Die SP der Stadt Zürich verzichtet darauf, Kandidaten für die Stadtratswahlen nachzunominieren. Dies hat die Partei am Donnerstag entschieden. Sie gibt damit den Stadtratssitz der überraschend nicht mehr antretenden Gesundheitsvorsteherin Claudia Nielsen kampflos her. Der Grund dafür: Die zwei Wunschkandidatinnen, die Nationalrätinnen Min Li Marti und Jacqueline Badran, stehen nicht zur Verfügung. Sie wären laut Gabriela Rothenfluh, Co-Präsidentin der SP Stadt Zürich, die «logischen Kandidatinnen» und bestens qualifiziert gewesen. Zu ihrem grossen Bedauern wollen beide jedoch nicht, wie Rothenfluh am Donnerstagabend vor den Medien sagte.

Jacqueline Badran, die eine schlaflose Nacht hinter sich hat, gab ihre Gründe für die Absage gleich vor den Medien bekannt: Zwar reize sie ein Stadtratsamt und sie habe sich eine Kandidatur ernsthaft überlegt, doch habe sie als Nationalrätin in Bern noch Sachen zu erledigen. «Meine Mission ist noch nicht abgeschlossen», sagte sie. Zudem sei sie als Unternehmerin eingespannt.

Min Li Marti hingegen wurde kürzlich Mutter. Dies lasse sich mit einem 24-Stunden-Wahlkampf, wie er jetzt erforderlich würde, nicht vereinbaren, sagte Rothenfluh.

Mit bestehendem Ticket weiter

Für Marco Denoth, Co-Präsident SP Stadt Zürich, ist daher klar: «Jetzt erst recht», sagte er. Ihr Ticket sei nun auf sechs Personen geschrumpft, diese würden sie nun aber mit aller Kraft unterstützen. Die SP schnürt zusammen mit den Grünen und der AL ein rot-grünes Päckli, sie haben sich ihre Unterstützung zugesichert.

Die SP tritt mit ihren drei bisherigen Stadträten André Odermatt, Raphael Golta und Corine Mauch, der amtierenden Stadtpräsidentin, an. Die Grünen schicken Finanzvorstand Daniel Leupi und Gemeinderätin Karin Rykart ins Rennen. Zudem hat die AL ihren Stadtrat, Sicherheitsvorsteher Richard Wolff, nominiert.

An der Juso-Stadtratskandidatur von Nina Hüsser ändert sich auch jetzt mit der neuen Ausgangslage nichts: Sie wird von der Mutterpartei lediglich finanziell unterstützt.
Damit gibt die SP einen ihrer vier Stadtratssitze kampflos her. Ihr grosses Ziel bleibt aber sowieso die Mehrheit im Gemeinderat. Denn die SP ist momentan mit 39 Vertretern zwar die stärkste Partei im 125-köpfigen Gemeinderat, die Mehrheitsverhältnisse sind aber äussert knapp: Schlägt sich die GLP auf die Seite der Bürgerlichen, dann haben diese zusammen eine Stimme mehr als die Linke.

Laut Denoth will die Partei nun ihren Basiswahlkampf weiterführen. Dazu gehören unter anderem noch rund 14'000 Telefongespräche mit der Bevölkerung, die man in den kommenden Wochen führen will. Mit 800 weiteren hat man bereits gesprochen.

«Nicht hässig auf Nielsen»

Stadträtin Claudia Nielsen hatte am Mittwoch überraschend mitgeteilt, bei den Erneuerungswahlen vom 4. März nicht mehr anzutreten. Für den Verzicht gab die 56-Jährige an, dass sie die politische Verantwortung für «fragwürdige Verbuchungen und Verwendungen von ärztlichen Honoraren» im Stadtspital Triemli übernehme.

Rothenfluh bezeichnete den Zeitpunkt von Nielsens Rücktritt knapp vier Wochen vor der Wahl als «denkbar ungünstig». Die SP hätte gerne alle vier Kandidaten ins Ziel gebracht. Die Co-Präsidentin betonte aber : «Wir sind nicht hässig auf Claudia Nielsen.» Nun stehe im Vordergrund, die Mehrheit im Gemeinderat zu erreichen. (be)