Regierungsrat Thomas Heiniger (FDP) spielte gestern im Kantonsrat Telefonauskunft – und nannte eine Nummer gleich mehrmals: Unter 0800 33 66 55 soll im Kanton Zürich ab 1. Januar 2018 nachts oder an Wochenenden, Feiertagen oder wenn der eigene Arzt sonst mal frei hat bei Notfällen das passende medizinische Angebot herauszufinden sein. Eine Triagestelle aus Ärzten und Assistenzpersonal wird an 365 Tagen im Jahr – darauf spielt die Telefonnummer an – rund um die Uhr erreichbar sein, so der Plan.

Sie berät Patienten am Telefon und verweist sie bei Bedarf an die Ärzte, Zahnärzte oder Apotheker, die in der Umgebung jeweils Notfalldienst haben. Betreiber der Triagestelle soll die Ärztegesellschaft des Kantons Zürich (AGZ) werden. Bei lebensbedrohlichen Situationen sind weiterhin die Rettungsdienste unter der Telefonnummer 144 erreichbar.

Die neue Triagestelle würde das unübersichtlich gewordene heutige System mit 25 verschiedenen Notfallnummern in 38 Regionen ersetzen, wie Susanne Leutenegger (SVP, Affoltern am Albis) betonte. Zudem ist es das erklärte Ziel, dass die Leute nicht mehr gleich die Notfallstelle des nächsten Spitals aufsuchen, was bei Bagatellfällen unnötig teuer ist, wie der Regierungsrat in seiner Vorlage festhält.

«Steuergelder verschwendet»

Grundsätzliche Opposition gegen die geplante Neuerung kam von den Grünliberalen: Sie stören sich daran, dass der Regierungsrat den Auftrag für die Triagestelle nicht öffentlich ausgeschrieben hat. «Es werden Steuergelder verschwendet», meinte Daniel Häuptli (GLP, Zürich). Er forderte das Parlament auf, die Vorlage zurückzuweisen, damit eine öffentliche Ausschreibung nachgeholt werden könne. Nur so lasse sich das Vertrauen schaffen, dass die Preise angemessen seien.

Der Regierungsrat hat mit der AGZ einen Preis von 7,3 Millionen Franken für den Betrieb der vorerst auf fünf Jahre befristeten Triagestelle ausgehandelt. Die Aufbaukosten in Höhe von 4 Millionen Franken würde der Kanton alleine bezahlen.

Die Regierung geht von rund 250'000 Anrufen pro Jahr aus. Bei den aktuell 1,52 Millionen Einwohnern des Kantons Zürich ergeben sich pro Einwohner Kosten von 4,80 Franken, wovon der Kanton und die Gemeinden jeweils die Hälfte übernähmen.

Mehrheit im Grundsatz für Reform

Den Rückweisungsantrag unterstützten ausser der GLP nur noch drei SVP-Mitglieder, sodass er klar scheiterte. Die überwiegende Mehrheit, darunter murrend auch Heinigers FDP, stellte sich im Grundsatz hinter das Reformprojekt. Definitiv darüber entscheiden wird der Kantonsrat voraussichtlich am 18. Dezember.

Gesundheitsdirektor Heiniger hielt mit Blick auf die Kritiker fest: «Eine Verpflichtung für eine Ausschreibung des Auftrags besteht nicht.» Die Gesundheitsdirektion habe die Preise durch Dritte beurteilen lassen und für vertretbar befunden. «Eine Ausschreibung wäre nicht zielführend», pflichtete Kaspar Bütikofer (AL, Zürich) bei. «Denn es gibt gar nicht viele mögliche Anbieter.» Der grösste Anbieter auf diesem Gebiet, das Ärztefon, wurde unlängst von der AGZ übernommen.

Markus Schaaf (EVP, Zell) erinnerte daran, dass noch vor einem Jahr ein Preis von 10 Franken pro Einwohner zur Diskussion stand. GLP-Kantonsrat Häuptli wies darauf hin, dass heute Kosten von 2 Franken pro Kopf üblich seien. «Normalerweise gehen die Stückkosten bei einer Zentralisierung zurück», so Häuptli.

Preis pro Einwohner unter 5 Franken

Vertreter von CVP und SP bezeichneten den ausgehandelten Preis als günstig, sofern dadurch tatsächlich weniger unnötige Spitalbesuche anfallen. Maria Rita Marty (EDU, Volketswil) zeigte sich diesbezüglich aber skeptisch: «Inwiefern die Leute nicht trotzdem gleich ins Spital gehen, wird sich zeigen.»

Josef Widler (CVP, Zürich), der als AGZ-Präsident zu den treibenden Kräften der neuen Triagestelle zählt, betonte: «Man hat festgelegt, dass der Preis pro Einwohner unter 5 Franken liegen muss. Es ist also nicht so, dass sich die AGZ daran gesundstösst.» Die Ärztegesellschaft habe bereits über drei Millionen Franken aus eigenen Mitteln in das neue Modell investiert.

Hintergrund für das neue System sei auch der Rückgang an Hausärzten. «Es gibt immer weniger Hausärzte und mehr Frauen im Arztberuf, die sich auch um ihre Familie kümmern wollen», so Widler. Daher sei ein Notfalldienst «nach alter Väter Sitte», bei dem ein Hausarzt oder sein Stellvertreter nahezu immer verfügbar wäre, nicht mehr möglich. Mit der geplanten zentralen Triagestelle könne der Notfalldienst hingegen künftig effizienter organisiert und ausgelastet werden.