Wer mit Hilfe von Medikamenten abnehmen will, kommt um eine Diät nicht herum. Ärzte verschreiben Xenical oder Reductil aber bloss selten.


Pssst. «Das Gerücht ist wahr. 5 oder sogar 25 Kilo abnehmen? Ja . . . gerne!» So oder ähnlich locken unzählige Internetseiten für ihre ultimativen Schlankheitspräparate. Ob mit Abnehmgel, Sauna-Hosen, Ingwer oder Kapseln aller Art. Überall werden schnelle und grosse Gewichtsverluste versprochen - allerdings auch zu einem hohen Preis. Die effektive Wirkung der Mittelchen bleibt aber ungewiss, vor allem bei pflanzlichen Stoffen.
Es gibt aber auch rezeptpflichtige Schlankheitspräparate. Zu den bekanntesten gehören Xenical (von Roche) und Reductil (Abbott). «Diese Präparate werden aber nur selten und in ausgesuchten Fällen verschrieben», erklärt Stoffwechselexperte Rolf Stöckli vom Basler Universitätsspital.

Wer ist ein potentieller Kandidat für Xenical oder Reductil? Personen mit einem Body Mass Index von über 30 oder bei stark Übergewichtigen mit Risikofaktoren wie Diabetes oder hohen Cholesterinwerten, antwortet Stöckli. Von alleine richten es die Medikamente allerdings nicht. Xenical und Reductil sind nur in Kombination mit einer kalorienreduzierten Ernährung zugelassen. «Ohne nachhaltige Änderung der Lebensgewohnheiten zeigen auch diese Präparate keinen langfristigen Erfolg», berichtet Thomas Steffen, Leiter Gesundheitsförderung und Prävention Basel-Stadt. Xenical und Reductil wirken also bloss unterstützend bei mehr Bewegung oder fettarmer Ernährung. «Es muss ein Wille zum Abnehmen da sein», erklärt Stöckli.
Wie viele Pfunde mit Hilfe der Chemie purzeln, ist unterschiedlich. «Die durchschnittliche Gewichtsabnahme mit Xenical sind 10 Kilogramm in sechs Monaten», erklärt Martina Rupp, Medienbeauftragte beim Basler Pharmakonzern Roche. Stoffwechselexperte Stöckli meint zu diesem Thema: In klinischen Studien sei mit Xenical binnen eines Jahres eine Gewichtsreduktion von 8 Prozent erreicht worden. In einer Studie betrug der Gewichtsverlust mit Reductil 5 Kilo pro Jahr, in Kombination mit einer Diät aber 12 Kilo. «Es sind keine Wundermittel», schränkt Stöckli ein.

Interessant ist die unterschiedliche Wirkungsweise der beiden Präparate. Der Wirkstoff Sibutramin in den Reductil-Kapseln ist ein Appetithemmer und verstärkt das Sättigungsgefühl, wirkt also im Hirn. Xenical, mit dem Wirkstoff Orlistat, verhindert hingegen, dass zu viel Fett via Darm in den Körper gelangt. «Xenical hat auch eine erzieherische Wirkung», beschreibt Stöckli. Bei fettreicher Ernährung verstärken sich die Nebenwirkungen wie fettiger, öliger Stuhlgang. Die häufigste Nebenwirkung bei Reductil ist laut Stöckli erhöhter Blutdruck.
Aber auch zahlreiche andere Nebenwirkungen sind möglich. Deshalb warnt Gesundheitsexperte Steffen: «Rezeptpflichtige Medikamente dürfen keinesfalls ohne ärztliche Behandlung angewendet oder über das Internet bezogen werden.» (Siehe unten) Untauglich und sogar gefährlich seien harntreibende- und Abführmittel, um längerfristig Gewicht zu verlieren.
Gefahrloser können hingegen einige andere im Internet angepriesene «Schlankmacher» konsumiert werden. So soll Grüner Tee den Heisshunger stoppen oder Rührei die Pfunde zum schmelzen bringen. Ob es was nützt, steht auf einem anderen Blatt geschrieben - oder eben auch nicht.