Er zählte zu den prägenden Architekten des 20. Jahrhunderts, war gleichzeitig auch Künstler, Möbeldesigner und Sammler – und ist nun in Zürich neu zu entdecken: Charles-Edouard Jeanneret (1897–1965), besser bekannt unter seinem Künstlernamen Le Corbusier. Nach zwei Jahren Sanierungsarbeiten wird der nach seinen Plänen beim Zürichhorn erstellte Pavillon Le Corbusier am Samstag als Museum wiedereröffnet. Es bietet Einblicke in das Leben und Werk Le Corbusiers.

Zu sehen sind etwa Objekte, die er im Laufe seines Lebens sammelte: von Vasen über Tabakpfeifen bis hin zu Tierknochen und Kieselsteinen; weiter Fotografien von René Burri, der Le Corbusier in den Jahren 1959 und 1960 eng begleitete; zudem Reproduktionen von Le Corbusiers Kunstwerken. Und im Obergeschoss Designklassiker, die er gestaltete: zwei Sessel, eine Liege, ein Stuhl.

Pavillon Le Corbusier erstrahlt in neuem Glanz

Pavillon Le Corbusier erstrahlt in neuem Glanz

Im Jahr 1967 wurde der Pavillon erbaut. Im Herbst 2017 wurde er dann umfassend saniert.

«Man darf die Möbel auch benutzen», sagte Christian Brändle, Direktor des Museums für Gestaltung, bei der gestrigen Medienorientierung. Das Haus solle ein offener, einladender Begegnungsort sein, der die Lebensgeschichte von Le Corbusier als Sammlung aufzeige.
Nebst der jährlich wechselnden Ausstellung stehen auch Diskussionen und Performances mit Musikern der Zürcher Hochschule der Künste auf dem Programm. Doch das wichtigste Ausstellungsstück ist das Gebäude an sich, wie Brändle betonte.

Übergang verlief nicht ohne Streit

Das Museum für Gestaltung ist neu für den Betrieb des Hauses zuständig. Ursprünglich hatte die Innenarchitektin, Galeristin und Mäzenin Heidi Weber den Bau in Auftrag gegeben und während 50 Jahren als Museum über Le Corbusier geführt. Das Land an bester Lage am rechten Zürichseeufer erhielt sie einst im Baurecht von der Stadt Zürich. Nachdem der Baurechtsvertrag 2014 endete, ging der Pavillon auf der Blatterwiese vertragsgemäss für eine Million Franken in den Besitz der Stadt Zürich über. Diese liess ihn daraufhin ab 2017 für fünf Millionen Franken sanieren und schrieb die Trägerschaft neu aus. Den Zuschlag erhielt das Museum für Gestaltung.

Begleitet wurde der Neuanfang von Rechtsstreitereien zwischen der heute 92-jährigen Heidi Weber und der Stadt Zürich. Sie dauern an: Zwei Verfahren sind noch hängig. Es geht dabei zum einen um angeblich ehrverletzende Bemerkungen, die der Stadtzürcher Kulturchef Peter Haerle in einem Radiointerview über Weber machte. Zum anderen um die Modalitäten der Übertragung des Gebäudes an die Stadt.

Das Verhältnis zwischen der Stadt und Weber war schon in früheren Jahren nicht einfach. Das Eis gebrochen hatte einst Stadtpräsidentin Corine Mauch (SP), als sie Weber mit einem Blumenstrauss besuchte, um über die Zukunft des Hauses zu reden. Bei der gestrigen Medienkonferenz zollte Mauch der abwesenden Gründerin des Hauses erneut Respekt: «Wir danken Heidi Weber für diesen Akzent, den sie zusammen mit Le Corbusier hier gesetzt hat», sagte die Stadtpräsidentin.

Es handelt sich um den letzten Bau, den Le Corbusier gestaltete – und um seinen einzigen in der Deutschschweiz. Für die Stadt birgt er auch steigendes touristisches Potenzial: Seit wenigen Tagen ist Zürich dank dem Pavillon Station einer vom Europarat festgelegten Kulturroute zu Le Corbusier, wie Mauch erwähnte.

Im Winter geschlossen

«Bei der Sanierung wurde akribisch und detailgetreu gearbeitet», sagte Zürichs Hochbauvorsteher André Odermatt (SP) – mit dem Resultat, dass rein optisch kaum ein Unterschied zum ursprünglichen Zustand feststellbar ist. Eine neue Bodenheizung im Untergeschoss und ein Luftentfeuchter sorgen jedoch für ein besseres Raumklima.

Für den Einbau der Bodenheizung schnitten Fachleute 500 Bodenplatten heraus, um sie dann wieder jeweils exakt an der gleichen Stelle einzufügen. Drei der Schieferplatten bekamen dabei Sprünge, wie Brändle sagte. In den Obergeschossen wurden die völlig verstopften Heizungen laut dem Museumsdirektor jedoch nicht ersetzt: «Man hätte dem Haus dafür Gewalt antun müssen.» Da es unter Denkmalschutz steht, entschied sich die Stadt für eine sanfte Renovation.

Die Folge: Im Winter wird es immer noch sehr kalt im Gebäude. Deshalb ist es nur während der wärmeren Jahreszeit von Mai bis November geöffnet, wie Brändle erklärte. Und im Sommer kann es in dem Bau aus Glas und Stahlbau sehr heiss werden. Dafür bietet die von einem gleichsam freischwebenden Dach beschattete Dachterrasse luftige Aussichten auf den Zürichsee.