Sie trägt ihr Haar immer noch kurz und blond wie vor 35 Jahren. Und auch sonst hat sich die Hobby-Schauspielerin Marlies Wüthrich nicht sehr stark verändert – das zeigen alte Fotos ihrer früheren Bühnenauftritte. Was sich hingegen verändert hat, sind ihre Rollen. «Früher hatte ich oft die Liebesrollen. Beim aktuellen Stück gebe ich die böse Schwiegermutter Käthy, die wirklich sehr unbeliebt ist», sagt Wüthrich und lacht.

Das mache die Rolle für sie aber umso spannender. Ausserdem könne sie das entspannt sehen: «Meine Schwiegertöchter meinen, sie könnten sich keine bessere Schwiegermutter wünschen.» Mit dem Stück «En fascht perfekte Ehemaa», einer Komödie in drei Akten von Jennifer Hülser, hat die Theatergruppe Aesch am kommenden Samstag Premiere.

In sämtlichen 32 Stücken, welche die Theatergruppe seit ihrem Bestehen auf die Bühne brachte, spielte auch Marlies Wüthrich mit. Sie ist als einziges Gründungsmitglied noch aktiv. Wenn man sich mit der 67-jährigen Aescherin unterhält, gewinnt man den Eindruck, dass sie sich an alle ihrer Rollen erinnert. Mal handelte das Stück von «Zäh Tag Gratisferie», mal ging es «Uf de Gämselialp», mal war die Frage zu klären «Wo isch mi Köfferli?» oder warum etwas «Reini Närvesach» ist. Eines ihrer liebsten Stücke war «Uf Bali und zrugg» aus dem Jahr 2005. Auch mit dem Lernen der Texte tat sie sich schon immer leicht. «Es geht dabei ja nicht nur um den eigenen Text, sondern auch um die Anschlusstexte der anderen, damit man den eigenen Einsatz nicht verpasst.»

Im ersten Stück der Theatergruppe "Hubel-Bänzes Vormundschaft" im Jahr 1982 spielte Marlies Wüthrich an der Seite des damaligen, inzwischen verstorbenen Präsidenten Hans Hert.

Im ersten Stück der Theatergruppe "Hubel-Bänzes Vormundschaft" im Jahr 1982 spielte Marlies Wüthrich an der Seite des damaligen, inzwischen verstorbenen Präsidenten Hans Hert.

Start mit schauspielernden Sängern

Die Anfänge der Theatergruppe liegen in einem gemischten Aescher Chor, der sich hin und wieder auch schauspielerisch betätigte. Als der Chor aufgelöst wurde, fanden sich 1982 fünf theaterbegeisterte Aescher, welche den Verein Theatergruppe Aesch gründeten. Erster Präsident wurde Hans Hert. Wüthrich übernahm das Amt des Kassiers und behielt es 21 Jahre lang.

Die Schauspielerinnen und Schauspieler kamen damals noch alle aus Aesch. Inzwischen sind auch einige Auswärtige dabei – ein grosser Vorteil, meint Wüthrich, weil jeder Darsteller Zuschauer aus seiner Gemeinde anzieht. Die Vorstellungen im Gemeindesaal sind fast immer voll. Insgesamt kommen jedes Jahr an die 1000 Zuschauer nach Aesch. «Am Anfang hatten wir noch kein Geld, wir mussten einiges improvisieren», erinnert sich Wüthrich. «Aber wir hatten von Anfang an grossen Erfolg.»

«Hubel-Bänzes Vormundschaft» hiess das erste Stück, das 1982 zur Aufführung kam. Von Anfang an kennt Wüthrich auch die Nervosität vor dem Auftritt: «Die haben wir alle. Ein bisschen Lampenfieber muss sein, sonst ist das nötige innere Feuer zum Spielen nicht da.» Aber sobald sie draussen stehe, sei die Aufregung verflogen.

Junge Schauspieler gesucht

Eine wichtige Rolle im elfköpfigen Vereinsteam kommt der Kommission Lesen zu, denn diese beschliesst die Auswahl der Stücke. In diesem Jahr hat sich das Dreierteam, in dem auch Wüthrich sitzt, 20 Stücke für die Vorauswahl ausgesucht – und am Ende eine verblüffende Übereinstimmung erzielt. Alle drei wollten den «Ehemaa» auf die Bühne bringen. Und sogar bei der Besetzung der Rollen waren sich die drei einig.

«Ich war sofort angetan von dem Stück, denn es bietet von Anfang bis zum Schluss Action. Entsprechend zackig muss das auch gespielt werden», sagt Wüthrich. Das fordere die Laienspieler. Ohne absolute Textsicherheit gehe es nicht. Sie ist sich sicher, dass sich die Zuschauer gut amüsieren werden: «In den Proben müssen wir bei gewissen Szenen auch selber noch lachen.»

Im Laufe der Jahrzehnte sei der Verein anspruchsvoller bei den Aufführungen geworden, so Wüthrich: «Im Rückblick kann man sagen, dass unsere Auftritte immer ein wenig professioneller wurden, auch was das Bühnenbild anbelangt.» Das Sagen hat beim aktuellen Stück die Aescherin Cornelia Gurtner, welche die Regie übernommen hat. Wüthrich: «Aber die Spieler dürfen sich auch selbst einbringen, wir machen viel untereinander aus.»

Die kollegiale Zusammenarbeit betrifft auch die Vereinsleitung. Derzeit gibt es keinen Präsidenten, sondern eine Viererspitze, in der auch Wüthrich sitzt. «Das funktioniert wunderbar, wir verstehen uns gut. Unser Verein ist wie eine kleine Familie.» Das einzige, was ihr Sorgen bereitet, ist der fehlende Nachwuchs. «Wir bräuchten mehr Männer, aber vor allem auch mehr junge Leute.» Sie sei gerne bereit, zugunsten von Jüngeren auf künftige Rollen zu verzichten. «Schliesslich sind die Jungen die Zukunft unserer Theatergruppe.»