Was der Muslim in Grossstädten der USA fast an jeder Ecke findet, sucht er in der Stadt Zürich oft vergebens: Einen Ort, wo er in Ruhe sein Gebet verrichten kann. Erst recht nicht, wenn er mit seiner Familie in der City gerade beim Einkaufen ist.

Das hat sich nun am vergangenen Dienstag geändert. Das Warenhaus Jelmoli bietet den Kunden aus dem arabischen Raum einen Gebetsraum an, wie Sprecherin Barbara Kallenberg sagt. Es befänden sich derzeit sehr viele arabische Touristen in der Stadt. In der Tat ist seit Ende Juli der Ramadan beendet. Während der Fastenzeit verzichten Muslime normalerweise aufs Reisen.

Ausrichtung nach Mekka

Vergangene Woche habe man nun bei Jelmoli beobachtet, «dass einige Gäste ihr Gebet an verschiedenen Orten in unserem Haus zelebriert haben», sagt Kallenberg. Aus diesem Grund habe man entschieden, einen Raum anzubieten, in den sich die Kunden zurückziehen können.

Wie die Kunden darauf aufmerksam gemacht werden, wo sich der Raum befindet und wie er eingerichtet ist, wollte die Sprecherin nicht ausführen. Muslime müssen sich vor dem Gebet waschen und nach Mekka ausrichten. Für gewöhnlich liegen also Gebetsteppiche bereit, die in die richtige Richtung, nach Südosten, weisen.

Das Angebot steht laut Kallenberg jedem offen, ist spontan ins Leben gerufen worden und auf die Sommerferienzeit befristet. Es endet am 27. August. Danach nutzt Jelmoli die Räumlichkeit wieder anders.

Was verspricht sich das «House of Brands» davon? Die Sprecherin begründet die doch eher ungewöhnliche Einrichtung wie folgt: «Es gehört generell zum Service-Angebot von Jelmoli, Bedürfnisse und Wünsche der Kunden zu erkennen und wann immer möglich zu erfüllen. Wenn es die Situation erfordert, gehen wir hier auch einmal unkonventionelle Wege», sagt sie.

Bekannt ist, dass wohlhabende arabische Touristen internationale Topmarken und Beauty-Produkte mögen. Aus diesem Grund bieten auch Warenhäuser im süddeutschen Raum diesen Service an, etwa das Kaufhaus Oberpollinger in München oder das OutletStore-Village Ingolstadt.

In Zürich nimmt Jelmoli hingegen eine Vorreiterrolle ein. Manor wie auch Globus kennen kein solches Angebot. Bei Globus hat das vor allem mit dem Platzmangel zu tun, wie Globus-Mediensprecher Jürg Welti sagt.

Muslime freuen sich, wie eine Anfrage bei zwei Zürcher muslimischen Organisationen zeigt. Bis anhin habe er jeweils nach Hause gehen oder eine Moschee aufsuchen müssen, wenn es Zeit fürs Gebet war, sagt Saad Suban, Administrator bei der Stiftung Islamische Gemeinschaft Zürich. Der Koran schreibt den Gläubigen fünf Gebete zu bestimmten Zeiten pro Tag vor. Zwischen Mittag und Abend sind es drei. Kann Suban im Warenhaus beten, bleibt ihm danach nochmals Zeit, um den Einkauf fortzusetzen.