochen, dauert es rund einen Monat», sagt Weisshaupt.

Verein profitiert indirekt von städtischen Beiträgen

Bislang wurden die Selbsthilfegruppen von der Fachstelle Kirche + Jugend, die dem Verband der stadtzürcherischen evangelisch-reformierten Kirche angegliedert war, unterstützt. Im Zuge der Zusammenlegung der reformierten Kirchgemeinden per Januar 2018 übernimmt der Verein Trauernetz, der konfessionell und politisch neutral getragen wird, die Organisation und Durchführung der Selbsthilfegruppen und weitere Aufgaben im Bereich der Suizidprävention und –nachsorge.

Der Verein profitiert indirekt von den städtischen Beiträgen an das Selbsthilfecenter. «Mitarbeitende des Centers triagieren Ratsuchende auch auf unsere Selbsthilfegruppen. Die Räume werden zudem von der Stadt subventioniert», sagt Weisshaupt. So bezahle jedes Selbsthilfegruppenmitglied als Mietanteil pro Abend nur fünf Franken.