«Wir versuchen das Unerklärliche zu erklären», sagte die Zürcher Bildungsdirektorin Silvia Steiner (CVP) am Freitagnachmittag eingangs des Gesprächs mit Zürcher Medien, an dem sie die Zürcher Resultate des nationalen Schulvergleichs zu würdigen und erläutern gedachte. «Der Kanton Zürich liegt bei allen Bereichen im Durchschnitt der Kantone. Das ist ein gutes Resultat», hielt Steiner zudem fest.

Kopfzerbrechen würden allerdings die Ergebnisse im Bereich Mathematik machen. «Da muss man sich fragen, wieso so wenige Schüler die Grundkompetenzen erreicht haben», sagte Steiner, «zumal die gleiche Population, also die 15-Jährigen, beim Pisa-Test ein Jahr früher ganz gut abgeschnitten hatten.»

Den nationalen Vergleich – die ganz korrekte Bezeichnung lautet «Überprüfung des Erreichens der Grundkompetenzen (ÜGK)» – hatte Steiner bereits am Freitagvormittag in Bern als Präsidentin der Schweizerischen Konferenz der kantonalen Erziehungsdirektoren (EDK) vorgestellt (siehe Seite 5). In Zürich sagte sie nun: «Die Wissenschafter, die den Pisa-Test mit dem ÜGK-Test verglichen haben, sagen, dass die Grundkompetenzen für den ÜGK-Test sehr hoch angesetzt seien, dass die Aufgaben also sehr anspruchsvoll sind.»

Zusammen mit ihrem Chefbeamten in dieser Sache, dem Bildungsplanungschef des Kantons, Konstantin Bähr, wies sie darauf hin, dass Zürich diesen Punkt schon lange festhielt. «Wir haben im Kanton Zürich schon bei der Erarbeitung der Grundkompetenzen für Mathematik darauf hingewiesen, dass unsere Fachleute, nämlich die Lehrerinnen und Lehrer, diese Grundkompetenzen als sehr hoch empfinden», so Steiner. Darum sei man in der Bildungsdirektion nicht so überrascht gewesen vom Resultat.

«Nur bedingt erreichbar»

Die getesteten Grundkompetenzen, sozusagen die Minimalanforderungen, auch Basisstandards genannt, waren 2010 in eine Anhörung gegeben worden, wie Konstantin Bähr sagte. Bereits diese Anhörung habe gezeigt, dass diese Basisstandards im Bereich Mathematik schon zu diesem Zeitpunkt «in aller Klarheit als hoch eingeschätzt worden sind». Die Anforderungen senken will Regierungsrätin Steiner aber nicht. «Wer die Ziele immer erreicht, setzt seine Ziele zu tief an», sagte Steiner dazu.

Als «tendenziell zu hoch und nur bedingt erreichbar» bezeichnete etwa der Zürcher Bildungsrat in der Anhörung die Aufgaben im Bereich Mathematik, 9. Klasse, während er gleichzeitig die Aufgaben im Bereich Sprache als «sinnvoll und grundsätzlich angemessen» beurteilte.

«Ein deutlicher Unterschied», wie Bähr auch am Freitag festhielt. Ein Unterschied, der laut Bähr mitunter damit zu tun hat, dass die Ausgangslage in den verschiedenen Bereichen sehr unterschiedlich war, als man die Tests erarbeitete. «Wenn man so etwas neu entwickelt, ist es schwierig einzuschätzen, ob man richtig liegt, insbesondere, wenn man es noch mit dem Anspruch versieht, dass es ein Minimalstandard, eine Grundkompetenz, ist», so Bähr.

Konkret: Im Bereich Mathematik habe man Innovation betrieben. Derweil habe man sich im Bereich Sprache auf bewährte Modelle stützen können – insbesondere bei den Fremdsprachen, wo es den sogenannten Gemeinsamen Europäischen Referenzrahmen gibt, auf den man sich gut habe abstützen können.

Hinzu kam, dass zum Zeitpunkt der Tests erst zwei Kantone die neuen sprachregionalen Lehrpläne eingeführt hatten. Das ist heute anders. Im laufenden Schuljahr hat der Kanton Zürich den Lehrplan 21 bis zur fünften Klasse eingeführt, per nächstes Schuljahr gilt der Lehrplan 21 dann auch ab der 6. Klasse.

Das will heissen: Als die Tests 2016 und 2017 stattfanden, hat man eine Harmonisierung überprüft, die zu diesem Zeitpunkt so noch gar nicht oder nur beschränkt stattfand. Letztlich zeigten die Testergebnisse nur «die Ausgangslage der Zielharmonisierung», sagte Steiner.

Auch wenn Steiner das Zürcher Resultat als «gut» bezeichnet und der Kanton Zürich sich in keinem getesteten Fach statistisch signifikant vom Schweizer Durchschnitt unterscheidet, heisst das nicht, dass kein Handlungsbedarf besteht. In ihrem Fazit richteten Steiner, Bähr, und die stellvertretende Bildungsplanungschefin, Sybille Bayard, den Blick auf die Zukunft. Mit der Weiterentwicklung der Lehrmittel, der Lernfördersysteme und dem Lehrplan 21 sollen Verbesserungen erzielt werden. Zudem ist es denkbar, dass das Zürcher Projekt «Alle» weiter ausgeweitet wird. Es läuft derzeit in neun Pilotschulen, darunter etwa die Sekundarschule Mettmenriet in Bülach. Es setzt an bei der individuellen Förderung, einer effektiveren Lernzeitnutzung und dem Selbstmonitoring der Schüler. Das Projekt «Alle» soll die Kompetenzen der schwächeren Zürcher Schüler in Deutsch und Mathematik verbessern.