Seit einem Jahr wird gebastelt, gemalt und gezeichnet. Nun ist es endlich so weit, heute Nachmittag findet in Dietikon eine Vernissage der etwas anderen Art statt. Denn die Aussteller sind nicht irgenwelche Bekanntheiten aus der Künstlerszene, sondern Bewohnerinnen und Bewohner der Senevita Limmatfeld, die ihre eigenen Bilder ausstellen. Gemalt wurden die Bilder in der wöchentlich stattfindenden Maltherapiegruppe, die von Kunsttherapeutin Bettina Eberle geleitet wird. «Während der letzten zwölf Monate haben die zehn Gruppenmitglieder viele Bilder gemalt, nun wollen wir diese Zeigen und ihr Können würdigen.»

Gemalt werde jeweils zu einem von Eberle gesetzten Oberthema, mit dem sie sich beschäftigen. Während dem Malen hätten die Senioren dann aber alle Freiheiten, die sie brauchen. «Zentral bei der Maltherapie in der Gruppe ist, dass sie selbstständig machen können, was für sie wichtig ist.» Denn in der Maltherapie gehe es darum, dass Persönliches verarbeitet und thematisiert werden könne.

Ausserordentlich emotional

Ab der guten Resultate sei Eberle immer wieder erstaunt und von den Geschichten hinter den Bildern oft auch berührt. «Vieles was die Senioren malen, hat einen für sie wichtigen Bezug und wirft einen Blick auf das vergangene Leben.» Und manchmal kämen auch lang vergessene Erinnerungen wieder hoch. Dies sei für die Senioren aber auch für Eberle teilweise ausserordentlich emotional.

Mit der Maltherapie möchte die Senevita ihre Bewohner wieder etwas «aktivieren» und zu Unternehmungen anregen, denn wie Eberle meint, liege es nicht in Naturell der Menschen, den ganzen Tag lang alleine zu sein und nichts zu tun. «Viele Bewohner sassen einfach den ganzen Tag da und haben nichts gemacht.»

Malen stärkt Selbstvertrauen

Aus diesem Grund habe man ein umfangreiches Programm für die Seniorinnen und Senioren zusammengestellt. Fixer Bestandteil ist eben die wöchentliche Malgruppe, die auf grosses Echo stosse. «Wir haben so viele Interessenten, dass wir eine zweite Gruppe gründen könnten», sagt Eberle, für welche der gemeinsame Malnachmittag zu einem richtigen Wochenhighlight geworden sei. Aber auch die Senioren kämen jeweils sehr gerne. «Es ist schön zu beobachten, wie sie sich gegenseitig motivieren und wo nötig, auch unterstützen.»

Das Malen in der Gruppe diene gemäss Eberle nicht einfach dem Zeitvertrieb, sondern solle die Bewohner motivieren und ihnen ihr eigenes Können aufzeigen. «Von allen Teilnehmern hat sich bis anhin noch nie jemand künstlerisch betätigt.» Daher würden viele die Qualität ihrer fertigen Bilder heruntersetzen. «Dabei sind die Resultate oft sehr gut, was ich den Senioren auch sage», so Eberle. Dies zu wissen, stärke das Selbstvertrauen aber auch den Selbstheilungsprozess enorm.